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Dossier

Wohnen und Arbeiten in den Alpen

Chur/CH © Heinz Heiss

Welche Herausforderungen, Perspektiven und Potenziale haben periphere Räume?

Hier prosperierende Städte, dort sich entleerende Bergdörfer. So eindeutig wie das Bild erscheint, ist die Realität selten. Zwar verzeichnen periphere Regionen oftmals kleinere Wachstumszahlen als solche mit Zentrumsfunktion – oder gar negative. Doch Wachstum ist kein Parameter für Lebensqualität.

Viele Menschen entdecken die Qualitäten des Lebens auf dem Land wieder. Ungenutzte Gebäude, günstigere Bodenpreise, die Nähe zur Natur und das kleinräumigere soziale Gefüge bieten Raum für neue Ideen und Lebensstile. Die «rurale Renaissance» ist ein kleiner Beitrag, um neues Leben in halbleere Bergdörfer zu bringen. Mit Offenheit und Risikobereitschaft gestalten Zugezogene und Ansässige gemeinsam ihren Lebensraum. Denn letztlich sind es immer Menschen, ihre Fähigkeiten und Kompetenzen, die entscheidend sind für eine nachhaltige Dorf- und Regionalentwicklung – unter Berücksichtigung gewisser Aspekte.

Um der Überalterung auf dem Land entgegen zu wirken, braucht es vielfältige Jobs und Arbeitsmodelle, die den heutigen Bedürfnissen und Ausbildungen der jungen Menschen entsprechen, und eine Infrastruktur, die den täglichen Bedarf sicherstellt. Innovative Modelle für die Grundversorgung in peripheren Räumen entwickelt etwa die französische Organisation Adrets mit den «Maisons de services au public», die unterschiedliche Dienstleistungen kommerzieller und nicht-kommerzieller Art unter einem Dach vereinen.

Die vorhandenen natürlichen Ressourcen zu berücksichtigen, ohne sie zu übernutzen, und diese in Wert zusetzen, ist ein weiterer Erfolgsfaktor. Damit die Wertschöpfung in der Region behalten werden kann, braucht es die Zusammenarbeit unterschiedlicher Menschen über Sektoren-, Organisations- und Verwaltungsgrenzen hinweg. Spannen etwa Tourismus- und Bauernverbände zusammen, so können die Bauern nicht nur ihre Produkte in der Region absetzen, sondern diese werden auch zu Botschaftern für die Region.

Ob eine Initiative Früchte trägt, hängt in der Anfangsphase oftmals von einzelnen engagierten Menschen mit hoher Risikobereitschaft ab. Längerfristig ist ein Projekt indes nur erfolgreich, wenn es auf vielen Schultern ruht, institutionalisiert und professionell gemanagt wird. Ermutigung und Unterstützung können von innen wie auch von aussen kommen – wie es auch finanzielle Unterstützung von innen und von aussen braucht. Gut vernetzte Fürsprecher in der Stadt, im Flachland, in der nationalen Politik, tragen zum Fundament einer nachhaltigen Dorfentwicklung in peripheren Räumen bei.

Sichtbare Erfolge motivieren die Menschen dranzubleiben. Auch kleine, schnell realisierbare Vorhaben sind wichtige Beiträge: So zeigt etwa ein sanierter traditioneller Brotbackofen in Valendas, Schweiz, dass Erfolge möglich sind – und er bringt die Bevölkerung zusammen, um gemeinsam Brot zu backen.

 

Quellen:

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