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Studie über eine ökologisch orientierte Nutzung des Haider Sees und des Umlandes

Der Haider See stellt eine wichtige natürliche und touristische Ressource im Vinschgauer Oberland dar. Bisher ist er „natürlich gewachsen“ bewirtschaftet worden. Durch die Studie soll der Zustand und die Entwicklungsmöglichkeiten erhoben und zusammengefaßt werden. Besondere Beachtung wird dem Fischzuwachs, der Fischfortpflanzung, der Limnologie gewidmet. In einem zweiten Teil sollen auch die Landwirtschaft, der Tourismus, die Ökologie der umliegenden Flächen miteinbezogen werden. Ergebnis sollte ein zusammenfassender Bericht zum Zustand und zu den Entwicklungsschwerpunkten des Sees sein, der den verschiedenen Interessierten - Fischern, Touristen, Einheimische, Gemeinde - eine Grundlage für ihre jeweiligen Entscheidungen bietet.

Zielsetzung

Einer der Schwerpunkte des LEADER-Programmes ist die Förderung des Tourismus im Oberen Vinschgau. Bereits vor 20 Jahren war ein Projekt in Aussicht und die Bereitschaft seitens der Bevölkerung von St. Valentin auf der Haide vorhanden, das Gebiet um den Haider See aufzuwerten und eine touristische Nutzung zu fördern. Der Haider See ist mit einer Fläche von ca. 93 ha der zweitgrösste natürliche See in Südtirol. Bedingt durch die Durchfahrtsstraße zum Reschenpaß ist das Verkehrsaufkommen ziemlich groß. Viele Gäste wünschen, auf der Durchreise anhalten und den idyllischen See bewundern zu können. Für das Dorf würde dies bedeuten, nicht mehr nur als Durchzugsgebiet zu fungieren, sondern für die Touristen interessant zu sein und ein beliebter Erholungsraum zu werden. Dies würde für die Bevölkerung einen imagemässigen und einen finanziellen Aufschwung bringen. Aus diesem Grund soll der Haider See für eine stärkere touristische Nutzung attraktiver gestaltet werden. Im Rahmen dieses Projektes dachte man dabei in erster Linie an einen See-Rundwanderweg, der zudem auch für die einheimische Bevölkerung zur Naherholung genutzt werden kann. Dieser sollte keine zusätzliche Belastung für die bäuerliche Bevölkerung bei der Bewirtschaftung der betroffenen Wiesen mit sich bringen und sich gut in die Landschaft einpassen. Ein weiteres Ziel dieser Studie ist es, eine ökologisch orientierte Nutzung des Haider Sees und des Umlandes zu gewährleisten, ohne jedoch die Bevölkerung in ihren Nutzungsansprüchen zu weit einzuschränken. Im Gegenteil, dieses Ziel soll durch das Aufzeigen neuer Nutzungs- und Erwerbsmöglichkeiten mühelos erreicht werden. Dazu wurde im Sommer 1998 vor Ort die Feldarbeit ausgeführt, die in einer futterbaulich-pflanzensoziologischen Erhebung bestand. Weiters wurde das Biotop am Südufer und am Nordufer und weitere landschaftlich-ästhetisch wertvolle Elemente detailliert erhoben, die als landschaftshistorische Zeugen die Attraktivität des Gebietes für den Erholung suchenden Gast erhöhen.

Durchführung

Um den Fischbestand des Haidersees zu untersuchen, wurden Fischproben entnommen und einer Analyse unterstellt. Ziel dieses Teils der Studie war die Charakterisierung des Fischbestandes. Es ging dabei um die Ermittlung der Fischarten, der Zuwachswerte, der natürlichen Fortpflanzung der vorkommenden Fischarten. Außerdem wurden die Fischereibewirtschaftung, die Besatzmaßnahmen und die Fangstatistik behandelt. Weiteres Ziel der Studie war die Machbarkeit eines See-Rundwanderweges zu überprüfen. Ein wichtiger Punkt ist die Ausarbeitung des Verlaufes für einen See-Rundwanderweg, da bisher nur ein Teilstück dieses Spazierweges realisiert ist. Die erwünschte zukünftige touristische Nutzung würde von diesem Rundwanderweg um den See sehr profitieren und den See als Erholungsraum stark aufwerten. Dabei sind einige Konfliktpunkte zu lösen: Einerseits wünschen die Landwirte nicht, dass ihre Wiesen durch den Weg zu stark beeinträchtigt und gestört werden. Außerdem sollen die am Süd- und Nordufer bestehenden Biotope sowie weitere landschaftlich-ästhetisch wertvolle Elemente nicht beeinträchtigt werden. Andererseits soll der Weg für möglichst viele Gäste attraktiv und deshalb angenehm und erlebnisreich sein. Um den verschiedenen Interessensgruppen gerecht zu werden, werden drei Varianten für den noch nicht realisierten Teil des Weges vorgeschlagen. In der Realisierungsphase einer der vorgeschlagenen Varianten des Seeweges ist darauf zu achten, mit einem entsprechendem Leitsystem die Besucher derart durch die Landschaft des Haider Sees zu führen, daß größere Probleme mit den Bauern und den weiteren Flächennutzern bereits von vorherein auf ein Minimum reduziert werden können. So sind z.B. entlang des Weges entsprechende Maßnahmen zur Besucherlenkung vorzusehen. Um zu vermeiden, daß die erholungssuchenden Gäste die Wiesen betreten und durch sonstiges Verhalten den Lebensraum See mit dem angrenzendem Uferbereich belasten (Müll, Lärm usw.), wird empfohlen, drei bis vier größere Informationstafeln anzubringen zur Kennzeichnung der offiziellen Zugänge sowie zum richtigen Verhalten am See und im Biotop; dazu sollten weitere kleinere Gebots- / Verbotshinweise platziert werden. Dies könnte in Verbindung mit dem bereits angesprochenen Leitsystem geschehen.
Verschiedene Maßnahmen zur Einschränkung von Störungen sind entsprechend vorzusehen, wie z.B. die Errichtung eines niederen Holzzaunes oder eines Gebüschstreifens.

Wirkung

Im Rahmen des LEADER II - Projektes „Studie über eine ökologisch orientierte Nutzung des Haider Sees und des Umlandes“ wurden die dem Seeufer angrenzenden Lebensräume, Vegetationseinheiten und besonders auch die landwirtschaftlich genutzten Flächen erhoben. Am Nord- und Südufer sind insgesamt ca. 11,4 ha als Biotop unter Schutz gestellt und als solches ziemlich intakt und naturnahe zu bewerten. Nur in kleinen Teilen - v.a. am Nordufer - ist das Biotop von Nährstoffeinträgen und von den in unmittelbarer Nähe sich befindenden touristischen Einrichtungen (Hotel, Parkplatz) etwas beeinträchtigt.
Die räumliche Nutzung des Seeufers teilen sich hauptsächlich Landwirtschaft und Naturschutz. Die Fischerei übt einen verschwindend kleinen Flächenanspruch auf den Uferbereich aus, deren Einflußbereich ist hauptsächlich die eigentliche Wasserfläche des Sees selbst. Die Wiesen am Ostufer werden intensiv genutzt, einige weisen einen zu geringen Gräserbestand auf und sind teilweise ziemlich verkrautet. Der Anteil der Gräser sollte im Bestand unbedingt durch gezielte Bestandlenkungsmaßnahmen gefördert werden, um zu für die Tierernährung geeigneteren Futtermengen und Qualitäten zu kömmen. Für den See- Rundwanderweg wurden mehrere Varianten in Betracht gezogen, wobei für jede die verschiedenen Vor- und Nachteile aufgezeigt wurden. Nach Abwägen dieser wird sich höchstwahrscheinlich die Variante 1 als die am einfachsten realisierbare herauskristallisieren. Verbunden mit der Realisierung des See-Wanderweges wird die Errichtung von Zonen im Uferbereich zur Abpufferung der Nährstoffeinträge aus den landwirtschaftlich genutzten Flächen empfohlen. Diese Pufferstreifen könnten in den Genuß von Landschaftspflegeprämien gelangen. Es werden außerdem weitere Maßnahmen zur touristischen Aufwertung des Gebietes vorgeschlagen wie:
- die Errichtung eines Naturlehrpfades
- Die Beschilderung der Zugänge zum See sowie das Aufstellen einiger Gebots- und Verbotsschilder mit Anleitung zum richtigen Verhalten am See und in den landwirtschaftlich genutz-ten Wiesen
- das Pflanzen von Hecken, Sträuchern und Bäumen entlang der Strasse und im Bereich des Seeufer-Wanderweges
- eventuell das Einrichten eines Campingplatzes

Beteiligte

Verein Haider See Freunde, LEADER-Vinschgau

Finanzierung

Gesamtumfang: Lire 50.000.000.-
Beitrag LEADER II: Lire 40.000.000.-
Eigenfinanzierung: Lire 10.000.000.-

Projektkosten

258'000.00 Euro

Ansprechperson

INTERREG-Koordinationsstelle Italien
Helmut Pinggera
Kugelgasse 1
39020 Schluderns / IT
Telefonnummer: +39 0473 615 500
Telefax: +39 0473 615 440
Email: [email protected]
Internet: http://www.leader-vinschgau.org/interreg_m...

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