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Landschaft und Freizeit

(c) Ri Butov

Ob Skifahren, Langlaufen, Wandern, Klettern, Gleitschirmfliegen, Canyoning oder Mountainbiken – Freizeitaktivitäten im Alltag oder im Urlaub haben einen enormen Einfluss auf die Landschaft und prägen deren Gesicht. Im Gegenzug prägen Freizeitaktivitäten unsere Sicht auf die alpine Landschaft, sei es als Alpenbewohnerinnen und Alpenbewohner oder als eine der Millionen von Besucherinnen und Besuchern. Diese Sichtweise auf die Landschaft wird kontinuierlich über die Medien reproduziert, in denen Landschaft oft als Kulisse für Freizeit und Abenteuer dargestellt wird.

Trends und Herausforderungen 

Die Alpen sind eines der wichtigsten Tourismus- und Freizeitgebiete Europas. Die enorme Vielfalt an Landschaften und Ökosystemen ermöglicht vielfältige Freizeitaktivitäten. Das macht die alpine Landschaft verletzlich und gleichzeitig zum Spielball für kurzfristige, eigennützige Interessen. Sie droht übernutzt zu werden durch die zahlreichen Ansprüche. Vielerorts ist die Belastungsgrenze erreicht oder überschritten. Durch die Neuentdeckung wenig erschlossener Naturräume in der Corona-Krise drohen weitere bisher wenig frequentierte Gebiete in Mitleidenschaft gezogen zu werden («Unerschlossene Landschaften»).

Unter welchen Bedingungen können Landschaft und Natur weiterhin für alle nutzbar sein? Braucht es Zugangsbeschränkungen in besonders sensiblen Gebieten und wie werden diese verhandelt? Die Antworten auf diese Fragen spiegeln die kulturellen Werte, die wir der Landschaft beimessen, wie Erholung, Freizeit, Erinnerung oder Abenteuer.  

Forderungen 

Der Umgang mit Freizeit-Landschaften erfordert den Einbezug aller Nutzerinnen und Nutzer: der Stadtbewohnerinnen, Outdoor-Fans oder Erholungssuchenden wie auch der Landbevölkerung, die in der alpinen Landschaft lebt und arbeitet, oder der multilokalen Bevölkerung, die zwischen den Welten pendelt. Das bedeutet keinesfalls, dass jede und jeder ihre oder seine Interessen durchsetzen kann. Es braucht einen gelenkten Dialog zwischen den Beteiligten und Lenkungsmassnahmen für einen massvollen Tourismus, der die Landschaftsqualität und die Natur erhält und bestenfalls zu deren Verbesserung beiträgt.  

Die Qualität des Dialogs und der Ergebnisse hängt entscheidend von der Qualität der StadtLand-Beziehungen sowie der Bereitschaft ab, Verantwortung zu übernehmen und zu teilen. Dafür braucht es bewusstseinsbildende Massnahmen. Es geht darum, die «ungeschmückte» Landschaft besser kennen zu lernen, zu erfahren und zu würdigen. Das ermöglicht den Beteiligten zu erkennen, dass der Wert der Landschaft und der Verlust der Landschaftsqualität ein zu hoher Preis ist für die Ausübung eines Hobbies oder die kurzfristige Gewinnmaximierung. Der Preis der Landschaft kann monetär, über Gebote oder über eine erschwerte Zugänglichkeit festgelegt werden. Jedenfalls muss er die soziale Gerechtigkeit zwischen den heutigen Anspruchsgruppen und den künftigen Generationen berücksichtigen. 

Neue touristische Infrastrukturen sollen nur in bereits intensiv genutzten Räumen entstehen. Bislang unerschlossene Gebiete und Landschaftskammern sollen dagegen vor neuer Infrastruktur geschützt werden. Die CIPRA spricht sich auch gegen Kapazitätserweiterungen aus. Beim Neu- und Ausbau von neuer Freizeitinfrastruktur soll Verantwortung gegenüber der Natur und Landschaft sowie für eine hohe Baukultur übernommen werden.  

Eine weitere zentrale Frage ist der Umgang mit Infrastrukturen in nicht mehr genutzten Freizeit-Landschaften. Mit steigenden Temperaturen und abnehmender Schneesicherheit werden viele Skilifte unnütz. Die CIPRA fordert den konsequenten Rückbau dieser nicht mehr benötigten Anlagen*.

 

* vgl. CIPRA-Positionspapier «Sonnenwende im Wintertourismus» 

Interaktive Alpenkarte

Weiterführende Informationen