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Der Weg zu klimaneutralen Alpen

Bringen den Klimawandel auf die Strasse und in die Politik: Klimastreiks wie in Bern/CH. (c) Pascal Staedeli

Das vergangene Jahr 2019 wird als jenes in die Geschichte eingehen, in dem die Klimakrise erstmals alpenweit von der Politik als ernstzunehmende Herausforderung erkannt wurde. Mit dem «Alpinen Klimazielsystem 2050» haben die Alpenländer ein detailliertes Instrument auf den Tisch gelegt. Nun müssen sie ins Handeln kommen.

Die Klimakrise bewegt die Jugend – und diese verändert die alpine Politik. Schon bei den Europawahlen im Frühling 2019 gewannen vor allem jene Parteien stark hinzu, die verstärkten Klimaschutz fordern. Dieser Trend spannt sich über den Alpenbogen, von Frankreich über Deutschland bis Österreich, über nationale und regionale Parlamente und Regierungen. Am stärksten zulegen konnten «klassische» Klimaschutzparteien wie die Grünen. Das bestätigten im Herbst 2019 die österreichischen Nationalratswahlen und die Schweizer Parlamentswahlen nochmals eindrucksvoll. Doch wie schnell und wie konsequent wird sich die Politik nun tatsächlich der Klimakrise widmen? Gibt es Hilfe, Grundlagen, Handlungsanleitungen dazu? Wer hat die Kompetenzen dafür? Wenig bekannt, aber wichtig für alle Beteiligten in den Ländern: Die Ziele dafür bestehen, die Umsetzungsplanung zur Milderung der Erderwärmung und Bewältigung ihrer Folgen im Alpenraum ist in Arbeit. Unter dem engagierten und kompetenten Vorsitz des Österreichers Helmut Hojesky, Abteilungsleiter für Klimapolitik im österreichischen Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus, haben Vertreterinnen und Vertreter aller Alpenstaaten im Austausch mit zivilgesellschaftlichen Organisationen wie der CIPRA das «Alpine Klimazielsystem 2050» erarbeitet. Es wurde im April 2019 an der 15. Alpenkonferenz der acht Alpenstaaten in Innsbruck offiziell für tauglich befunden und zur Umsetzung empfohlen.

Klimaziele für die nächsten 30 Jahre

Im Dokument heisst es treffend: «Der Mehrwert des Alpinen Klimazielsystems liegt (...) in den spezifischen Merkmalen des Alpenraumes und der vorhandenen Erfahrung der Alpenkonvention.» Dessen übergeordnetes Ziel ist es, den Alpenraum bis 2050 klimaneutral und klimaresilient zu gestalten – in zwölf klimarelevanten Arbeitsgebieten von Raumplanung über Verkehr, Naturgefahren, Artenvielfalt bis hin zu Tourismus. Wer das Dokument im Detail liest, erkennt, wie ambitioniert einige dieser Ziele sind; sei es die Priorität für Klimaschutz und Klimawandelanpassung in Raumplanungsprozessen oder die volle Ausschöpfung des Potenzials erneuerbarer Energien, um den Bedarf an Strom, Heizenergie und für die Mobilität zu decken. Teilziele weisen die Richtung, wie zum Beispiel im Verkehrssektor. So soll der Gütertransitverkehr durch den Alpenraum auf Distanzen von 300 und mehr Kilometern bis 2050 gänzlich auf die Schiene verlagert und alle Fahrzeuge im Strassenverkehr sollen dank Elektromobilität und neuer Antriebstechniken CO2-frei werden. Auf dem Gebiet des Tourismus gilt es, Klimaneutralität zu erreichen; sowohl mit verkehrsberuhigten Feriendestinationen wie auch durch Energie- und Umweltmanagementsysteme in Hotels und Restaurants. Das «Alpine Klimazielsystem 2050» adressiert zudem die Stärkung der Biodiversität und Ökosysteme, das Bergwald- und Wassermanagement, den Bodenschutz, die nachhaltige Entwicklung von Berglandwirtschaft sowie Gemeinden, Forschung und Entwicklung. Ein Risikomanagementplan und ein alpenweites Permafrost- und Erosionsmonitoring sollen dabei helfen, die zunehmend bedrohlichen Naturgefahren zu bewältigen und die Erreichbarkeit des Alpengebietes zu sichern. All diese Themen umfasst das Alpine Klimazielsystem 2050.

Gemeinsam mehr bewegen

Die Umweltministerien der Alpenländer arbeiten nun gemeinsam im «Alpine Climate Board» unter Helmut Hojeskys Leitung die notwendigen Massnahmen aus, um die Klimaziele bis zum Jahr 2050 tatsächlich zu erreichen. Als externe Beraterin für Klima-, Umwelt- und Verkehrspolitik begleitet Helen Lückge diesen Prozess. Barrieren für die Umsetzung von Klimaschutz- und Anpassungsprojekten sind ihr zufolge die mangelhaften Schnittstellen zwischen den verschiedenen zuständigen politischen Ebenen und die fehlende Synchronisierung von privaten und öffentlichen Projekten. Durch eine engere Zusammenarbeit könnten neue Impulse entstehen, so Lückge, beispielsweise indem die politische Akzeptanz verbessert wird sowie Kosten und Informationen geteilt werden. «Ich fände es einen Erfolg, wenn der alpine Klimabeirat diesbezüglich einige Pilotprojekte auf den Weg bringen und somit Erkenntnisse zur besseren Umsetzbarkeit von Klimaprojekten sammeln könnte – dies wäre im Sinne des Modellregionen-Prinzips, welches im Zielsystem verankert ist.»Dazu braucht es nicht zuletzt Interesse, neue Ideen, Zusammenarbeit und Druck von aussen – jugendlich fordernden genauso wie erfahren hartnäckigen. Die Klima-Wahlen des vergangenen Jahres haben den Politikerinnen und Politikern einen klaren Auftrag erteilt. Sie müssen nun ins Handeln kommen, zum Schutz und zur Rettung ihrer Bevölkerung.


Alpines Klimazielsystem 2050: www.alpconv.org