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Pilotprojekt autofreies Oberstdorf

Schaffung eines ganzheitlichen Verkehrsentlastungskonzeptes durch eine Abstufung bzw. Auslagerung der vorher durch den Ort führenden Bundesstraße und das Anbieten einer Umsteigemöglichkeit an den Auffangparkplätzen vor Ort auf öffentliche Busse mit schadstofffreier Antriebstechnik unter Einbeziehung regenerativer Energien (Sonnenlicht und Wasserkraft).

Zielsetzung

Reduzierung der zunehmenden Verkehrsbelastung und der Luftschadstoffe im heilklimatischen Kurort und Kneippkurort durch die Schaffung eines ganzheitlichen Verkehrskonzeptes unter Einbeziehung regenerativer Energien.

Durchführung

a) Abstufung bzw. Auslagerung der vorher durch den Ort führenden Bundesstraße 19 und Bau von Umgehungsstraßen im Westen und Osten des Ortes.
b) Massiver Grunderwerb und Schaffung von ca. 1.000 Auffangparkplätzen speziell für Tagesausflugsgäste an der Peripherie unter gleichzeitigem Abbau der innerörtlichen Parkmöglichkeiten in der gleichen Größenordnung. Verteuerung der Parkgebühren auf den innerörtlich verbleibenden Parkflächen unter gleichzeitiger Verkürzung der Höchstparkzeiten; Prinzip: "Verteuerung von außen nach innen"; Gratis-Parkplätze in Zentrumsnähe speziell für Hausfrauen, aber auch für Bewohner der Ortsteile und Tallagen.
c) Einsatz eines Ringverkehrs mit völlig neuen Elektrobussen (Kapazität 43 Personen) von August 1992 bis Dezember 1996, angetrieben durch Nickel-Cadmium-Batterien, bzw. seit Januar 1997 mit Hybridbussen der jüngsten Generation zwischen den Auffangparkplätzen und dem Ortszentrum. Voraussichtlich ab Oktober 1999 wird im Rahmen eines Pilotprojektes auf der Innerortsbuslinie weltweit zum ersten Mal ein öffentlicher Bus mit schadstofffreiem Brennstoffzellenantrieb (wasserstoffbetrieben) eingesetzt. Die schadstofffreien Busse verkehren im 15-Minuten-Takt zwischen 7.00 und 18.00 Uhr und bedienen insgesamt 12 Haltestellen auf einer Linienlänge von 4,6 km.
d) Für die Stromversorgung der schadstofffreien Busse wurde eine Solartankstelle (bayernweit größte kommunale Solaranlage zur Stromerzeugung) eingerichtet, die 30 % des Jahresenergieverbrauchs von zwei Bussen deckt, und eine Wasserkraftanlage, die die Wasserkraft des Warmatsgundbaches nutzt und 40 % des Eigenbedarfs am örtlichen Strom deckt, gebaut.
e) Einführung von "Tempo 30" flächendeckend für den gesamten Ort.
f) Einteilung des Ortes in drei Bereiche: Fußgängerzone, verkehrsberuhigter Bereich und Anliegerbereich.

Wirkung

Die unter staatlicher Aufsicht durchgeführten Luftmessungen über 1 1/2 Jahre (Kriterien des deutschen Bäderverbandes) bestätigen dem Markt Oberstdorf Luftgütegrad 1, also beste Luftqualität. Eine Untersuchung des Umweltministeriums belegt, daß sich in den ersten zwei Jahren seit Einführung des Verkehrskonzepts der Autoverkehr insgesamt in Oberstdorf halbiert hat. Allein durch die Eindämmung des Individualverkehrs bleiben dem Ort jährlich 400.000 kg Kohlendioxid erspart. Insgesamt entfallen jährlich 16,1 Mio. kg an Kohlendioxid-Emissionen durch die Stromerzeugung in vier kommunalen Wasserkraftwerken, durch den Einsatz von Solartechnik und durch die Reduzierung des Individualverkehrs. In sieben Jahren haben über 2 Mio. Fahrgäste vom alternativen Ersatzverkehr Gebrauch gemacht. 1997 und 1998 ist Oberstdorf mit zwei Bundespreisen ausgezeichnet worden:
-Umweltfreundliche Fremdenverkehrsgemeinde für das Gesamtkonzept mit dem Bundespreis "Tourismus und Umwelt"
- Für die umgebaute Ortseinfahrt mit Umsteigeparkplätzen mit dem Bundespreis für hervorragende Verknüpfungen von Verkehrswegen.

Standort

Oberstdorf

Beteiligte

Bayerisches Staatsministerium für Landesentwickung und Umweltfragen
Markt Oberstdorf
Regionalverkehr Allgäu
Planungsbüros Prof. Dr. Lang, Dr. Knopp, Prof. Valentien, Architekt Meier.

Finanzierung

Überwiegend kommunal, staatliche Zuwendungen für Hoch- und Tiefbaumaßnahmen (über GVFG, ÖPNV, Städtebauförderung) sowie Förderung der Ortsbuslinie durch das Bayerische Staatsministerium für Landesentwicklung und Umweltfragen im Rahmen des Pilotprojekts. In Absprache mit dem Umweltministerium können Kosten und Zuwendungen nicht bekanntgegeben werden.

Ansprechperson

Carl-Martin Eß
Postfach 1540
87555 Oberstdorf / DE
Telefonnummer: +49 (0) 8322 604123
Telefax: +49 (0) 8322 5079
Email: info@oberstdorf.de
Internet: http://www.oberstdorf.de