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Klimalabor Alpen

Der Rückzug der Gletscher veranschaulicht den Klimawandel in den Alpen. © Michael Gams, CIPRA International

Ohne Klimaschutzmassnahmen wird die Durchschnittstemperatur im Alpenraum bis 2050 um bis zu 4,5 Grad ansteigen. Neue Initiativen geben Anlass zur Hoffnung, der aktuelle Klimabericht der vereinten Nationen verschafft dem Thema zusätzliche Aufmerksamkeit.

Was passiert bei 1,5 Grad globaler Erwärmung im Vergleich zu vorindustriellen Zeiten? Diese Frage beantwortet der Weltklimarat in seinem aktuellen Bericht. In den Alpen liegt der Temperaturanstieg allerdings jetzt schon bei zwei Grad. Das bestätigt Reto Knutti, Professor am Institut für Atmosphäre und Klima an der ETH Zürich, Mitautor von zwei Berichten des Weltklimarats. «Wir gehen in den neuesten Szenarien für die Schweiz von 2,5 bis 4,5 Grad Erwärmung bis Mitte des Jahrhunderts aus. Das sind natürlich sehr grosse Veränderungen.» Die Auswirkungen seien vielfältig. So werden 90 Prozent der Alpengletscher verschwinden, auch mit Folgen für deren Abflüsse. Man müsse zwar nicht mit Trinkwasserknappheit rechnen, aber «wenn die Temperaturen und die Niederschlagsveränderungen im Sommer in diese Richtung gehen, und das zeigen die Szenarien, dann werden wir eben nicht mehr die Möglichkeit haben, alles nach Belieben zu bewässern». Auch niedrig gelegene Wintersportorte seien gefährdet: «Eigentlich müsste man sagen: Alles, was unter 1’500 Metern ist, ist langfristig nicht mehr zu bewirtschaften.» Abgesehen davon könnten sich wegen des auftauenden Permafrosts Steinschläge und Hangrutschungen häufen.

Initiativen für Klimaschutz

Zu den deutlichsten Zeichen des Klimawandels zählt die Gletscherschmelze. In der Schweiz formierte sich deshalb im Sommer 2018 die Gletscher-Initiative. Sie sammelt Unterstützungserklärungen für eine Volksinitiative und will so die Vorgaben des Pariser Klimaabkommens von 2015 in der Schweizer Bundesverfassung verankern, wie den Ausstieg aus fossiler Energie bis 2050. Die Liste der UnterstützerInnen ist vielfältig und geht über die klassische Umweltszene hinaus. Auch der Informatik-Ingenieur Daniel Germann aus Rickenbach bei Wil zählt zu ihnen: «Die Klimaerwärmung ist das grösste Problem der Menschheit. Die richtige Lösung ist klar und einfach: aufhören, Kohlenstoff zu verbrennen.» Leider stelle die Politik die Wirtschaft über Mensch und Natur und sei unfähig, diese Massnahme selbst zu beschliessen. «Die Gletscher-Initiative ist dringend nötig.»

In Österreich sammelt unterdessen die Landespolitikerin Helga Krismer Stimmen für ein Klima-Volksbegehren. Auch das «Alpine Climate Board» der Alpenkonvention arbeitet an gemeinsamen Klimazielen für alle Alpenländer. Um Klimavisionen geht es ebenso am 7. und 8. November 2018 in Innsbruck an einer gemeinsamen Konferenz der Netzwerke «Allianz in den Alpen», «Alpenstadt des Jahres» sowie CIPRA International. Die Veranstaltung markiert den Startschuss für eine alpine Partnerschaft lokaler Klimaaktionen.

 

Quellen und weiterführende Informationen:
www.de-ipcc.de/256.php, http://www.alpconv.org/de/organization/groups/AlpineClimateBoard/default.html?AspxAutoDetectCookieSupport=1, www.klimaschutz-schweiz.ch/, www.klimavolksbegehren.atwww.iac.ethz.ch/people/knuttir (en)

Interview mit Klimaforscher Reto Knutti zum Nachhören: