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Landschaften und Beziehungen pflegen

© Germinale Agricoltura Comunitaria

Wie Kastanienbäume im Valle Stura/I geflüchtete Menschen und DorfbewohnerInnen verbinden.

Alles begann 2015 mit fünf EinwohnerInnen aus der 2000-Seelen-Gemeinde Demonte und vier jungen AsylbewerberInnen aus Zentralafrika. Viele regionale Betriebe im italienischen Valle Stura litten zu der Zeit an Arbeitskräftemangel und hatten Schwierigkeiten, die Ernte einzubringen. Gleichzeitig suchten junge MigrantInnen einen Job, während sie auf die Antwort auf ihren Asylantrag warteten. Dann hatten die TalbewohnerInnen, darunter auch die Schafzüchterin Giulia Jannelli, eine gemeinsame Idee: Sie könnten einen Verein gründen und zusammen ungenutzte Flächen wiederbeleben, um gesunde und regionale Lebensmittel zu produzieren. So könnten sie die zugezogenen Menschen besser in die lokale Gemeinschaft einbinden.

Der Verein, aus dem später die Genossenschaft «Germinale Cooperativa Agricola di Comunità» wurde, stellte den Dialog zwischen den Einheimischen und den MigrantInnen her. Für Jannelli war schon damals klar: «Vielfalt ist kein Hindernis, sondern eine Bereicherung.» Die Zusammenarbeit war ein Wendepunkt, plötzlich gab es das gemeinsame Ziel, neue wirtschaftliche Perspektiven zu schaffen. «Es ist wichtig, die Öffentlichkeit, die Privatwirtschaft und die BürgerInnen in den Prozess einzubeziehen und jedem eine eigene Rolle zu geben», betont die 41-jährige Italienerin. Ein grosser Erfolg sei die Anerkennung durch die Präfektur der Regierung gewesen. Nun erhalten die ehemals freiwilligen HelferInnen einen Lohn. Ihre Tätigkeit erhöht zudem die Chance auf eine Aufenthaltserlaubnis in Italien.

Die Genossenschaft hat mittlerweile ein Ausbildungsprogramm gestartet, das CIPRA International im Rahmen des Interreg-Projekts PlurAlps unterstützt. Geflüchtete Menschen werden darin geschult, einen Bergbauernhof zu bewirtschaften. Der Arbeitszyklus der Kastanie steht dabei im Mittelpunkt: von der Waldreinigung über die Ernte bis zur Verarbeitung der Früchte. Zudem lernen die Auszubildenden die Zucht von Sambucana-Schafen, einer gefährdeten alten Rasse, den Anbau von Bio-Produkten, Kleinobst und Heilpflanzen sowie die Bienenzucht. Auf diese Weise können sie die Landschaft besser kennenlernen, sich weiterbilden und neue Arbeitsfelder erschliessen. Für die Zukunft rät Jannelli, junge Menschen stärker in soziale und umweltfreundliche Projekte einzubinden: «Wer Nachhaltigkeit jung entdeckt, wird sie leben, wenn er erwachsen ist.»

Mehr Informationen: www.facebook.com/germinaleagricolturacomunitaria (it)

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Steckbrief

Was: Soziale Landwirtschafts-Kooperative «Germinale Cooperativa Agricola di Comunità»

Wer: Mitglieder der Kooperative

Wo: Valle Stura, Piemont, Italien

Wann: seit 2015

Wie: Die Genossenschaft «Germinale Cooperativa Agricola di Comunità» verbindet im Valle Stura Landwirtschaft und Landschaftspflege mit sozialem Engagement.

Übertragbarkeit: Hoch – Situationen wie im Valle Stura gibt es überall in den gesamten Alpen. Für den Projektstart braucht es einen Impuls, Planung und ein Unterstützungsnetz.