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Projekte

Erstellung eines Umweltmanagementsystems in Leutkirch

Durchführung eines kommunalen Öko-Audits (innerbetrieblicher Umweltcheck) in Leutkirch für die drei Standorte Rathaus, Schulzentrum und Bauhof.

Zielsetzung

Umweltpolitik der Stadt Leutkirch: Die Stadt Leutkirch erkennt die Notwendigkeit einer umweltverträglichen Politik. Diese ist Ausdruck ihrer Verantwortung für die Bürger, die Umwelt und künftige Generationen und führt zur Verpflichtung zu einem langfristig angelegten Schutz der Umwelt. Ziel ist, bei allen Entscheidungen, die unseren Lebensraum betreffen, Umweltgesichtspunkte angemessen zu berücksichtigen. Wichtige Ziele der vom Gemeinderat verabschiedeten Umweltpolitik sind die kontinuierliche Verbesserung im Umweltschutz, ein größtmögliches Maß an Bürgerbeteiligung, eine intensive interkommunale Zusammenarbeit, die Reduzierung des Ressourcenverbrauchs, die Mitarbeiterförderung und die Einhaltung rechtlicher Anforderungen.

Durchführung

Das in Leutkirch aufgebaute Umweltmanagementsystem entspricht den
Anforderungen der Europäischen Verordnung (EWG) Nr. 1836/93 vom 29. Juni 1993, besser bekannt unter dem Namen Öko-Audit-Verordnung oder EMAS. Diese Handlungsanleitung zum Aufbau eines Umweltmanagementsystems wurde in Leutkirch und in der Nachbarstadt Isny erstmals im kommunalen Bereich erfolgreich angewendet. Kernpunkt eines Umweltmanagementsystems ist die Festlegung von Verantwortlichen in allen umweltrelevanten Bereichen und die Systematisierung und Integration von allen umweltbedeutenden Abläufen in den Betriebsalltag. Mit der Umweltpolitik hat die Stadt Leutkirch Handlungsgrundsätze formuliert, die als Leitlinie für eine nachhaltige Entwicklung der Stadt dienen.
-In der Umweltprüfung werden jährlich die direkten Umweltauswirkungen in
-den beteiligten kommunalen Einrichtungen überprüft und daraus neue
-Umweltziele abgeleitet.
Basierend auf den Ergebnissen der Umweltprüfungen werden regelmäßig die Umweltprogramme überarbeitet und angepaßt. Hierzu werden Arbeitsgruppen einberufen, die sich aus Beauftragten, Mitarbeitern, Experten und interessierten Bürgern der Stadt Leutkirch zusammensetzen. In den Umweltprogrammen werden Termine und Verantwortlichkeiten festgelegt. Es wurde ein Umweltmanagementhandbuch für die Stadtverwaltung, in der alle Aufgaben der gesamten Kommune im Umweltschutz geregelt sind, erstellt.
Darüber hinaus wurden Umweltmanagementhandbücher für das Schulzentrum und dem Bauhof erstellt, in denen alle umweltrelevanten Abläufe der betreffenden Einrichtung dokumentiert sind.
-Ein Leitgedanke des Leutkircher Umweltmanagementsystems ist die
-regelmäßige Kontrolle, ob die eingeführten Prozesse und Regelungen in der
Praxis funktionieren.
Hierzu wird die Umweltbetriebsprüfung, die aus der jährlichen Öko-Bilanz, einem Organisationscheck und einem Rechtscheck besteht, durch den Umweltmanagementbeauftragten mit Hilfe von checklistengestützten Gesprächen durchgeführt.
-Eine ausführliche Umwelterklärung zur Information der Öffentlichkeit wird alle drei Jahre erstellt. In den dazwischen liegenden Jahren werden in einer vereinfachten Umwelterklärung die Ergebnisse der jährlichen Öko-Bilanz (Datenerhebung und –auswertung) veröffentlicht.
Im Sinne einer kontinuierlichen Verbesserung wird das Umweltmanagementsystem von einem unabhängigen, staatlich vereidigten Umweltgutachter daraufhin überprüft (validiert), ob es zur kontinuierlichen Verringerung der Umweltauswirkungen beitragen kann. Nach drei Jahren muss erneut ein Gutachten erstellt werden, in dem überprüft wird, ob die gesetzten Ziele im Umweltschutz erreicht wurden.
Der Aufbau des Umweltmanagementsystems wurde für drei Standorte durchgeführt:
– Rathaus (hier werden die maßgeblichen Entscheidungen, die die Stadt Leutkirch betreffen, gefällt)
– Schulzentrum, bestehend aus drei Schulen und einer Sporthalle (die vielen Kinder und Jugendlichen können ausgezeichnet als Multiplikatoren genutzt werden)
– städtischer Bauhof (der Bauhof ist kommunaler Dienstleister mit hoher Umweltrelevanz)
Für jedes der drei Gebäude wurden konkrete Ziele und konkrete Maßnahmen zu deren Erreichung formuliert sowie Verantwortliche und Termine festgelegt.
Außerdem wurden die Auswirkungen von kommunalen Entscheidungen in drei kommunalpolitischen Handlungsfeldern genauer unter die Lupe genommen:
- Energie und Klimaschutz
- Verkehr
- Umweltinformation
In diesen Handlungsfeldern wurden wie in den Einrichtungen Umweltprüfungen durchgeführt (anhand von Checklisten) und Umweltprogramme erstellt. Die kommunalpolitischen Handlungsfelder sind Bestandteil des Umweltmanagementsystems.

Wirkung

Der Verbrauch von Ressourcen konnte im Rathaus bereits während der Durchführung des Projekts gesenkt werden, ohne dass bereits große Maßnahmen umgesetzt wurden. Hier spielt das Benutzerverhalten eine wesentliche Rolle. Genauso konnten in den beiden anderen untersuchten Einrichtungen positive Ergebnisse erzielt werden (auch hier zuerst einmal durch einfache Maßnahmen (Hausmeister) und durch ein geändertes Benutzerverhalten (Schüler und Lehrer).
Das Öko-Audit und die Umwelterklärung sind ein sehr gutes Instrument der Öffentlichkeitsarbeit innerhalb der Verwaltung, aber besonders auch nach außen. Das positive Umweltimage kann zu einem Standortfaktor werden und wird bereits in der touristischen Werbung verwendet. Die ersten Erfahrungen aus dem Übergang des Umweltmanagementsystems aus der Modellphase ins „Tagesgeschäft“ sind größtenteils positiv. Viele Dinge müssen sich erst einspielen, manche müssen an die Praxis angepasst werden. Ein erster Schritt zur Übertragung des Umweltmanagementsystems auf weitere Einrichtungen verlief bisher erfolgreich. Durch den erfolgreichen Abschluss des Öko-Audits und die Integration des Umweltmanagements in die Verwaltung ist der Stellenwert des Umweltschutzes innerhalb der Verwaltung gestiegen.

Standort

Leutkirch im Allgäu

Beteiligte

Bürger, Stadt Leutkirch, Landesanstalt für Umweltschutz (Karlsruhe), Alpenforschungsinstitut (Garmisch-Partenkirchen), PLENUM (Projekt des Landes Baden-Württemberg zur Erhaltung und Entwicklung von Natur und Umwelt), Umweltgutachter.

Finanzierung

Die Kosten der externen Betreuung lagen in dem Modellprojekt bei etwa 60.000 DM. Diese wurden aus Mitteln des PLENUM übernommen. Die Kosten für den externen Gutachter und verschiedene weitere Gebühren (Eintragung etc.) lagen bei ca. 10.000 DM. Die Eigenleistung der Stadt in Form der von etwa 20 städtischen Mitarbeitern aufgewendeten Arbeitszeit, lag zwischen 1.000 und 1.200 Stunden.

Projektkosten

30'680.00 Euro

Ansprechperson

Stadt Leutkirch im Allgäu
Michael Krumböck
Marktstrasse 26
88299 Leutkirch im Allgäu / DE
Telefonnummer: +49 7561 87172
Telefax: +49 7562 875172
Email: michael.krumboeck@leutkirch.de
Internet: http://www.leutkirch.de