Über Gletscher berichten
Mehr Klimaschutz: Die Gletscherkarawane aus Italien ruft ein Manifest für die Gletscher aus. © Elia Andreotti
Eine Reise ins Herz der Berge
Der Flashmob war Teil der Gletscherkarawane aus Italien, einer Reise, die Forschende, Aktivist:innen und Medienschaffende aus verschiedenen Alpenländern zusammenbrachte. Die Szene wiederholte sich in jeder Etappe, von den Gipfeln von Adamello bis zu den Gletschern in der Schweiz, Lombardei, Alto Adige, Deutschland und im Piemont. Ihr Ziel: die letzten Alpengletscher sichtbar machen – wissenschaftlich, politisch, emotional. CIPRA Italien rief zusammen mit Legambiente und weiteren Umweltorganisationen ein Manifest für die Gletscher aus. Anlässlich des ersten Welt-Gletscher-Tags am 21. März forderten sie die Europäische Union zu mehr Klimaschutz auf.
Das Thema gewann 2025 besondere Dringlichkeit: Die Vereinten Nationen und die Weltwetterorganisation erklärten es zum Internationalen Jahr für den Erhalt der Gletscher. Die Alpen lieferten besorgniserregende Schlagzeilen: der Abbruch des Birchgletschers Ende Mai begräbt in der Schweiz ein ganzes Bergdorf, erstmals wurde im Alpenraum bereits im Juni eine Nullgradgrenze über 5000 Metern gemessen, Schneemangel und Hitzewellen schmelzen die Alpengletscher weiterhin im hohen Tempo. Damit steuern die Alpen weiterhin auf einen kritischen Kippunkt zu: Dem vollständigen Verschwinden der Gebirgsgletscher.
Stimmen

«Es braucht ein einheitliches Monitoring der Gletscher auf europäischer Ebene. Denn nur, wenn wir verstehen, was mit unserem Planeten geschieht, können wir passende Massnahmen treffen.»
Vanda Bonardo, Präsidentin von CIPRA Italien und Initiatorin der Gletscherkarawane.
«Wir können uns nicht an den Klimawandel anpassen, indem wir die Klimaanlage einschalten – wir müssen unser Denken und Handeln ändern, und zwar hier und jetzt!»
Miha Pavšek, Klimageograf und Mitglied bei CIPRA Slowenien.

«Heute steht jedoch nicht mehr die dramatische Schönheit der einstigen Eisriesen, sondern ihr dramatischer Schwund im Fokus der Kunst – und mit ihm die Trauer um Verlust, das Bangen vor bevorstehenden Veränderungen und die Hoffnung auf Schutz.»
Edith Hessenberger, Kulturwissenschaftlerin und Leiterin der Ötztaler Museen.
«Nach dem Gletscher»
Sloweniens Gletscher sind bereits verschwunden: Weniger Eis bedeutet mehr Gefahren in den Bergen und weniger Wasser für die lokale Bevölkerung, sagte der slowenische Geograf Miha Pavšek im Interview. Unter dem Titel «Nach dem Gletscher» beleuchtete CIPRA International im Themenheft SzeneAlpen die Folgen der Eisschmelze. «Einmal mehr lässt sich der Blick auf Gletscher als Spiegel unserer Gesellschaft lesen», schrieb die Autorin und Kulturwissenschaftlerin Edith Hessenberger in ihrem Gastbeitrag. Im Magazin ging es zudem um die Klänge der Eisriesen, das Schmelzen alter Gewissheiten, Gletschervorfelder als neue Lebensräume und um starke Stimmen für den Klimaschutz.
Das Eis schmilzt: Im Themenheft SzeneAlpen blickt die CIPRA auf die Folgen für Mensch und Natur. © Matteo Monzali
Informiert handeln
Für CIPRA International bedeutet das Berichten über Gletscher weit mehr als nur den Verlust von Eis und Landschaften zu dokumentieren. Es geht darum, Wissen zu vermitteln, unterschiedliche Perspektiven sichtbar zu machen und Handlungsräume aufzuzeigen – von konkretem Klimaschutz bis hin zur Anpassung an die Folgen der Klimakrise. Sowohl mit dem Themenheft SzeneAlpen als auch im Newsletter alpMedia, über Social Media und die Website. Die Richtung ist bereits klar: Die alpinen Gletscher werden wohl bis zum Ende des Jahrhunderts verschwinden. Doch wie schnell sie das tun, liegt nach wie vor in unserer Hand.
Autorin: Maya Mathias-Seger, CIPRA International
Weitere Informationen
SzeneAlpen «Nach dem Gletscher»: www.cipra.org/de/publikationen/szenealpen-nr-112-nach-dem-gletscher
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Mehr über die Gletscherkarawane: www.cipra.org/de/news/eine-reise-ins-herz-der-gletscher
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