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Moor im Rampenlicht

© Gemeinde Krumbach

Wie ein Feuchtgebiet zum Star der Gemeinde wurde und was es mit der «Moorlimo» auf sich hat.

Im Bregenzerwald versteckt sich die Gemeinde Krumbach. TouristInnen verirrten sich bis vor ein paar Jahren kaum hierher, denn Bergsteigen, Klettern oder Skifahren kann man anderswo besser. Um das zu ändern, setzten sich die KrumbacherInnen an einen Tisch. Einer von ihnen war Klaus Riedl. «Es hat ein bisschen gedauert, bis uns klar wurde, dass wir das, was wir suchen, direkt vor der Haustüre haben», erinnert der ehemalige Gemeindesekretär sich. Nämlich Moore, und davon gleich 14 Stück. Doch warum sollten sich TouristInnen oder gar Einheimische für Feuchtgebiete mit schwammigen Böden interessieren?

Heute brummt das Moorbusiness: Einheimische Moorguides zeigen Interessierten den Sommer über immer donnerstags die Eigenheiten der «Moore Krumbach». Zusätzlich melden sich jedes Jahr gut 40 Gruppen für individuelle Führungen an. Danach servieren Moorwirte Moorschweinsbraten, Moorschnaps und Moorlimo. Auch Klaus Riedl führt Gäste zu den Mooren und muss sie dabei gelegentlich ermahnen, doch bitte keine Pflanzen als Andenken zu pflücken – immerhin handelt es sich um sensible Lebensräume, die zum Teil unter Schutz stehen.

Im Moor Salgenreute, dem grössten der Feuchtgebiete um Krumbach, duckt sich ein Holzquader mit überdachter Sitzbank auf dünnen Stelzen. Der «Moorraum», wie er genannt wird, bietet einen guten Blick aufs Moor und hält BesucherInnen auch bei Regen trocken. Zwei kreative Architekten aus dem Dorf haben ihn gebaut. Krumbach ist auch bekannt für innovative Baukultur. Erst letztes Wochenende seien schwedische ArchitektInnen zu Gast gewesen, erzählt Riedl. «Das Wichtigste ist, sich nicht auf dem Erfolg auszuruhen.» Das Moor-Projekt entwickle sich ständig weiter. «Wir sind ja nicht die einzige Gemeinde, die Moore oder eine schöne Natur- und Kulturlandschaft hat, doch wir machen etwas daraus.» Neben den Einheimischen und den Gästen profitieren vor allem die Moore. Denn deren Erhalt ist den KrumbacherInnen heute ein grösseres Anliegen als je zuvor. Übrigens: Sogar auf Google Maps kann man die Moore virtuell erkunden.

Mehr Informationen: www.krumbach.at/Moore_Krumbach/Das_Projekt

abgelegt unter:
Steckbrief

Was: Projekt «moore krumbach»

Wer: Gemeinde Krumbach

Wo: Gemeinde Krumbach, Vorarlberg, Österreich

Wann: Projektstart 2009, ganzjährig begehbar, von Juni bis September wöchentliche Moorführungen, individuelle Gruppenführungen auf Anfrage

Wie: Das Projekt widmet sich der Inwertsetzung der Natur- und Kulturlandschaft der Gemeinde Krumbach. Moorsitze und ein Moorraum mit Informationstafeln sowie eine jährlich aktualisierte Broschüre laden zum Erleben von 14 Moorstandorten ein. Zusätzlich werden Moorführungen und andere themenbezogene Erlebnisse angeboten.

Übertragbarkeit: Die Gemeinde Krumbach nutzt mit den Mooren das, was da ist. Viele Gemeinden in den Alpen haben einzigartige Lebensräume oder Landschaften, die in Wert gesetzt und damit auch erhalten werden können. In diesem Fall steht nicht nur eine Gruppe Freiwilliger hinter dem Projekt, sondern auch die Gemeinde. Sie stellt die notwendigen finanziellen Mittel zur Verfügung. Da die Bevölkerung gut in das Projekt integriert ist, bleibt die Wertschöpfung in der Gemeinde.