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Grünes Wirtschaften im Allgäu

Mit dieser Veranstaltung wollte CIPRA Deutschland die Thematik des grünen Wirtschaftens auf die Ebene der zivilgesellschaftlichen Akteure bringen und überlegen wie Landwirtschaft und Handwerk, beides Traditionsbereiche im Allgäu, mit grünem Wirtschaften zusammenhängen bzw. sich gegenseitig beeinflussen. Darüber hinaus ging es darum, wie Netzwerke die beiden Teilbereiche im Sinne des grünen Wirtschaftens unterstützen können.

Grünes Wirtschaften

Laut des UN-Umweltprogramms bedeutet eine grüne Wirtschaft einfach ausgedrückt eine kohlenstoffarme, ressourceneffiziente und sozial ausgewogene Wirtschaft. Der sechste Alpenzustandsbericht, der genau dieses Thema im Bereich des Alpenraums behandelt, teilt die Thematik in die folgenden vier Bereiche ein:

  • Energieeffizienz und kohlenstoffarme Wirtschaft
  • Ressourceneffiziente Wirtschaft
  • Ökosystemdienstleistungen und Naturkapital
  • Lebensqualität und Wohlbefinden

Ziele und Maßnahmen

Eine grüne Wirtschaft im Alpenraum zu erreichen, bedarf einiges an Arbeit, Innovation und Veränderung. Jedoch stecken auch viele Chancen in diesem Bereich, wie zum Beispiel die Stärkung der regionalen Wirtschaftsentwicklung, Kosteneinsparung durch mehr Effizienz, Wohlergehen der Bürger und ein größeres Angebot von „Green Jobs“, um nur einige zu nennen.

Der Alpenzustandsbericht zeigt anhand vieler Good Practice Bespiele, wie ein Wandel im Kleinen stattfindet. Jedoch treten diese Beispiele noch viel zu vereinzelt auf. Darüber hinaus müssen für die Entwicklung der grünen Wirtschaft im Alpenraum Kooperationen gestärkt, Datenerfassung und Monitoring verbessert sowie Langzeitziele und konkrete Strategien festgelegt werden. Die Umweltministerinnen und -minister der Alpenstaaten haben sich bereits auf einen klimaneutralen und klimaresilienten Alpenraum 2050 geeinigt. Erste konkrete Vorschläge wie die Umsetzung einer Alpine Green Economy erreicht werden kann, wurden im Aktionsprogramm Grünes Wirtschaften der Alpenkonvention formuliert.

Netzwerke zur Unterstützung der Grünen Wirtschaft

Die genannten Maßnahmen funktionieren nicht ohne gegenseitige Unterstützung, Kooperationen sowie Erfahrungs- und Informationsaustausch. Gut strukturierte Netzwerke sind hierfür oft sehr hilfreich. Ein wichtiges und beständiges Netzwerk innerhalb des Alpenraums stellt der Verein Alpenstadt des Jahres dar, zu dem die Stadt Sonthofen seit 2005 gehört.

Der Verein wurde 1997 in Villach gegründet und umfasst derzeit 21 Städte. Jedes Jahr kann eine neue Stadt mit dem Titel Alpenstadt des Jahres gekürt werden. Die ausgezeichneten Städte bemühen sich besonders um eine Umsetzung der Alpenkonvention und wollen zudem das Alpenbewusstsein stärken sowie Brücken zu den umliegenden Regionen bauen. Die Städte stehen in regem Austausch untereinander und unterstützen sich bei der Umsetzung von Projekten. Sie erfüllen somit die Kriterien eines „guten Netzwerks“: Es ist ein dichtes Netzwerk mit einer großen Reichweite und der Möglichkeit von Wissenstransfer; es ist zudem ein stabiles und beständiges Netzwerk und das wahrscheinlich wichtigste Kriterium: die Städte verfolgen die gleichen Ziele.

Handwerk als Motor der Grünen Wirtschaft?

Im Handwerks-Workshop ging es darum, ob Handwerk als Motor einer grünen Wirtschaft fungieren kann.

Das Handwerk im Oberallgäu arbeitet insbesondere bei folgenden Punkten bereits im Sinne einer grünen Wirtschaft: Es verwendet regionale Rohstoffe, trägt zur Kreislaufwirtschaft bei, ist durch Reparaturen ressourceneffizient und fördert soziale Integration durch Bildung und Wissen. Handwerk fördert aber nicht nur eine grüne Wirtschaft, sondern auch vice versa, da ein generell nachhaltigeres Bewusstsein in Wirtschaft und Gesellschaft auch eine finanzielle Wertschätzung der Leistungen des Handwerks bedeutet. So wird letztendlich der „Motor“ angetrieben.

Damit der Motor auch funktionieren kann, muss es einige Grundvoraussetzungen geben: Synergien mit anderen Sektoren wie Energie und Tourismus, Bewusstsein und Wissen seitens der Bevölkerung, Transparenz und politische Verantwortung, aber auch Plattformen bzw. Netzwerke. Ein Netzwerk mit aktiven Mitgliedern kann Kontakte zur Politik herstellen oder andere Förderer anziehen, um eine Förderung zu gewährleisten. Am wichtigsten erachteten die Workshop Teilnehmenden allerdings, dass man nicht lange auf andere wartet, sondern ganz gemäß dem Selbstverständnis des Handwerks einfach selbst die Dinge in die Hand nimmt.

Landwirtschaft: Veränderung von oben oder von unten

Im Landwirtschafts-Workshop sollte herausgefunden werden, wie Landwirtschaft „grüner“ gestaltet werden kann und welche Veränderungsmöglichkeiten es "von oben" beziehungsweise "von unten" gibt.

Zuerst wurden die Grundvoraussetzungen für eine nachhaltige Landwirtschaft, im Sinne einer grünen Wirtschaft, erarbeitet. Schnell standen auf dem Flipchart mehrere Begriffe, wie z. B. eine Förderung der Alpwirtschaft, Grünlanderhalt, Wertschätzung, Vernetzung und Austausch unter Landwirten sowie eine innovative und individuelle Bewirtschaftung. Alle Teilnehmenden waren sich einig, dass vor allem eine kleinstrukturierte Landwirtschaft der entscheidende Faktor ist.

Probleme, die oft genannt wurden, waren hohe Fixkosten und die fehlende Kontinuität von Netzwerken und Förderungen. Gerade für kleine Betriebe sind diese Punkte aber ausschlaggebend. Anschließend wurde überlegt, welche Bottom-Up und welche Top-Down Ansätze es gibt, um eine grünere Landwirtschaft zu erreichen. Handel und Strategien wie die Ökomodellregionen wurden als Möglichkeiten für beide Ansätze genannt. Ein Bottom-Up Ansatz wäre beispielsweise die Organisation von verschiedenen Events, wie z. B. ein Tag des offenen Hofes. So könnte auch das Bewusstsein beim Verbraucher gestärkt werden. Weitere Möglichkeiten wären ein Austausch durch Netzwerke, Regionalvermarktung oder die Bildung von Genossenschaften. Eine mögliche Top-Down Strategie wäre eine Verminderung des bürokratischen Aufwands. Gerade kleine Betriebe haben wenige Ressourcen, diesen Aufwand zusätzlich zur täglichen Arbeit zu stemmen.

Ausblick

Die Veranstaltung zeigte, dass das Konzept der grünen Wirtschaften auf lokaler und regionaler Ebene noch nicht stark verbreitet ist. Umso wichtiger war es, dass CIPRA Deutschland nun ein Anstoß in diese Richtung gegeben hat. Die Bereiche Landwirtschaft und Handwerk tragen bereits einen großen Teil zu einer Grünen Wirtschaft bei, im Bereich der konventionellen Landwirtschaft muss es allerdings noch starke Veränderungen geben. Bessere Förderungen durch die Regierung und weniger Bürokratie, aber auch stabile Netzwerke, wären wichtige Kriterien für Klein- und Öko-Bauern, um von ihrer Arbeit leben zu können.

CIPRA Deutschland hofft, mit dem Projekt Knotenpunkt Alpen die Netzwerkbildung auf lokaler Ebene zu stärken, um so die grüne Wirtschaft voranzubringen. Jedoch muss es auch endlich von der Regierung klare Signale geben, um diese Wirtschaftsform durchzusetzen.

 

 

 

 

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Partner

Diese Veranstaltung wurde unterstützt von der Stadt Sonthofen und dem Ständigen Sekretariat der Alpenkonvention.

Logo der Stadt Sonthofen

Diese Veranstaltung wird gefördert von Umweltbundesamt und Umweltbundesministerium.

Alle Information finden Sie auch nochmal in unserem Flyer.