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Wo Pestizide nicht hingehören

Die Abdrift von Pestiziden auf sensible Zonen bleibt weiterhin ein grosses Problem in Südtirol. (c) Archiv Dachverband für Natur- und Umweltschutz

Auf Kinderspielplätzen, Schulhöfen und dem Marktplatz: Forschende aus Italien, Österreich und Deutschland weisen 32 verschiedene Agrargifte auf öffentlichen Plätzen in Südtirol nach.

Ausgebrachte Pestizide bleiben nicht auf den Zielflächen liegen, sondern sie werden durch Wind und Wetter grossflächig verteilt. Eine kürzlich veröffentlichte Studie konnte in Südtirol 32 Pestizide auf öffentlichen Flächen wie Schulen und Spielplätzen nachweisen, manche davon ganzjährig. Die Stoffe seien teilweise hormonell aktiv und stehen im Verdacht, krebserregend zu sein. Die AutorInnen der Studie aus Italien, Österreich und Deutschland sehen dringenden Handlungsbedarf. Massnahmen zum Schutz der Bevölkerung seien beispielsweise eine verbesserte Ausbringungstechnik, strikte Beachtung der Windverhältnisse und das Umstellen auf pestizidfreie Anbaumethoden.

Das Abdrift-Problem

Es ist nicht die erste wissenschaftliche Untersuchung dieser Art in Südtirol. Zum Beispiel wies bereits 2017 eine Studie vom Dachverband für Natur- und Umweltschutz und CIPRA Südtirol Pestizid-Rückstände auf Kinderspielplätzen nach. Beide Organisationen fordern angesichts der neusten Ergebnisse, dass Südtirol in Sachen Pestizide endlich rigorose Massnahmen ergreifen müsse, um sensible Zonen zu schützen und die Vorgaben der EU einzuhalten. Ansonsten sei Südtirol lediglich auf dem Papier ein «Land der Artenvielfalt». Andreas Riedl, Geschäftsführer von CIPRA Südtirol verlangt: «Null Abdrift muss so schnell wie möglich umgesetzt werden und nicht erst irgendwann in der Zukunft!»

Belastete Böden

Pestizide verbreiten sich nicht nur in der Luft, sondern auch in der Erde. Eine aktuelle Studie von Agroscope aus der Schweiz zeigt: Sogar Böden, die schon mehr als zwei Jahrzehnte biologisch bewirtschaftet werden, können noch Pestizid-Rückstände in geringer Konzentration enthalten. Deutschland schränkt unterdessen den Einsatz von Glyphosat mit dem überarbeiteten Naturschutzgesetz stark ein und beschliesst ein Verbot bis Ende 2023. In Schutzgebieten und an Gewässerrändern gelten künftig ebenfalls Pestizid-Einsatzverbote.

 

Quellen und weiterführende Informationen:

Year-round pesticide contamination of public sites near intensively managed agricultural areas in South Tyrol (Springer Open, en), DVN – Wissenschaftliche Studie: Abdrift bleibt ein Riesenproblem (Dachverband für Natur- und Umweltschutz in Südtirol), Bundeskabinett bringt Gesetz und Verordnung zum Insektenschutz und Glyphosat-Ausstieg auf den Weg (BMU), Auf Spurensuche nach Pestiziden in Schweizer Landwirtschaftsböden (Naturschutz)