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Bestäuberparadiese für Bienen

30.03.2020
Ob Bienenhaus, Böschungsmauer oder Blumenwiese – Gemeinden können viel für den Schutz ihrer Bienen tun. Gute Beispiele aus dem Alpenraum zeigen, wie es geht.
Bild Legende:
Nistet gern in Trockensteinmauern: die Schwarze Mörtelbiene.

Lebendige Steinmauern

Eine Trockensteinmauer steht am Rande eines Wanderwegs im Naturpark Binntal in der Schweiz. Die Steinplatten wirken auf den ersten Blick leblos. Schaut man genauer hin, erkennt man, dass sich dort Bienen tummeln. Die Böschungsmauer bietet ideale Nistplätze für die Schwarze Mörtelbiene. Ihr Nest bringt sie dort offen am Gestein, in einer Felsnische oder -kerbe oder bevorzugt auch in Bohrlöchern an. Dazu verwendet sie, wie der Name sagt, Mörtel aus feinem, mit Speichel und Nektar versetztem Sand. Die Gemeinde Binn zählte 2018 im Rahmen des Projekts BeeAware! 100 Nester an der Böschungsmauer. Doch erstaunlicherweise gibt es in der Umgebung des Niststandorts kaum Futterquellen für die Larven der Schwarzen Mörtelbiene, so genannte Saat-Esparsetten. Um diesem Defizit entgegenzuwirken, säte die Gemeinde im Mai 2019 gezielt Saat-Esparsetten an.

Margeriten statt Sonnenblumen

Die Vielfalt der Blumenwiesen in Schleching und Grassau im deutschen Achental ist gross. Margeriten, Flockenblumen und Hornklee sind dort dauerhafter und besser an die Landschaft angepasst als herkömmliche Saatgutmischungen aus Kornblumen, Klatschmohn oder Sonnenblumen. Die einheimischen Blumenwiesen, die die BeeAware!-Pilotgemeinden pflanzten, haben den Vorteil, dass man sie nur einmal anlegen muss. Bei richtiger Pflege blühen sie viele Jahrzehnte lang ohne jeden Zusatzaufwand. Oft sind die Abstände zwischen den blütenreichen Wiesen zu gross. Kleinere Flächen dazwischen können als so genannte Trittstein-Biotope Tieren und Pflanzen helfen, von einer Wiese zur nächsten zu gelangen. Stets geht es darum, Flächen so zu gestalten oder zu pflegen, dass die einheimische Artenvielfalt an Pflanzen wie an Tieren gestärkt wird. In erster Linie kommen dafür Verkehrsbegleitflächen wie zum Beispiel Bushaltestellen in Frage.

Bienenhotel und Bienenfest

Eine Biene schwirrt auf eine violette Blüte zu. Vorsichtig landet sie in der Mitte der Blüte und sammelt mit ihrem winzigen Rüssel den Nektar. Der Nickende Blaustern, der in der Gemeinde Capizzone in Italien wächst, dient als Nahrung für die dort ansässige Solitärbiene. Die Pilotgemeinde kooperiert mit dem Imkerverein der Region. Gemeinsam bauen sie ein Bienenhotel – eine künstliche Konstruktion, die ausschliesslich aus Naturmaterialien wie Holz besteht. Ziel ist es, bestäubenden Insekten Schutz und Nistplätze zu bieten. Zusätzlich organisierte die Gemeinde gegen Sommerende 2019 ein Fest der Bienen. So lernen die Leute den Schutz der Bienen als Bestäuber schätzen.

Totholz als Bienenlebensraum

Freiwillige Helferinnen und Helfer bearbeiten mit ihren Händen eine Böschung. Nach einem Hangrutsch im österreichischen Naturpark Nagelfluhkette in Vorarlberg wollen sie die Fläche wieder bienengerecht gestalten. Die Freiwilligen bringen ein Sand-Kies-Gemisch für den Boden aus und schaffen Totholz an. Es entstehen Lehmverbauungen, heimische Büsche und kleine Tümpel am Wegesrand. Sie stellen einen «Bildungsstadel» mit Schau-Imkerei auf, befreien den Wald mit Hilfe des Waldaufsehers von grossen Fichten, um der Fläche mehr Licht zu bieten, und eine Magerwiese vom Moos. Das animiert andere, auch ihre Privatgärten bienenfreundlicher zu gestalten.

 

Quelle und weitere Informationen: www.cipra.org/szenealpen

Bee Aware!

Bienen schützen, aber wie?

  • Einheimische und standortgerechte Pflanzenarten auf öffentlichen Flächen säen
  • Brutmöglichkeiten und Nahrungsbedarf in unmittelbarer Nähe einrichten
  • Wenig bis keinen Dünger, Insektizide und Pestizide verwenden
  • Bienenhotels im Garten oder am Balkon aufbauen
  • Nistplätze z. B. aus Totholz oder Böschungsmauern im Garten aufstellen
  • Blumenwiesen nicht düngen, nur zweimal im Jahr mähen: Ende Juni und im Herbst
Im Projekt BeeAware! von CIPRA International schützen Gemeinden aus dem Alpenraum sowohl Honig- als auch Wildbienen. Die CIPRA setzt BeeAware! in Kooperation mit dem Gemeindenetzwerk «Allianz in den Alpen» und dem Verein «Alpenstadt des Jahres» um. Das Projekt wird vom Deutschen Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Nukleare Sicherheit (BMU) und aus Drittmitteln finanziert.
Weitere Bienenschutz-Tipps und gute Beispiele aus den
Pilotgemeinden bespricht ein Blog, im Frühling 2020 folgt eine Sammelbox mit Bienenschutz-Tipps für Privat-personen und Gemeinden.

abgelegt unter: SzeneAlpen, Biene, Biodiversität