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Sechster Deutscher Alpenpreis an Dr. Georg Meister

v.l.n.r.: Axel Doering (Präsident CIPRA Deutschland), Dr. Georg Meister (Preisträger), Dr. Sabine Rösler (Erste Vorsitzende Verein zum Schutz der Bergwelt); Bild: Franz Speer

Die Internationale Alpenschutzkommission CIPRA Deutschland verlieh am 4.12.2019 den Deutschen Alpenpreis an Dr. Georg Meister für seine besonderen Verdienste um den Bergwald, den alpinen Tourismus und sein überzeugendes Handeln nach der Maxime des „Tun und Unterlassens“.

Der Forstwissenschaftler Dr. Georg Meister war langjähriger Leiter des Hochgebirgsforstamtes Bad Reichenhall sowie Autor vieler Sachbücher zum Thema Wald und Jagd. Er gilt als „Gründervater“ des Nationalparks Berchtesgaden und war Mitinitiator des Ökologischen Jagdverbands Bayern, dessen Ehrenmitglied er heute ist.

Axel Doering, Präsident von CIPRA Deutschland, betonte: „Als vom Verein zum Schutz der Bergwelt der Vorschlag kam Dr. Meister mit dem Alpenpreis auszuzeichnen war ich sehr erfreut. Und die Diskussion im Vorstand zeigte, welchen hervorragenden Ruf Dr. Meister auch noch 25 Jahre nach seiner Pensionierung genießt. Als naturschutzbewegter Förster waren mir seine Veröffentlichungen und sein Handeln stets Vorbild und ich habe von ihm gelernt.“ Der Präsident von CIPRA Deutschland fasste zusammen: „90 Jahre und kein bisschen leise!“ Dies sollte Dr. Meister im Laufe des Abends noch mit einem beeindruckenden Vortrag unter Beweis stellen.

Sabine Rösler, Erste Vorsitzende des Vereins zum Schutz der Bergwelt, stellte die vielfältigen Beziehungen des Vereins und Dr. Georg Meister dar. Sie erläuterte die Gründe für seine Nominierung für den Alpenpreis: „Der Grund, warum wir ihn vorgeschlagen haben, waren seine besonderen Dienste für den Bergwald, den alpinen Tourismus und sein überzeugendes Handeln nach der Maxime des ‚Tuns und Unterlassens‘. Man kann etwas tun, aber man kann es auch lassen. Und das ist manchmal noch wichtiger.“ Der Alpenpreis ehrt ihn „als Diagnostiker natürlicher Prozesse sowie der Ziele und Ergebnisse der Hochgebirgs-Forstwirtschaft. Als Vordenker eines naturnahen „sanften“ Tourismus. Als Planer des ersten deutschen Alpen-Nationalparks Berchtesgaden. Als Begründer des Schutzwald-Sanierungsgebietes Weißwand in seinem damaligen Forstamt Bad Reichenhall, das zu einem der aufwendigsten, erfolgreichsten und meist-besuchten Sanierungsprojekten in den Bayerischen Alpen wurde. Als Autor von populären naturwissenschaftlichen, forst- und jagdpolitischen Büchern, Informationsbroschüren sowie als ehemaliger langjähriger Schriftleiter des Jahrbuchs des Vereins zum Schutz der Bergwelt.“

In seiner Laudatio gab Alois Glück, Landtagspräsident a.D., einen Einblick in die Rahmenbedingungen aus der Zeit Dr. Georg Meisters. „Er hat Vorschläge vorgelegt, wie die vorrangigen Gemeinwohl-Funktionen des Gebirgswaldes durch die Nachahmung natürlicher Prozesse nachhaltig optimal erfüllt werden können. Pioniere brauchen Leidenschaft, aber auch Leidensbereitschaft. Weil es um Emotionen, um Leidenschaft ging, um Macht und Einfluss wurde Georg Meister auch mit entsprechenden Emotionen, ja mit viel Hass und Verleumdung bekämpft. Trotzdem ist und bleibt geschichtliche Wahrheit, dass Dr. Georg Meister die fachlichen Voraussetzungen für den Nationalpark, den ersten Gebirgsnationalpark in Deutschland geschaffen hat. Die Arbeit und Wirkung von Dr. Georg Meister ist aber nicht auf diese Zeit beschränkt. Unermüdlich ist er auch seit seiner Pensionierung mit populären naturwissenschaftlichen, forst- und jagdpolitischen Büchern, Informationsschriften, als ehemaliger langjähriger Schriftleiter des viel zitierten Jahrbuchs des Vereins zum Schutz der Bergwelt und mit vielen Vorträgen weiter wirksam.“

Nach der feierlichen Übergabe des Alpenpreises durch Axel Doering stellte der Preisträger in einem Vortrag seine Gabe zur genauen Beobachtung und scharfen Analyse der Waldentwicklung, sowie sein rhetorisches Talent unter Beweis. Dr. Meister zeigte Wege zu einer nachhaltigen Waldverjüngung durch angepasste Wildstände auf. Die Natur übernimmt diese Aufgabe zuverlässig und vor allem kostenlos, wie er mehrfach betonte. Er setzte eine an den Wald angepasste Wildreduktion in der Schutzwaldsanierung an der Weißwand oberhalb der Queralpenstraße bei Unterjettenberg durch. Die Sicherung eines Verkehrsweges vor Steinschlag und Lawinen erregte das Aufsehen, das die interne Debatte um tragbare Wilddichten zwischen Jägern und Förstern in die Öffentlichkeit und in die Politik trug. Flankiert wurde er von Rechnungshof und Presse, die damals Alarm geschlagen hatten wegen vergeblicher Konzepte, Schutzwälder mit teuren Pflanzungen zu sanieren, die in kürzester Zeit wieder dem Wildverbiss zum Opfer fielen. So hat Dr. Meister mit seinen Analysen sowohl der Ausgangssituation als auch der Konzipierung und Umsetzung von Maßnahmen gegen viele Widerstände, aber nicht zuletzt durch Zusammenarbeit mit der Wasserwirtschaft und anderen Behörden, ganz erheblich zu einem Durchbruch in der nachhaltigen Bewirtschaftung des Bergwaldes beigetragen.

„Tun und Unterlassen“ war der Schlüssel für das er in seinem Leben viel getan hat.

Deutscher Alpenpreis von CIPRA Deutschland

Mit dem Deutschen Alpenpreis werden herausragende Persönlichkeiten aus Politik, Verwaltung, Verbänden, Wissenschaft oder aus der Bürgerschaft für ihren Einsatz für eine nachhaltige Entwicklung des (deutschen) Alpenraumes gewürdigt. Die Preisträger werden von den Mitgliedern von CIPRA Deutschland vorgeschlagen. CIPRA Deutschland ist ein Dachverband für im deutschen Alpenraum engagierte Umweltverbände.

Bisherige Preisträger des Deutschen Alpenpreises waren

  • Prof. Dr. Klaus Töpfer (2006), geehrt für sein Engagement bei der Entwicklung der Alpenkon-vention,
  • Dr. Helmut Karl (2008), geehrt für die Entwicklung des Bayerischen Alpenplans,
  • Dr. Wolfgang Burhenne (2011), geehrt als Gründungsmitglied von CIPRA International für sein über 60 Jahre fortwährendes Umweltengagement,
  • Prof. Dr. Werner Bätzing (2015), geehrt für sein Lebenswerk, die tiefgreifenden soziogeografischen Untersuchungen über den Alpenraum,
  • Sylvia Hamberger und Wolfgang Zängl (2017), geehrt für ihre 40-jährige Aufklärungsarbeit in Umweltfragen mit der Gesellschaft für ökologische Forschung.