CIPRA Vertretungen:

Benutzerspezifische Werkzeuge

  Suchfilter  

Feuer in den Alpen 2020 - "Qualität vor Quantität"

Feuer in den Alpen 2020: «Zukunft der Alpen: Qualität vor Quantität»

Das diesjährige «Feuer in den Alpen» der Alpenschutzorganisationen CIPRA Schweiz, Mountain Wilderness Schweiz und Stiftung Landschaftsschutz vom 8. August war ein «Feuer mit Blick auf die Alpen»: Die Teilnehmenden haben am Berner Hausberg Bantiger bekräftigt, wie wichtig wilde Naherholungsgebiete vor der Haustüre sind. Und: Dass der auf Fernmärkte ausgerichtete Massentourismus mit seinen zerstörerischen Grossprojekten ausgedient hat.

Ein sanfter Tourismus im Mittelland schützt die Umwelt

Der Ort für das «Feuer mit Blick auf die Alpen» war provokativ gewählt: Der Bantiger liegt nur sieben Kilometer vom Zentrum von Bern entfernt; kein Feuer in alpiner Höhe und fernab der grossen Zentren. Der Hügelzug mit seinen wilden Sandsteinformationen verkörpert jedoch, was vielen während des Lockdowns noch stärker bewusst geworden ist: Wir brauchen Erholungsgebiete im nächsten Wohnumfeld! Einige Teilnehmende sind zum ersten Mal über die verwachsene Krete bis zum berühmten Sendemasten gewandert und waren fasziniert, wie nahe das Wilde liegen kann. Wenn wir uns vor der eigenen Haustüre erholen können, verreisen wir weniger oft. Dies wirkt sich positiv auf die Umweltbilanz aus, denn 80% der CO2-Emmissionen im Tourismus gehen zu Lasten der Anreise. Gleichzeitig werden dadurch die hochfrequentierten Tourismusorte sowie die letzten wilden Räume in den Voralpen und Alpen entlastet. Dies bedeutet nicht, dass die Naherholungsgebiete des Mittellandes einem Halli-Galli-Tourismus geopfert werden sollen. «Wir möchten den Menschen zeigen, wie sie sich achtsam und naturverträglich draussen bewegen können», erklärte Sebastian Moos von Mountain Wilderness Schweiz anlässlich seiner Rede am diesjährigen «Feuer in den Alpen».

Touristische Grossprojekte haben ausgedient

Franziska Grossenbacher (Stiftung Landschaftsschutz) und Patrik Schönenberger (CIPRA Schweiz) haben mit ihren Ansprachen bekräftigt: Ein Umdenken ist dringend nötig! Tourismusdestinationen, die ihre kostspielige Infrastruktur mit einer möglichst hohen Besucherfrequenz amortisieren müssen, leiden am meisten unter der Corona-Pandemie und der Klima-Krise. Die Förderung von touristischen Grossprojekten, welche Natur und Landschaft zerstören, ist nicht zeitgemäss. Es kann heute nicht mehr darum gehen, immer mehr Leute immer schneller in und auf die Berge zu bringen. Ein weiteres quantitatives Wachstum mit Blick auf die Fernmärkte ist nicht zukunftsfähig und zerstört letztlich die Grundlagen eines erfolgreichen, qualitativ hochstehenden Tourismus.

Hintergrund

Jeweils am zweiten August-Wochenende brennen die «Feuer in den Alpen». Seit 32 Jahren treffen sich Aktive bei den traditionellen Höhenfeuern im gesamten Alpenraum von Slowenien bis in die Schweiz. Die solidarischen Feuer setzen ein eindrückliches Zeichen für die Erhaltung des natürlichen und kulturellen Erbes des Alpenraums. Dieses Jahr mahnten sie an den Schutz von Räumen hoher Natur- und Landschaftsqualität vor zerstörerischen Grossprojekten und an die Bedeutung der Naherholung.