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Projekte

Erhaltung und Wiederherstellung der Mittenwalder Buckelwiesen

Die Mittenwalder Buckelwiesen sollen als Existenzgrundlage für Landwirtschaft und Fremdenverkehr durch Entbuschung, Mahd und alternativer Beweidung erhalten bzw. wiederhergestellt werden. Das Pflegekonzept wird in fachübergreifender Zusammenarbeit und in einem offenen Prozeß gemeinsam mit sämtlichen Betroffenen erstellt und umgesetzt.

Zielsetzung

Naturschutz:
Wiederherstellung und langfristige Erhaltung der artenreichen Buckelwiesen und Heimweidegebiete samt angrenzenden Lebensräumen (Leitbild: weite, offene Buckelwiesenlandschaft).
Landwirtschaft:
Ausbau landschaftspflegerischer Tätigkeiten als Neben- bzw. Zuerwerbsquelle; Aufbau regionaler Wirtschaftskreisläufe.
Fremdenverkehr:
Steigerung des Erholungswertes der Landschaft und damit Steigerung der Besucherzahlen; Erhöhung der Wertschätzung von Natur und Landschaft; Aufwertung der Öffentlichkeitsarbeit v.a. durch naturkundliche Spezifika.

Durchführung

Naturschutz:
Zunächst wurde ein Landschaftspflegekonzept erstellt. Das Konzept sieht die Aufrechterhaltung der traditionellen Sommermahd und die Wiederherstellung brachgefallener Flächen durch eine Erstpflege vor. Es werden nur Flächen wiederhergestellt, deren Folgepflege gesichert ist. Weitere Auswahlkriterien sind Flächenzustand, Lage, Dringlichkeit und landschaftsästhetische Aspekte; jüngere, offenere Bestände werden zuerst instandgesetzt. Ausgenommen von sämtlichen Maßnahmen sind Schutzwald, Wald mit besonderer Bedeutung für den Bodenschutz und Bereiche mit Hanglabilitätsstufe. Das anfallende Material wird, wo es möglich ist, gehäckselt und im Leutacher Hackschnitzel-Heizkraftwerk zur umweltfreundlichen Energiegewinnung genutzt. Für die Folgepflege ist als geeignetste Methode die traditionelle Mahd vorgesehen. Da diese mit den gegenwärtig vorhandenen Fördermitteln jedoch kaum noch auszuweiten ist, dürfen wiederhergestellte Buckelwiesen in Absprache mit der Naturschutzbehörde in Zukunft auch beweidet werden. So können Schaf- und Ziegenbeweidung eine akzeptable Alternative sein, wenn sie in ihren Wirkungen der jährlichen Sommermahd möglichst nahekommen. Derzeit wird gemeinsam mit Schafhaltern ein Beweidungskonzept zur Alternativpflege von bereits wiederhergestellten Buckelwiesen entwickelt. Das Landschaftspflegekonzept wurde von einer Diplom-Landespflegerin in Zusammenarbeit mit der Unteren und der Höheren Naturschutzbehörde sowie der ländlichen Entwicklungsgruppe 5b-Gebiet erstellt.
Landwirtschaft:
Erstellung einer Machbarkeitsstudie zur Regionalvermarktung "Mittenwalder Lamm" durch eine Diplom-Landespflegerin unter Mitwirkung von Mittenwalder und Leutascher Landwirten. Die Studie beinhaltet Überzeugungsarbeit vor Ort (Gespräche mit Gastwirten, Organisation einer Lammwoche etc.) sowie die Organisation und Moderation eines grenzüberschreitenden Arbeitskreises u.a. zur Klärung der grenzrechtlichen Rahmenbedingungen.
Fremdenverkehr:
Erstellung naturkundlicher Broschüren mit Beschreibung interessanter Wanderungen und Radtouren. Ein Faltblatt mit Wanderführer durch die Mittenwalder Kulturlandschaft wurde bereits von der Projektleiterin u.a. fertiggestellt.

Wirkung

Bisher wurden bereits 35 ha brachgefallene Buckelwiesen entbuscht bzw. instandgesetzt. Ein Teil der Flächen wird nun sogar wieder traditionell gesenst; andere Bestände werden extensiv mit Schafen und Ziegen beweidet. Interesse und Motivation der Mittenwalder sind überwältigend, die Beteiligung an den Landschaftspflegemaßnahmen ist größer als erwartet. Bisher haben mehr als 75 Eigentümer ihre Flächen dem Projekt zur Verfügung gestellt. Etwa die Hälfte beteiligt sich bereits selbst bzw. wird sich selbst an den Landschaftspflegemaßnahmen beteiligen. Einen großen Teil übernimmt ein Mittenwalder, der sich bereits in den ersten Monaten als Landschaftspfleger selbständig gemacht hat. Auch der Milchschaf- und Ziegenhalterverein sowie die Mittenwalder Weidegenossenschaft sind sehr aktiv. In Anbetracht der kurzen Probelaufzeit (s.u.) wurden die Erwartungen im Bereich Naturschutz und Landschaftspflege bei weitem übertroffen. Eine Regionalvermarktung "Mittenwalder Lamm" ist im Aufbau. Das Faltblatt "Die Mittenwalder Buckelwiesen und Heimweidegebiete" wird von von den Gästen Mittenwalds mit Begeisterung angenommen. Mittenwald wurde Preisträger Naturschutz bei den Henry Ford European Conservation Awards 1999.

Standort

Mittenwald

Beteiligte

Ortsansässige Landwirte und Grundeigentümer, Forst- und Weidegenossenschaft, Milchschaf- und Ziegenhalterverein, Zuchtverband der Bergschafe, Markt Mittenwald, Kurverwaltung Mittenwald; die Österreichische Partnergemeinde Leutasch mit u.a. Tourismusverband, Hackschnitzel-Heizkraftwerk und Landwirtschaftlicher Dorfgenossenschaft;
Fachbehörden (Naturschutz-, Landwirtschafts- und Forstverwaltung), Deutscher Orden Haus Röhling (Therapeutische Gemeinschaft für Alkoholabhängige), Maschinenring Oberland, Bayerischer Bauernverband BBV, Bund Naturschutz in Bayern BN.

Finanzierung

Alle Erstpflegemaßnahmen (Bereich Naturschutz) sowie die Maßnahmen in den Bereichen Landwirtschaft und Fremdenverkehr werden über INTERREG-II gefördert; die Beteiligung der betroffenen Institutionen stellt sich folgendermaßen dar:
Bereich Naturschutz:
EU: 50 %
Freistaat Bayern: 25%
Landkreis Garmisch-Partenkirchen: 12,5 %
Markt Mittenwald: 12,5 %
Stiftung für Bildung und Behindertenförderung (Initialförderung)
Bereich Landwirtschaft:
EU: 50%
Freistaat Bayern: 25%
Markt Mittenwald: 25%
Bereich Fremdenverkehr:
EU: 50%
Markt Mittenwald: 50%
Die Gesamtkosten des Projektes belaufen sich auf rund 1.1 Mio DM.
Die Folgepflege wird über die bestehenden staatlichen Fördermaßnahmen abgedeckt: Vertragsnaturschutzprogramm (StMLU) in Verbindung mit dem Bergbauernprogramm (StMELF).

Projektkosten

562'000.00 Euro

Ansprechperson

Hans Gütter
Dammkarstr.3
82481 Mittenwald / DE
Telefonnummer: +49 8823 33 14
Telefax: +49 8823 33 55
Email: Kurverwaltung@mittenwald.de
Internet: http://www.mittenwald.de