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Salzburgs Kandidaturen für Olympische Winterspiele

Die Kandidatur für 2006

Auf Initiative der Wirtschaftskammer Salzburg und auf Drängen der grossen Bergbahnen finanzierte das Bundesland Salzburg eine Machbarkeitsstudie für eine Bewerbung für 2006. Aber schon bei der Vorauswahl entschied sich das Österreichische Olympische Komitee für Klagenfurt, dessen Bewerbung dann beim IOC die Endphase gar nicht erreichte; die Spiele gingen an Turin.

Die Kandidatur für 2010

Anlässlich der Bewerbung für Olympische Winterspiele 2010 stand der Umweltschutz-Gedanke bei den Olympia-Kritikern im Mittelpunkt. Auf Initiative des Naturschutzbundes formierte sich in Salzburg die Arbeitsgemeinschaft ARGE ÖKO OLYMPIA 2010 mit prominenten Mitgliedern. Die ARGE sollte mit der Unterzeichnung eines Vertrages mit den Bewerbern und der Landesregierung «eine Zerstörung der Natur und eine Beeinträchtigung der Bevölkerung» verhindern. Es kam zu mehreren Verhandlungsrunden, doch zu keiner Vertragsunterzeichnung. Es gelang dann der ARGE sogar, einen Gesprächstermin mit den in Salzburg zur Prüfung weilenden Mitgliedern der IOC-Evaluationskommission zu erhalten und dort darauf hinzuweisen, dass die Bewerber keine schriftliche – also einklagbare – Garantie bezüglich des Umweltschutzes abgeben wollten.
Um die Kritiker knapp vor der Wahl der Olympiastadt ruhig zu halten  schrieb der Bürgermeister der Landeshauptstadt Salzburg als für die Bewerbung Hauptverantwortlicher an die ARGE, es sei ja alles geregelt. Der Politiker musste dann den Beweis nie antreten, ob dem so sei, denn die Spiele 2010 gingen an Vancouver.

Die Kandidatur für 2014: Ein Trauerspiel in mehreren Akten

Erster Akt: Die Einstimmung der Bürger
Auf massiven Druck der Bergbahnen und Bürgermeister im Bezirk Pongau begann man, noch zaghaft, den Bürgerinnen eine neuerliche Bewerbung für 2014 schmackhaft zu machen. Der zukünftige Geschäftsführer einer Bewerbungsgesellschaft 2014 meinte im Interview in den Salzburger Nachrichten, für die Bewerbung entstünden nun geringere Kosten, weil schon viel vorhanden sei – und überdies brächte die Durchführung bei Einnahmen von 1,6 Milliarden über 500 Millionen Euro Überschuss
Die Bewerbung 2010 zeigte deutlich, dass die Bevölkerung sich nicht so sehr über mögliche Umweltschäden sorgte, vielmehr war sie gegenüber möglichen finanziellen Lasten für den Steuerzahler ablehnend eingestellt. Das war dann natürlich auch die Stossrichtung für die Olympiagegner, insbesondere weil
die Bewerbungsgesellschaft dem Landtag und dem Gemeinderat völlig falsche Zahlen lieferte.

Zweiter Akt: Das Bürgerbegehren in der Bewerberstadt Salzburg
Eine von der Österreichischen Volkspartei wegen Unbotmässigkeit ausgeschlossene, und daher «wilde» Gemeinderätin sammelte mit einem Miniteam innerhalb kurzer Zeit die notwendigen mehr als 2000 Unterschriften für die Abhaltung eines Bürgerbegehrens in der Stadt Salzburg.
Die Gegner arbeiteten gänzlich ohne finanzielle Mittel, die Befürworter setzten sogar den Bundespräsidenten mit einem «Postwurf an jeden Haushalt» ein; Landeshauptfrau (Ministerpräsidentin) und Bürgermeister waren eifrig am Wochenmarkt auf Wählerfang unterwegs. Umso enttäuschender war dann für alle Olympiafreunde das Ergebnis: In der Stadt Salzburg stimmte eine Mehrheit von 60,53 Prozent der Stimmberechtigten gegen Olympische Winterspiele.
Doch da es sich laut Stadtrecht nur um eine Bürgerbefragung handelte, mussten sich die Politiker nicht an das Ergebnis halten – man konnte sich also weiter bewerben.

Dritter Akt: Panik! Hunderte Millionen Euro prognostizierte Einnahmen sind verschwunden
Worauf die Kritiker seit Monaten immer wieder hingewiesen hatten: Die kolportierten TV-Einnahmen vom IOC waren Phantomzahlen. Daher mussten die geplanten Ausgabenposten um Hunderte Millionen Euro gekürzt werden.
Als Folge wurde auf der Ausgabenseite wurde getrickst und gelogen, unmögliche Möglichkeiten als realistisch, nicht vorhandene Sportstätten als funktionstüchtig dargestellt. Trotz dieser durchschaubaren Tricksereien wurde das Budget genehmigt – der Zuschuss für die Steuerzahler sollte ja «nur» 180 Millionen Euro betragen.

Vierter Akt: das Happy End

Der grosse Zauberer Putin rettete Salzburg – er brachte die Spiele nach Russland – für rund 50 Milliarden Dollar, wie man heute weiss.
2014, sieben Jahre nach dieser Entscheidung gegen Salzburg, fragt man sich, welche Auswirkungen eine erfolgreiche Bewerbung Salzburgs gehabt hätte – das Land konnte auch ohne Olympia nach einem Finanzskandal im Jahr 2012 den finanzellen Kollaps nur knapp vermeiden und musste das Budget radikal zusammen streichen. Für Olympia wären ungleich mehr Finanzmittel zusätzlich aufzubringen gewesen..


Nachspiel: doch kein Ende
Das Land Salzburg berichtet auf seiner Website über 77 Seiten über die Arbeit eines Untersuchungsausschusses im Zusammenhang mit der Olympia-Bewerbung für 2014. In Wien war damals ein Unterstützungsverein gegründet worden, der allerdings letztlich selbst aus dem Salzburger Olympiabudget unterstützt werden musste. Der Generalsekretär des Österreichischen Olympischen Kommitees wurde in letzter Instanz zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Salzburg dürfte auf lange Zeit von Olympischen Spielen geheilt sein.
Weitere Informationen: www.salzburg.gv.at/zusammenfassung-2.pdf


Zum Autor

Willi Rehberg ist gelernter Kaufmann und war zuletzt Geschäftsführer eines Umwelttechnik-Unternehmens und auch jahrelang  Schatzmeister der Alpenvereinssektion Salzburg. Er sammelte “Olympisches Knowhow” mit den Bewerbungen Salzburgs um die Olympischen Winterspiele 2006, 2010 und 2014 und unterstützte das Netzwerk NOLYMPIA München  2018 und 2022 mit zahlreichen Vorträgen in den vorgesehenen bayerischen Olympia-Austragungsorten. In Salzburg war er einer der Initiatoren der ARGE-ÖKO OLYMPIA 2010 und arbeitete wesentlich am Zustandekommen einer Bürgerbefragung gegen die Bewerbung Salzburg 2014 mit.
Kontakt:
rehberg@salzburg.co.at