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Selbstbewusst, regenerativ, dezentral…

Eine der Exkursionen der Jahresfachtagung führte in die bayerische Gemeinde Wildpoldsried. Die 2600 EinwohnerInnen des "kleinen aber selbstbewussten Dorfes" verbrauchen jährlich etwa 6.725.000 kWh Strom - und produzieren die zweieinhalbfache Menge dieses Bedarfes selbst aus dezentralen regenerativen Energiequellen.
CIPRA: Klimawandel - ein Thema auch in Ihrer Kommune?
ZENGERLE: Seit 1999 haben wir fast jährlich Probleme mit Starkregenereignissen. Daher entsteht demnächst ein Rückhaltebecken für Regenwasser.

CIPRA: Wildpoldsried reagiert nicht nur, Ihre Kommune versucht auch, dem Klimawandel vorbeugend entgegenzuwirken.
Zengerle: Um CO2 langfristig zu binden, bauen wir unsere kommunalen Gebäude aus Holz. Deutschlands erstes Parkhaus aus Holz und die erste Schule in Brettstapelbauweise stehen in Wildpoldsried.

CIPRA: Auch bei der regenerativen Energiegewinnung schmückt sich Wildpoldsried mit Superlativen.
Zengerle: Wir nutzen landesweit die grösste Bandbreite an erneuerbaren Energien: Wind und Wasser, Biomasse und Biogas sowie Sonnenenergie. In der Solarbundesliga liegen wir derzeit an 16. Stelle - bei über 850 teilnehmenden Kommunen.

CIPRA: Was motiviert Sie?
Zengerle: Das kommt bei uns aus einem ganz konservativen Gedankengut: Wir schauen, welche Energien wir vor Ort haben und arbeiten mit ihnen.

CIPRA: Vorausgesetzt, es rechnet sich …
Zengerle: Wir sind hier im schwäbischen Teil von Bayern. Extreme Idealisten sind dünn gesät. Es sollte schon was dabei heraus kommen. Den ersten Aufschwung für die erneuerbaren Energien vor Ort brachte Anfang der 1990er Jahre das Energieeinspeisegesetz. Vorher war es finanziell vollkommen uninteressant zu investieren. Aber dann wurden vor allem Landwirte aus dem Umfeld des damals gegründeten Vereins "renergie" aktiv.

CIPRA: Wie beeinflusst die Gemeindeverwaltung den Boom?
Zengerle: Wir lenken das Engagement. Das begann 1999 mit einer Befragung unserer Bürger, wo sie Wildpoldsried in 20 Jahren sehen. Aus dem Ergebnis erarbeiteten Bürger, Gemeinderäte und Dorfplaner einen Ortsrahmenplan. Da spielten erneuerbare Energien eine wichtige Rolle, allerdings ohne konkrete Zielsetzungen. Ein Internetauftritt sorgte dafür, dass die Wildpoldsrieder erfahren, wer bisher welche erneuerbaren Energien nutzt. Wenn der eine weiss, was der andere macht, gibt das der Sache einen neuen Schub.

CIPRA: Leben in Wildpoldsried überdurchschnittlich viel Engagierte?
Zengerle: Je kleiner ein Ort ist, desto mehr passiert ehrenamtlich. Beispielsweise organisiert jedes Jahr ein Wildpoldsrieder einen Sammeleinkauf für Solarstrom- und Solarwärmeanlagen. In unserem Gemeindeblatt laden wir dann alle Interessenten zu einem Treffen ein. Je mehr sich beteiligen, desto billiger wird's. 2004 haben wir Photovoltaikanlagen für 3 Millionen Euro eingekauft.

CIPRA: Waren Sie selbst auch mit dabei?
Zengerle: Privat betreibe ich eine Solarstromanlage und heize mit Holzhackschnitzeln. Außerdem habe ich das Wasserkraftwerk, das es bereits in meinem alten Sägemühlenanwesen gab, reaktiviert. Ich bin ein absoluter Energiefreak. Mir macht das Spass, ich finde es technisch interessant.