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Nach Fréjus-Tunnelbrand - Verlagerung auf Schiene aktueller denn je

Wegen des Brandes vom 4. Juni bleibt der französisch-italienische Fréjus-Tunnel auf unbestimmte Zeit geschlossen. Der Verkehr weicht auf andere Routen aus. Die Anzahl der LKW durch den Mont-Blanc-Tunnel hat sich seit dem Unfall vervierfacht und in Chamonix, dem Zentrum des französischen Transitwiderstands, fanden bereits mehrere Protestkundgebungen statt.
Der transalpine Güterverkehr per Bahn nimmt in Frankreich eine untergeordnete Stellung ein. 2003 durchquerten über 2.7 Mio. Lastwagen mit 40 Mio. Tonnen Güter die Alpen auf der Strasse, rund die Hälfte durch den Fréjus-Tunnel, auf der Schiene jedoch nur 8.5 Mio. Tonnen. Die ohnehin beschränkten Kapazitäten der Bahn werden in Frankreich nicht voll ausgeschöpft. Im Schnitt transportierte die Bahn vor dem Unfall im Fréjus-Tunnel täglich 50 Lastwagen durch den Mont-Cenis-Tunnel. Platz wäre jeweils für 80 Lastwagen gewesen.
Ausbauarbeiten am Mont-Cenis-Tunnel und dessen Zubringerstrecken sollen beim alpenquerenden Schwerverkehr eine Verdoppelung der heutigen Kapazitäten der Bahn von heute rund 10 auf 20 Millionen Tonnen im Jahr 2008 ermöglichen. Das umstrittene, sehr teure Projekt eines neuen Eisenbahn-Basistunnels samt Ausbau der Strecke Lyon/F-Turin/I könnte sogar rund 40 Millionen Tonnen Güter absorbieren. Die Realisierung dieses Projekts liegt jedoch noch in weiter Ferne - Planungshorizont 2020 - und besonders auf italienischer Seite regt sich viel Widerstand. Am 4. Juni protestierten im italienischen Valle di Susa gegen 30.000 Menschen gegen diese neue Hochgeschwindigkeitslinie.
Das Beispiel der Schweiz zeigt, dass mit dem entsprechenden politischen Willen eine erfolgreiche Verlagerungspolitik möglich ist. In der Schweiz werden dank Massnahmen wie der Leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe fast zwei Drittel des alpenquerenden Güterverkehrs auf der Schiene abgewickelt, in Österreich nur gut ein Viertel und in Frankreich noch weniger.
Quellen und Infos: www.entreprise-sncf.com/communiq/communiq554 (fr), www.are.admin.ch/are/de/verkehr/alpinfo (de/fr/it/en)