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Ein Ort der Begegnung

Maria Schneider © Cristian Castelnuovo

Hier zu leben ist eine Lebensentscheidung. Die Deutsche Maria Schneider hat sie nicht selber getroffen, sondern ist ihrem Mann Andreas Schneider vor 35 Jahren nach Italien gefolgt.

Eigentlich ein Irrtum: Er verirrte sich in den piemontesischen Bergen auf dem Weg nach Südfrankreich, wo das Paar aus Köln jeweils die Ferien verbrachte. Fortan verbrachten die beiden ihre Ferien im abgelegenen Maira-Tal, bis sie 1982 hierher zogen.

«Es ist hier alles möglich, wenn man sich entscheidet, so zu leben», sagt die füllige Frau mit der dicken Brille und den kurzen grauen Haaren. So, das heisst in einem Borgo, einer Ansammlung Häuser, die Schneiders nach und nach gekauft und renoviert haben. Heute zieht das «Centro Culturale Borgata San Martino Inferiore» Menschen aus nah und fern an. Vor allem aus der Schweiz und Deutschland. Auch das Geld für den Umbau stammte aus dem Norden. Die italienischen Banken wollten sich nicht auf ein solches Abenteuer einlassen, da sie dem sanften Bergtourismus keine Bedeutung beimassen, und auch die Einheimischen machten Witze: «Wenn ihr euer Geld loshaben wollt, so verbrennt es lieber, dann habt ihr es wenigstens warm.»

Den Aufschwung brachte 1999 ein Buch: «Antipasti und alte Wege», ein Wanderführer von Ursula Bauer und Jürg Frischknecht. Frischknecht hatte das abgelegene Seitental 1992 mit der Wandergruppe TransALPedes entdeckt, der Vorgängerin der Alpenwanderung whatsalp von Wien nach Nizza. 2016 erschien das Buch in der achten Auflage.

13 Jahre nach Andreas Schneiders Tod ist das Kulturzentrum heute mit 3´000 Übernachtungen pro Jahr und einer Auslastung von rund 70 Prozent ein Vorzeigemodell für den sanften Tourismus. Vor allem aber ein Ort der Begegnung, so auch für die Teilnehmenden des I-LivAlps-Workshops zu sozialer Innovation der CIPRA. Maria und Andreas Schneiders Traum ist in Erfüllung gegangen: «Wir wollten immer Menschen zusammenbringen.»

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