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Das weisse Gold - die Suche nach neuen Schneevorkommen - Blick über den Alpenrand hinaus

Während die Skiorte in den Alpen enorme Summen in einen harten Wettbewerb investieren, um sich auf einem schwindenden Markt zu positionieren, werden in weiteren Teilen Europas neue Standorte erschlossen...
Angesichts der zu erwartenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten für zahlreiche Skigebiete in den Alpen, besonders in der Folge der globalen Klimaerwärmung, wenden sich Reiseveranstalter und Erschliessungsfirmen immer öfter Ländern zu, in denen die niedrigen Lohnkosten es ermöglichen, trotz hoher Reisekosten attraktive Destinationen anzubieten. So wird Osteuropa immer mehr zum neuen Eldorado des Wintersports. Aber auch die Balkanstaaten, die Türkei, der Kaukasus, die Region Hindukusch und China sind von dieser Entwicklung betroffen. Die folgenden Beispiele erläutern deutlich diese Trends.

Bulgarien: Platz für Immobilien-spekulationen
Nach der illegalen Erweiterung des Skiortes Bansko auf Kosten des Naturparks von Pirin, die damals von der bulgarischen Umweltschutzorganisation Za Zemiata angeprangert wurde, und entsprechend einer in Osteuropa bereits funktionierenden wirtschaftlichen Logik befinden sich die bulgarischen Skigebiete nun in einer Phase der intensiven Ausweitung im Immobilienbereich. Dieses Jahr wurden in Bansko mehr als 2000 neue Tourismusbetten geschaffen, 3000 in Razlog und 2500 in Chepelare. Der Skiort Borovets, der 2014 die Olympischen Winterspiele ausrichten möchte, hat soeben eine neue Piste mit einer Länge von 10 km eröffnet und beabsichtigt eine Verdoppelung der Bettenkapazität im nächsten Jahr. Die wichtigsten Investoren sind die Briten, für die die extrem niedrigen Preise der bulgarischen Immobilien sehr attraktiv sind.

Türkei: neue Beschneiungsanlagen
Bei den türkischen Nachbarn Bulgariens ist die Situation sehr ähnlich. Zahlreiche Erschliessungen von Wintersportorten sind im Gang. Nach der Planierung des Tahtali-Berges zum Bau einer Seilbahn-Bergstation und eines neuen Gipfelrestaurants wird nun der Ort Ilgaz Dagi voll erschlossen. Sari Alan soll die erste Wintersportdestination der Türkei werden. Die meisten dieser Skiorte liegen am Rand oder innerhalb von Nationalparks, für die beträchtliche Konsequenzen zu befürchten sind. Zudem liegen alle Anlagen in geringer Höhe (keine über 2300 m). Das bedeutet, dass aufgrund der Klimaerwärmung kurzfristig die Gefahr besteht, dass Beschneiungsanlagen in grösserer Anzahl entstehen.

Aserbaidschan: Recycling alter Rezepte
In der Kaukasusrepublik gibt es derzeit noch keinen einzigen Skiort mit Seilbahnen und Liften. Sie ist, wohl nicht mehr lange, ein kleines Paradies des sanften Tourismus. Die Behörden haben die Sirenen der "Neuen Zeit" vernommen. Sie haben nun eine französische Firma beauftragt, in Laza eine grosse Skidestination zu bauen, nach einem Modell, das in den Siebzigerjahren in Frankreich weit verbreitet war, heute jedoch in Frage gestellt wird. Während das Land sich für einen sanften Tourismus und die Schaffung grossräumiger Schutzgebiete stark macht, stellt sich die Frage, ob es sinnvoll ist, einen solchen Skiort zu schaffen. Die Behörden behaupten, dass die lokale Bevölkerung damit weniger abhängig sei von lokalen Ressourcen. Landschaft, Wasser und Energie scheinen also keine zu berücksichtigenden Ressourcen zu sein.

Diese wenigen Beispiele zeigen, dass es höchste Zeit ist, auch ausserhalb der Alpen Abkommen zu schaffen, die in Analogie zur Alpenkonvention als Regulierungsinstrumente für diese schrankenlose Expansion von Skigebieten auf Kosten der letzten Naturräume dienen können.