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Projekte

Ökopartnerschaft Wolfurt, Teilprojekt "Müllinitiative Wolfurt"

In koordinierter Zusammenarbeit zwischen Betrieben, Standortgemeinden und Beratern werden Lösungen für Umweltprobleme gesucht und gefunden, aus denen alle Beteiligten Vorteile ziehen. Teilprojekt Müllinitiative: Müllvermeidung und sinnvolles Recycling von Materialien, Kosteneinsparung, Erfahrungsaustausch. Ernennung der Gemeinde Wolfurt zur "Müll-Mustergemeinde" durch das Österreichische Ökologie-Institut.

Zielsetzung

Ziel der Ökopartnerschaft ist ein neuer Weg der Zusammenarbeit zwischen der Gemeinde, den Betrieben und den BürgerInnen in Initiativgruppen zur Senkung des Müll- und Verkehrsaufkommens sowie des Energie- und Wasserverbrauches.

Durchführung

1992 faßten die Wolfurter Bürgerinitiativen - die Müllinitiative und die Energiegruppe - und die Referenten für Wasser und Verkehr den Entschluß, Projekte in Zusammenarbeit mit Betrieben zu starten. Doz. Dr. Schnitzer von der TU Graz wurde als kompetenter Fachexperte hinzugezogen. In einem ganzheitlichen Ansatz wurde den Wolfurter Betrieben und Unternehmen ein kostenloses Schulungs- und Beratungsprogramm angeboten, in Workshops gemeinsam mit BeraterInnen und externen ExpertInnen Projekte erarbeitet. Zwischen den Workshops wurden die gestellten Aufgaben erledigt und Betriebsdaten erhoben. Weiterhin hatten die Betriebe die Möglichkeit, die BeraterInnen des Ökoprofitteams für eine individuelle Beratung anzufordern.
Vertreter der Gemeinde waren bei den Workshops mit dabei, in den Gemeindesitzungen wurde über das Projekt informiert; die Bürger wurden über die Medien imformiert. Darüberhinaus wurden durch die Ökopartner Vorarlberg Befragungen durchgeführt.
Beispiel Müllkonzept:
Bereits 1987 schlossen sich engagierte Privatpersonen (zur Zeit 17 Mitglieder) zur überparteilichen Müllinitiative zusammen. In einer ersten Phase der Aktionen (1987 – 1991) wurde eine vollständige flächendeckende Organisation für eine Mülltrennung aufgebaut. Integriert war eine umfassende Information der Bevölkerung z. B. durch Informationsstände vor Lebensmittelgeschäften und auf Festen, Flugblätter sowie das Abhalten von Unterrichtsstunden an der Hauptschule. Durch diese Maßnahmen konnte zwar der gesamte Deponiemüll um 49% pro Einwohner gesenkt werden, gleichzeitig stieg aber das Gesamtmüllaufkommen pro Einwohner um 4,5% an. Es zeigte sich also, dass Mülltrennung allein keine Müllvermeidung bringt, sondern vielmehr der Bevölkerung suggeriert, dass sie einen Beitrag für die Umwelt leiste, allein wenn sie Müll trennt. Die folgenden Maßnahmen legten daher den Hauptaugenmerk auf Müllvermeidung. 1992 wurde in Zusammenarbeit mit dem Ökologieinstitut ein Müllvermeidungskonzept erarbeitet; mit der Umsetzung wurde 1993 begonnen. Das Konzept zur Müllvermeidung wurde für alle Stufen des Wirtschaftsgeschehens aufgestellt. Es wurden 3 Arbeitsgruppen gebildet: Vereine, Lebensmittelhandel und Betriebe aus der Industrie.
a) Vereine:
Zur Reduktion des Müllaufkommens bei Festen wurde zunächst fehlendes Porzellangeschirr und Edelstahlbesteck durch die Gemeinde bereitgestellt. Weiterhin wurde von der Müllinitiative ein Info-Blatt mit Tips zur gezielten Müllvermeidung und -trennung bei Festen erstellt, das den Vereinen vorgestellt wurde. Es folgte die Betreuung von 16 Festen durch die Mitglieder der Müllinitiative.
b) Lebensmittelhandel:
Die Lebensmittelhändler waren and dem Projekt interessiert, weil sie den Werbeeffekt schätzten. Folgende Aktionen wurden durchgeführt:
"Verpackung fasten": Im Rahmen dieser Aktion wurde den Konsumenten in den Geschäften Möglichkeiten der Verpackungsvermeidung aufgezeigt. Z.B. wurden eigene Brottaschen verkauft, sowie Behälter für Wurst, Käse und Fleisch zum dauerhaften Gebrauch.
"Mehrweg statt Einweg": Durch Verhandlungen mit den Lebensmittelhändlern und der Gemeinde Wolfurt konnte der Fruchtsaft in der Mehrwegflasche um 1 S billiger angeboten werden als der Fruchtsaft im Tetrapack.
"Entgiftung der Regale": Der Chemiker Willi Sieber vom Ökologieinstitut Österreich durchforstete die Regale auf besonders umweltbelastende Produkte und erstellte eine Alternativliste, die den Lebensmittelhändlern zur Verfügung gestellt wurde.
c) Die Arbeitsgruppe Betriebe nimmt am Gesamtprojekt Öko-Partnerschaft Wolfurt teil. Nach der Datenerfassung in 22 Betrieben zum Thema Müll wurde ein zweitägiger Workshop zum gleichen Thema mit Prof. Schnitzer von der TU Graz mit 11 teilnehmenden Betrieben durchgeführt. Es folgte die Erstellung eines Abfallvermeidungskonzeptes in 4 Betrieben, die Ausarbeitung von müllvermeidenden Kreisläufen zwischen den Betrieben und die Ausarbeitung von Anforderungen an eine Müllannahmestelle aus Betriebssicht. Ein weiterer Workshop zum Thema Müllvermeidung folgte.

Wirkung

Ausgehend von einer sehr breiten Zielsetzung, beginnend mit Müllthemen, über Verkehr und Wasser bis hin zur Energie sind bis jetzt vor allem kleine Erfolge zu verbuchen. So wurden z.B. Beratungen zum Energiesparen, zur Büroökologie und zur Müllvermeidung durchgeführt, von einer Firma Kartons wiederverwertet, ein gemeinsamer Lehrlingstag zum Thema "Ökologie und Umwelt" organisiert u.a.
Beispiel Müllinitiative:
Die Beteiligung an dem Projekt war sehr groß. In der zweiten Projektphase erklärten sich 14 Vereine bereit, bei dem Projekt in der Arbeitsgruppe Vereine mitzumachen. An den Aktionen der Arbeitsgruppe Handel beteiligten sich alle Lebensmittelhändler in Wolfurt. Probleme bei der Umsetzung des Projekts in diesem Bereich bestehen, da die einzelnen Händler in große Handelsketten eingebunden sind und so nicht individuelle Abfalllösungen vor Ort durchführen können. Deshalb wurde ein Schwerpunkt der Aktionen auf ein Werbekonzept gelegt, um das von Werbung und von Gewohnheiten geprägte Käuferverhalten in Richtung umweltfreundlicher Alternativprodukte zu verschieben.
Die Nachbargemeinde Lauterach nimmt sich die Gemeinde als Vorbild und schließt sich ebenfalls zu einer Müllinitiative zusammen.

Standort

Wolfurt

Beteiligte

Müllinitiative Wolfurt, Energiegruppe Wolfurt, Marktgemeinde Wolfurt, Betriebe und Gewerbetreibende in Wolfurt, Herr Dr. Schnitzer (Uni Graz), Ökopartner Vorarlberg (Herren Sieber, Haas, Büchele), BürgerInnen, Österreichisches Ökologie-Institut

Finanzierung

Förderung Bund: ATS 200.000,-
Förderung Land: ATS 90.380,-
Honorare: ATS 249.206,-
Sonstige freiwillige Leistungen ATS 139.530,-
Zweite Phase: Müllkonzept zur Müllvermeidung finanziert durch die Gemeinde.

Projektkosten

56'500.00 Euro

Ansprechperson

Gemeinde Wolfurt
Erwin Mohr
Unterhub 13b
6922 Wolfurt / AT
Telefonnummer: +43 (0) 5574 684029
Telefax: +43 (0) 5574 684020
Email: [email protected]
Internet: http://www.wolfurt.at