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Standpunkt: Hirt:innen brauchen unsere Unterstützung

04.03.2024 / Lauren Mosdale, CIPRA Frankreich
Prekäre Arbeitsverträge, lange Arbeitszeiten, Gefahr durch Grossraubtiere und zahlreiche Tourist:innen: Für viele wären die Arbeitsbedingungen von Hirt:innen nicht akzeptabel. Deshalb brauchen sie mehr Unterstützung, meint Lauren Mosdale, Projektmanagerin von CIPRA Frankreich.
Bild Legende:
Lauren Mosdale, Projektmanagerin bei CIPRA Frankreich (c) privat

Irgendwo in der Chartreuse, Januar 2024. Ein Arbeitstreffen, kurzes Stimmengewirr. «Das sind keine würdigen Arbeitsbedingungen» beschreibt ein Hirte den Zustand der Hütte auf der Alm. «Man tut, was man kann», antwortet der Gemeindepolitiker, dem die Hütte gehört.
Auf wie vielen Almen in den Alpen spielen sich ähnliche Szenen ab? Wer vertritt in Zeiten einer grossen Agrarkrise die Interessen der Hirt:innen?
Ihre Arbeit wird heute zwar anerkannt und Gewerkschaften beginnen sich zu strukturieren, aber diese für die Aufrechterhaltung der alpinen Weidewirtschaft wichtigen Personen haben keine gesetzliche Garantie für faire Arbeitsbedingungen.

Ähnlich wie bei Saisonarbeitenden in der Tourismusbranche sind Hirt:innen mit schwierigen Arbeitsbedingungen konfrontiert: unsichere Verträge, hohe Fluktuation, eine komplizierte Beziehung mit dem Arbeitgeber, kein Recht auf Weiterbildung.

Für Hirt:innen fallen die Arbeitsbedingungen zudem aus dem normalen Rahmen: Unwegsames Gelände, stürmisches Wetter, lange Arbeitszeiten, Stress durch Grossraubtiere und damit verbundene psychologische Risiken sowie oft ungewollte Aufgaben wie die Besucher:innenlenkung oder die Gästeinformation in Alpgebieten.

Der französischen Nachrichtenseite «Reporterre» zufolge ist der Beruf des Schäfers seit der Reform des Arbeitsgesetzes 2016 aus dem nationalen Kollektivvertrag für die Landwirtschaft in Frankreich verschwunden. Glücklicherweise gründen sich seit 2019 immer mehr Gewerkschaften, um die Rechte derjenigen, die den Hirtenberuf heute am Leben erhalten, zu vertreten.

Die Wanderweidewirtschaft (Transhumanz) ist Teil des immateriellen UNESCO-Weltkulturerbes, 2026 wird das Internationale Jahr der Weidelandschaften und des Hirtentums. Die Bedeutung der Weidewirtschaft wird seit langem von vielen Organisationen und Ländern erkannt – so auch von der CIPRA mit Projekten wie «Dialog zum Wolf – Hirt:innen-Netzwerke in den Alpen stärken» und jetzt noch sichtbarer durch die Initiativen der UNESCO und der FAO. Es ist an der Zeit, die Hirtinnen und Hirten zu unterstützen, dank derer dieses Kulturerbe als integraler Bestandteil der alpinen Bergwelt heute noch existiert.

 

Quellen und weiterführende Informationen:

https://reporterre.net/Les-bergers-grands-oublies-de-la-crise-agricole (fr), https://iyrp.info/ (en)