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Skitourismus als Nimmersatt

Ausbau und Technisierung von Skigebieten sind im Hinblick auf den Klimawandel nur eine kurzfristige Lösung. © DAV, Manfred Scheuermann

Gigantische Speicherbecken, Heere von Schneekanonen, heimliche Rodungen. Der Ausbau der Skigebiete wird in allen Alpenländern vorangetrieben – mit fragwürdigen Methoden und Konzepten. Drei Beispiele.

Wie sieht die Zukunft des Wintertourismus in den Alpen aus? Wissenschaftliche Studien rechnen vor, dass der Skisport den Wettlauf gegen die Klimaerwärmung verlieren wird. Trotzdem wird allerorts der Ausbau forciert. Er macht auch vor Naturschutzgebieten nicht Halt – obgleich sich die Alpenländer mit der Alpenkonvention verpflichtet haben, die Schutzgebiete zu erhalten. Die folgenden Beispiele aus Italien, Österreich und Deutschland zeigen, wie mit den letzten naturnahen Flächen in den Alpen umgegangen wird. Und wie wichtig das Engagement der Zivilgesellschaft ist.

Sextner Dolomiten: Bagger greift Justiz vor

Die Skiverbindung Helm-Rotwand in den Dolomiten darf gebaut werden unter Einhaltung von 50 Auflagen. Das hat jetzt das italienische Verwaltungsgericht entschieden. Vor dem endgültigen Beschluss der Justiz aber schafften die Initianten schon Tatsachen: Im August 2013, an einem Wochenende in der Ferienzeit, wurden zehn Hektar Wald gerodet – um den für Montag darauf gerichtlich angeordneten Baustopp zuvorzukommen. Umweltorganisationen und Bürgerbewegungen hatten am Projekt kritisiert, dass ein naturnahes Gebiet und ein Lebensraum seltener Pflanzen und Tiere durch zwei neue Pisten und Aufstiegsanlagen zerstört werden. Eine einzige Umlaufbahn ohne Pisten hätte die beiden Skigebiete auch verbinden können.

Mölltaler Gletscher: Alpenkonvention als Wegweiser

Darf ein Naturschutzgebiet für eine Skipiste verkleinert werden? Darüber wird auch in Kärnten in Österreich gestritten. Am Mölltaler Gletscher planen Investoren ein 900-Betten-Hotel. Sie wollen 90 Millionen Euro investieren, dafür aber eine Talabfahrt durch die beiden Naturschutzgebiete Kleinfragant und Wurten-West haben. Jetzt hat der Naturschutzbeirat mit Bezug auf die Alpenkonvention die Skipiste abgelehnt. In einem Gutachten von CIPRA Österreich heisst es, dass das Projekt dem Völkerrecht widersprechen würde, da Schutzgebiete als solche erhalten werden müssen. Gesetze können nicht einfach abgeändert werden. Die Entscheidung des Naturschutzbeirats ist zwar bindend. Einige politische Parteien, darunter die Volkspartei, und die Bürgermeister des Mölltals wollen das Projekt aber um jeden Preis.

Sudelfeld: grösster und strittigster Ausbau Deutschlands

Das angebliche öffentliche Interesse am Ausbau des Skigebiets Sudelfeld geht vor. Mit dieser Begründung genehmigte Mitte April 2014 die zuständige Behörde den Bau eines künstlichen Speichersees samt Beschneiungsanlagen im Landschaftsschutzgebiet Sudelfeld. Allein schon das Becken ist mit einer Fläche von 1,5 Hektar und einer Dammhöhe bis zu 38 Meter gigantisch. Das Wasser soll über 250 Schneekanonen speisen. Die Bayrische Staatsregierung will sich mit bis zu 45 Millionen beteiligen. Berg- und Umweltorganisationen kritisieren den Entscheid als falsches Signal für Naturschutz und Tourismus: Die Investition sei aufgrund des Klimawandels kurzsichtig, viele Fragen wie etwa die Auswirkungen auf den Wasserhaushalt seien ungeklärt. Öffentliche Gelder dürften keinesfalls für die Zerstörung des Landschaftsschutzgebiets verwendet werden. Daher reichen der Bund Naturschutz und der Deutsche Alpenverein Klage gegen das Projekt ein und fordern einen Baustopp.

Quelle und weitere Informationen: http://www.sueddeutsche.de/bayern/streit-um-skigebiet-gigantische-baumassnahme-soll-zukunft-des-sudelfeld-retten-1.1943883, http://www.alpenverein.de/presse/beschneiung-sudelfeld-klage_aid_14106.html, http://www.landesforstdirektion.ktn.gv.at/27987p_DE-ktn.gv.at.?newsid=22568&backtrack=27987, http://kaernten.orf.at/news/stories/2643194/, http://www.forum-bruneck.com/?tag=rotwand, http://www.alpenverein.de/presse/beschneiung-sudelfeld-klage_aid_14106.html