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Kulturlandschaftsprojekt Hoflieferantengemeinschaft Wilhelmsburg

Anhand des Modells der "doppelten Wertschöpfung" werden seit 1995 im Rahmen eines regionalen Kooperationsprojektes Milch und Obst zu hochwertig veredelten Produkten verarbeitet und im Großraum St. Pölten angeboten. Die Einbeziehung der Konsumenten im Rahmen einer breit angelegten Öffentlichkeitsarbeit sowie die Erhaltung und Gestaltung der regionaltypischen Landschaftselemente durch eine ökologische und verantwortungsbewußte Bewirtschaftung runden den breit angelegten Rahmen des Projektes ab und setzen ein Zeichen zukunftweisender kleinregionaler Entwicklung.

Zielsetzung

- Sicherung der Existenz landwirtschaftlicher Betriebe unter Berücksichtigung bestehender klein- und mittelbetrieblicher Strukturen zur Erhaltung einer regionalen Eigenständigkeit.
- Erhaltung der Kulturlandschaft sowie des regionaltypischen Landschaftscharakters

Durchführung

Aufgrund des EU-Beitritts durch Österreich waren die örtlichen Landwirte gezwungen, neue Lösungen zur Sicherung des Betriebseinkommens zu finden. 1994 schlossen sie sich einem Schulmilchprojekt an und belieferten die Wilhelmsburger Hauptschule mit Milch. Die Zusammenarbeit intensivierte sich durch weitere Aktionen wie beispielsweise Spiel- und Hoffeste, Wettbewerbe, Schulausflüge zu den landwirtschaftlichen Betrieben. 1995 wurde der Projekt-Antrag "Kulturlandschaftsprojekt Hoflieferantengesellschaft Wilhelmsburg" der Landwirte beim Niederösterreichischen Landschaftsfond per Regierungsbeschluß genehmigt. Das Projekt beinhaltet eine Förderung der Direktvermarktung zur Erhaltung der landwirtschaftlichen Betriebe in ihrer bisherigen Größe und Strukur. Die Landwirte erklärten sich darüber hinaus bereit, freiwillig und aktiv mit dem Naturschutz zusammenzuarbeiten und evtl. notwendige betriebliche Veränderungen vorzunehmen.
Phasen des Projektes:
Phase 1: Automatenbefüllung: Die erzeugten Produkte werden über Automatenverkauf in Lebensmittelgeschäften, Betrieben und an öffentlichen Plätzen abgesetzt.
Phase 2: Schulmilchversorgung: Es wird begonnen, die regionalen Schulen und Kindergärten mit Milchprodukten und Fruchtsaft zu versorgen. Heute beliefern die am Projekt beteiligten Landwirte flächendeckend die regionalen schulischen Bildungseinrichtungen. Durch intensive und kooperativ betriebene Öffentlichkeitsarbeit wurden die Ideen und Ziele des Kulturlandprojektes der Wilhelmsburger Bevölkerung - und hier in erster Linie den Schulkindern - im Rahmen von zahlreichen Betriebsbesichtigungen, Spiel- und Hoffesten nähergebracht. Dadurch soll der Bevölkerung vermittelt werden, daß eine Beibehaltung der bestehenden Produktionsformen nur in gegenseitiger Unterstützung möglich ist.
Phase 3: Kooperation mit dem Gewerbe: In der dritten Projektphase soll die Direktvermarktung hinsichtlich beteiligter Betriebe, Produktpalette und Absatzmöglichkeiten ausgebaut werden. Eine enge Zusammenarbeit mit dem örtlichen und regionalen Gewerbe wird angestrebt. Im Vordergrund steht jedoch zuerst die Erschließung der Märkte bzw. die Schaffung der Nachfrage und erst in weiterer Folge eine Erhöhung der (direkt vermarkteten) Produktionsmenge.
Das ÖKL koordinierte die Erstellung eines Leitbildes, nach welchem sich die zukünftige Entwicklung der Hoflieferantengemeinschaft richten soll. Dabei wurde zunächst die betriebliche, landschaftliche und produktionsbezogene Situation dargelegt und analysiert. Darauf aufbauend wurden Wünsche und Zielsetzungen der Konsumenten und des Naturschutz erhoben, in den Produktionsrichtlinien konkretisiert und in weiterer Folge im betrieblichen Ablauf umgesetzt. Durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit wurde ein Bewußtseinsbildungsprozeß in Gang gesetzt, um der ansässigen Bevölkerung die Auswirkungen regionaler Produktion und Vermarktung auf ihren unmittelbaren Lebensraum vor Augen zu führen. Gleichzeitig soll durch die detaillierte Dokumentation dieses Projektes die allfällige Entscheidung ähnlicher Initiativen in anderen Regionen unterstützt werden.

Wirkung

Durch das Kulturlandschaftsprojekt "Wilhelmsburger Hoflieferanten" können die bisher beteiligten Landwirte ihre wirtschaftliche Existenz absichern; dies wird in einer Dokumentation über den wirtschaftlichen Erfolg bestätigt. Die direkte Vermarktung ihrer Produkte in der Region und die Akzeptanz dieser Produkte unter der Bevölkerung ermöglichen einen Betriebserfolg ohne Betriebsvergrößerungen. Die Kenntnis der Produktherkunft und die regionale Nähe schaffen einen direkten Bezug zwischen Konsumenten und Produzenten. Diese Verbundenheit fördert beim Kunden die Bereitschaft, die regionalen Produkte zu kaufen und das Bewußtsein, eine Mitverantwortung für die regionale Entwicklung zu besitzen. Das Kulturlandschaftsprojekt beweist, daß landwirtschaftliche Betriebe naturschützerische Leistungen erbringen können, ohne dadurch wirtschaftliche Nachteile zu erleiden. Das Projekt konnte und kann Strukturen schaffen und unterstützen, durch die bedrohte Landschaftselemente erhalten bleiben, weil es wieder wirtschaftlich wird, sie zu nutzen. 1998 wurde der Verein "Pro Wilhelmsburg" mit dem Ziel gegründet, die Sicherung und Förderung der Lebensqualität in gesellschaftlicher, kultureller, sozialer, touristischer und wirtschaftlicher Hinsicht in Wilhelmsburg zu gewährleisten. Diesem Verein gehören neben Vertretern aus Wirtschaft, Tourismus, Landwirtschaft und Kultur auch Gemeindevertreter an, sodaß ein breiter Konsens für die Gemeindeentwicklung gegeben ist.

Beteiligte

Alle, die an der Landwirtschaft, der Nahversorgung und der Landschaft in Wilhelmsburg interessiert sind:
die Hoflieferantengemeinschaft Wilhelmsburg, die Wilhelmsburger Schulen, die Umweltberatung St. Pölten, die Niederösterreichische Landes- und Landwirtschaftskammer, die Österreichische Vereinigung für agrarwissenschaftliche Forschung, das Österreichische Kuratorium für Landtechnik und Landentwicklung (ÖKL), und der Niederösterreichische Landschaftsfond.

Finanzierung

Gesamtkosten: 15,3 Mio. ATS, Förderung von 7,8 Mio. ATS durch NÖ-Landschaftsfond, Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, BMLF und Gemeinde Wilhelmsburg, Mittel aus Ziel 5a. Die restlichen Kosten entstanden aus der eingesetzten Arbeitszeit der Beteiligten (Eigenkapital).

Projektkosten

1'100'000.00 Euro

Ansprechperson

Österreichisches Kuratorium für Landtechnik und Landentwicklung ÖKL
Gebhard Aschenbrenner
Gußhausstraße 6
1040 Wien / AT
Telefonnummer: +43 1 505 18 91
Telefax: +43 1 505 18 91 16
Email: g.aschenbrenner@oekl.at
Internet: http://www.oekl.at/

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