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Ziele für nachhaltige Entwicklung

Die Vereinten Nationen haben in ihrer Agenda 2030 insgesamt 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung formuliert. Was bedeuten diese für die Alpen?

Was ist die Agenda 2030?

Die Agenda 2030 ist eine nicht rechtlich bindende, jedoch universell gültige Vereinbarung aller 193 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen. Sie bietet einen Referenzrahmen für die internationalen und nationalen Bemühungen zur Lösung globaler Herausforderungen. Inhalt dieses 2015 gesetzten Rahmens sind 17 Ziele, die sogenannten «Sustainable Development Goals» (SDG), auch Nachhaltigkeitsziele genannt, mit insgesamt 169 Unterzielen. Deren Botschaft: Die gesamte Weltgemeinschaft, von Regierungen über die Zivilgesellschaft bis hin zum Privatsektor, ist gefragt und (auf-)gefordert, die drängenden Herausforderungen der Welt gemeinsam zu lösen.

Wozu genau fordert die Agenda 2030 auf?

Die negativen Folgen unseres Konsums spüren wir als Mitglieder der Weltgemeinschaft auch in den Alpenländern auf sozialer, ökologischer und ökonomischer Ebene immer stärker. Die Artenvielfalt geht zunehmend verloren, soziale Spannungen verstärken sich durch die wachsende soziale Ungleichheit, extreme Wetterereignisse nehmen zu. Wir müssen unsere (westliche) Lebensweise und Wirtschaftsformen drastisch ändern und unsere Aktivitäten so auszurichten, dass sie zur Erreichung der SDG-Ziele bis 2030 – also in elf Jahren – beitragen. Den Klimawandel in Angriff zu nehmen und eine nachhaltige Entwicklung zu fördern, sind zwei sich verstärkende Seiten ein und derselben Medaille. Eine nachhaltige Entwicklung kann nur gemeinsam mit Massnahmen zum Klimaschutz erreicht werden. Viele der SDG adressieren daher auch die zentralen Ursachen der Klimakrise wie Industrie und Landwirtschaft, Tourismus, Mobilität sowie Produktion und Konsum.

Was hat das mit den Alpen zu tun?

Die Alpen sind einer der grössten zusammenhängenden Naturräume Europas, der sich durch seine spezifische und vielfältige Natur, Kultur und Geschichte auszeichnet. Sie sind Lebens-, Wirtschafts- und Erholungsraum für rund 14 Millionen Menschen. Gletscher, Schnee und Regen sind für die Trinkwasserversorgung und die Landwirtschaft essenziell. Als Alpengemeinschaft und Teil der jeweiligen Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen sind auch wir als Alpenbewohnerinnen und -bewohner angehalten, unseren Beitrag zu leisten, uns mit Fragen des demografischen Wandels, der Globalisierung und der Energieversorgung zu beschäftigen und Lösungen für anstehende Probleme zu finden – auf staatlicher und nichtstaatlicher Ebene.

Was tragen Regierungen und Zivilgesellschaft zu den SDG bei?

Einige Alpenstaaten haben die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen bereits aufgegriffen. Slowenien beispielsweise verfügt über eine «Roadmap 2013-2030», die unter Beteiligung der Zivilgesellschaft entstanden ist. In Frankreich verfolgt eine Generalkommission die Nachhaltigkeitsziele, allerdings ohne Beteiligung von NGO.  In Österreich haben sich aufgrund eines fehlenden nationalen Umsetzungsplans 140 Organisationen zur «SDG Watch Austria» zusammengeschlossen. «Strategisches Herangehen an die Agenda 2030 auf höchster politischer Ebene muss auf die Tagesordnung», sagt Annelies Vilim, eine der Mitgründerinnen dieses Zusammenschlusses. Die Schweiz erarbeitet seit 1997 im Vierjahreszyklus ein Strategiepapier zur nachhaltigen Entwicklung. 2015 beauftragte sie nach dem Beschluss der Agenda 2030 eine nationale Bestandsaufnahme. Im Fürstentum Liechtenstein ist das Amt für Auswärtige Angelegenheiten zuständig für SDG, im Regierungsprogramm kommen diese allerdings nur mit einem Satz vor. Auch hier haben sich NGO – darunter CIPRA International – zusammengetan, um zivilgesellschaftliche Initiativen zu SGD mit der Politik zu verknüpfen.

Sind die SDG das Mass aller Dinge?

Nein – und ja. Die Alpenkonvention gibt es schon viel länger als die SDG, nämlich seit 1991. Als rechtlich bindender Vertrag aller Alpenstaaten und der Europäischen Union fördert sie eine nachhaltig ökologische, soziale und ökonomische Entwicklung in den Alpen. Mit ihren Protokollen und Aktivitäten leistet die Konvention einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung der SDG. Obwohl die Alpenkonvention und SDG Instrumente unterschiedlicher Natur sind, unterstützen sie sich gegenseitig: Das Alpine Klimazielsystem 2050 orientiert sich zum Beispiel ausdrücklich an den SDG, der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen und an den Zielen des Klima-Übereinkommens von Paris 2015. Zudem bezieht sich die neu etablierte «Arbeitsgruppe Bodenschutz» der Alpenkonvention ebenso auf die SDG wie der 7. Alpenzustandsbericht «Naturgefahren Risiko-Governance». «In den kommenden Jahren streben wir eine noch stärkere Synergie mit den SDGs an», sagt Alenka Smerkolj, Generalsekretärin der Alpenkonvention. «Die Alpenkonvention ist in der Tat eine der wenigen internationalen Organisationen, die bereits viele der SDGs durch ihre Aktivitäten und Projekte umsetzt.»

Und was kommt nach 2030?

Mit dem Auslaufen der Agenda 2030 wird das Thema nicht vom Tisch sein. Das Ziel einer nachhaltigen Lebens- und Wirtschaftsweise, die mit weniger Ressourcen auskommt und uns gleichzeitig ein gutes Leben ermöglicht, wird weiterbestehen, vielleicht unter einem anderen Namen. Um diese Umwälzung zu meistern, müssen wir unverbindliche Vereinbarungen und Strategiepapiere ebenso ernst nehmen wie bindende Verträge. «Es braucht neue Strukturen, in denen Politik, Verwaltung, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft optimal zusammenarbeiten können», sagt Annelies Vilim. Dirk Messner, Direktor des Instituts für Umwelt und menschliche Sicherheit an der Universität der Vereinten Nationen in Bonn/D, schlug Ende Mai 2019 anlässlich der Jahreskonferenz von SDSN Switzerland in dieselbe Kerbe: «Die Krux ist, das Zusammenspiel zu koordinieren, damit Veränderung stattfindet.»