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Publikation

„Moderne" und „archaische" Kulturlandschaften in Mitteleuropa

„Moderne" und „archaische" Kulturlandschaften in Mitteleuropa
Erscheinungsjahr2011
Autor(en)Tatjana Reeg, Harald Schaich, Martin Volkmann, Werner Konold, Simone Heit
HerausgeberAlbert-Ludwigs-Universität Freiburg
Institut für Landespflege
Internet: http://www.landespflege-freiburg.de
ErscheinungsortFreiburg
ISBN/ISSN3-933390-47-9
Sprachede
Preis€ 22
Bezughttp://www.landespflege-freiburg.de/culterra/index
Seiten186
Der kontinuierliche Wandel ist die auffälligste Konstante in der geschichtlichen Entwicklung unserer Kulturlandschaften in Europa. Dieser Landschaftswandel wurde in der Vergangenheit hauptsächlich durch eine Intensivierung der landwirtschaftlichen Produktion angetrieben und hat in den vergangenen beiden Jahrhunderten die Nutzungssysteme und Landschaftselemente der traditionellen Kulturlandschaften weitgehend zurückgedrängt. Mit der Intensivierung der Landwirtschaft und der Aufgabe von traditionellen Landnutzungspraktiken ist unweigerlich auch der Verlust von Biodiversität (Strukturen, Arten und genetische Variabilität), von naturschutzfachlichen Werten, von Landschaftsfunktionen, aber auch von soziokulturellen Werten wie kulturelles Erbe, Tradition oder Ästhetik und Funktionen wie Erholung und Tourismus verbunden. Aus dieser Entwicklung resultieren neue gesellschaftliche Ansprüche und damit auch neue Herausforderungen für die europäischen Kulturlandschaften. In der jüngerer Vergangenheit wurde zunehmend auch der Wandel von Kulturlandschaften durch naturschutzfachliche Ansprüche der Gesellschaft in Gang gesetzt, wie etwa Landschaftsfunktionen der traditionellen Kulturlandschaft wiederherzustellen oder verbliebene Elemente „archaischer“ Nutzungssysteme zu schützen. Oder es entstehen „moderne“ Kulturlandschaften durch die Ausrichtung auf neue landwirtschaftliche Produkte oder die Entwicklung von neuen Nutzungssystemen, die sich in ihrer Struktur an alten Vorbildern traditioneller Landschaften orientieren, aber unter den heutigen ökonomischen Rahmenbedingungen rentabel zu bewirtschaften sind.
Diesen Kontext beleuchten die vier Beiträge des vorliegenden Sammelbandes aus ganz unterschiedlichen Perspektiven und anhand verschiedener Fallbeispiele und Regionen. Die Arbeiten sind aus verschiedenen Forschungsprojekten des Instituts für Landespflege der Universität Freiburg entstanden. Der erste Beitrag beschäftigt sich anhand der Wertholzproduktion in Agroforstsystemen mit entstehenden modernen, multifunktionalen Kulturlandschaften, die sich an alten Strukturen traditioneller Nutzungssysteme orientieren, aber gleichzeitig das Potenzial haben, langfristig wirtschaftlich rentabel zu sein. Der Landschaftswandel in einer Flussaue von einer trocken gelegten, „modernen“ Agrarlandschaft zu einer wiedervernässten, „archaischen“ Feuchtlandschaft in Luxemburg und seine Effekte auf Biodiversität und die Akzeptanz in der Bevölkerung sind Gegenstand des zweiten Beitrags. Den Einfluss des neuen landwirtschaftlichen Produkts „Biogas“ auf den Landschaftswandel bzw. dessen Beitrag zu einer „Modernisierung“ der Kulturlandschaft des Allgäus und die zugrunde liegenden Bewirtschaftungskonzepte und Betriebsmotive der Landwirte werden im dritten Beitrag analysiert. Die letzte Studie stellt den naturschutzfachlichen Wert und die Möglichkeiten der Erhaltung von Landschaftselementen silvopastoraler Nutzungen „archaischer“ Weidewälder auf der Schwäbischen Alb in den Mittelpunkt.