Über Wasser diskutieren
Wer bekommt den letzten Tropfen? Expert:innen diskutieren auf dem Podium beim ZukunftForum Alpen. © Julian Konrad
«Der globale Wasserkreislauf ist ein Gemeingut»
Der Alpenraum gilt als Wasserschloss Europas. Doch die Speicher sind nicht mehr so reich gefüllt wie einst. Steigende Temperaturen, unregelmässige Niederschläge, mehr Hitzetage: die Folgen der Klimakrise verändern den Wasserkreislauf in den Bergen. Wie soll die Alpengemeinschaft damit umgehen? Keynote-Speaker Johannes Cullmann ist überzeugt: «Der globale Wasserkreislauf ist ein Gemeingut.» Dafür brauche es Lösungen. Der Hydrologe spricht von Risikoabwägungen, internationaler Finanzierung und gemeinsamer Umsetzung. Die Köpfe im Publikum nicken zustimmend, Stifte kratzen über Notizblöcke.
Mikroplastik, Medikamente, Saharastaub: Monica Tolotti erzählt von ihrer Forschung an abgelegenen Gewässern im Hochgebirge. Auch dorthin gelangen über Regen und Luft Fremdstoffe. Die Süsswasserökologin spricht schnell und faktenreich auf Italienisch. Aus den Kabinen der Übersetzer:innen sind Wortfetzen in Deutsch, Französisch und Slowenisch zu hören. «Der Einfluss der Permafrostschmelze wird ab 2050 in den Alpen stark zunehmen» sagt Tolotti voraus. In der Pause strömen die Menschen nach draussen, Gespräche über Flüsse, Dürren und Erkenntnisse halten an.
Impressionen vom Liechtensteiner ZukunftsForum Alpen. © Oliver Ospelt
«Wir haben hier einen gefährlichen Kipppunkt erreicht»
Wasser treibt Turbinen an, verwandelt Skipisten in weisse Abfahrtsträume und bildet den Lebensraum für Frosch und Wollgras. Doch die Ressource wird in den Alpen knapper. Wo ist der Bedarf am grössten? Wie lassen sich Konflikte entschärfen? Wer entscheidet? Diese Fragen diskutieren vier Expert:innen aus Tourismus, Energie, Wissenschaft und Naturschutz auf dem Podium. Moderator Kaspar Schuler eröffnet: «Sind Speicherseen die Lösung für die Wasserknappheit in den Alpen?» Die Frage hängt einen Moment in der Luft, bevor Carmen de Jong widerspricht. Speicherbecken für Skipisten seien nicht mit denen für Wasserkraft oder Hochwasserschutz zu vergleichen. Skigebiete pumpen inzwischen sogar Grundwasser ab. Die Hydrologieprofessorin warnt: «Wir haben hier einen gefährlichen Kipppunkt erreicht.»
Am Nachmittag führt eine Exkursion zum Rhein, die Sonne brennt auf die Kiesbänke herunter, weisse Steine neben türkisblauem Wasser. Die Teilnehmenden hören von Energiegewinnung, Überschwemmungen, Natur- und Erholungsraum. Zur gleichen Zeit diskutieren die anderen in sommerheissen Seminarräumen über schmelzende Gletscher, Wiederbelebung von Gewässern, Trockenheit in der Landwirtschaft und auf Alphütten.
Die Teilnehmenden diskutieren in Workshops und Exkursionen über Nutzung und Schutz des Wassers in den Alpen. © Julian Konrad
Wasser ist mehr als eine Ressource
Das ZukunftsForum Alpen zeigte: Die Herausforderungen rund um das Thema Wasser sind komplex. Es mangelt nicht an Forschung, Ideen, engagierten Menschen und Initiativen, sondern an der Umsetzung. Weil Wasser keine Grenzen kennt, braucht es für wirkungsvolle Lösungen breite Zusammenarbeit. Ziel von CIPRA International war es, mit der Veranstaltung verschiedene Perspektiven, neue Erkenntnisse und alpenweite Vernetzung zu fördern. Die Diskussionen in Workshops, Vorträgen und Exkursionen verdeutlichten: Wasser ist mehr als eine Ressource – es verbindet Landschaften, Gemeinschaften, Kulturen und Generationen. Seine Sicherung und Gestaltung sind grundlegend für eine lebenswerte Zukunft in den Alpen.
Das Liechtensteiner ZukunftsForum Alpen steht unter dem Patronat der Regierung des Fürstentums Liechtenstein und wird von der CIPRA International organisiert sowie von der Gemeinde Schaan finanziell unterstützt.
Autorin: Maya Mathias-Seger, CIPRA International
Weitere Informationen
Die Ergebnisse der Konferenz sind online verfügbar unter: www.zukunftsforumalpen.li/rueckblick
Poster zu Wasser in den Alpen: www.cipra.org/de/publikationen/zukunftsforum-alpen-2025-poster
Interview mit Hydrologin Carmen de Jong: www.cipra.org/de/news/wintersport-am-kipppunkt
CIPRA Wasser-Projekt H2Opportunities: www.cipra.org/de/projekte/h2opportunities