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Ergebnisse Akteursanalyse

Nach zahlreichen persönlichen Gesprächen und einem Onlinefragebogen konnte die Datenbank der zivilgesellschaftlichen Akteure inhaltlich deutlich erweitert und verbessert werden. Basierend auf diesen Erhebungen, werden im Folgenden einige Ergebnisse präsentiert. Aufbauend auf diesen Erkenntnissen werden nun die Knotenpunkt-Veranstaltungen konzipiert und eine weitere Vernetzung der Akteure vorangetrieben.

Methodik

Die Netzwerkanalyse basiert auf der Auswertung von Interviews, die mit 40 Akteuren in der ersten Projektphase geführt wurden. Zusätzlich wurden noch Onlinefragebögen, angelehnt an den Interviewleitfaden, verschickt und ausgewertet. Es gab einen Rücklauf von 24 komplett beantworteten Fragebögen, die ebenfalls in die Analyse miteinbezogen wurden.

Geografische und thematische Verteilung

Es wurden 175 Vereine, Initiativen, Unternehmen usw. identifiziert, die sich für eine nachhaltigere Entwicklung im bayerischen Alpenraum einsetzen. Zusätzlich zu diesen 175 Akteuren kommt noch einmal die gleiche Anzahl hinzu, bestehend aus den Lokalgruppen von Bund Naturschutz in Bayern, dem Deutschen Alpenverein, dem Landesbund für Vogelschutz und den NaturFreunden Deutschlands (siehe rechts). Zusammengerechnet besteht die Datenbank somit aus etwa 350 zivilgesellschaftlichen Aktueren! Hier muss noch erwähnt werden, dass die Datenbank beständig wächst und immer wieder neue Akteure hinzukommen.

Die Karte zeigt die geografische Verteilung der Akteure (ohne Lokalgruppen). Auf den ersten Blick sind diese recht gleichmäßig über den bayerischen Alpenraum verteilt, jedoch wurden im Oberland etwas mehr Akteure identifiziert als in den zwei anderen Regionen Allgäu und Südost-Oberbayern. Die wenigen Akteure die sich außerhalb des Perimeters der Alpenkonvention befinden, wurden aufgenommen, wenn sich Teile ihres Wirkungsbereichs im Alpenraum befinden.

Eine geografische Konzentration einzelner Themen ist nicht zu erkennen. Jedoch lässt sich sagen, dass insgesamt das Thema Landwirtschaft von den meisten Akteuren behandelt wird, gefolgt von Energie/Klimaschutz und Bildung. Die Bereiche Tourismus, Wirtschaft und Interdisziplinär werden von weniger Beteiligten thematisiert. Viele der Akteure konzentrieren sich aber nicht nur auf ein Thema, sondern binden auch andere Bereiche in ihre Arbeit mit ein.

Kennzahlen

Die Mehrheit der Organisationen existiert bereits seit über zehn Jahren und kann über 50 Mitglieder aufweisen. Allerdings muss darauf hingewiesen werden, dass nicht alle befragten Akteure eine konkrete Aussage hierzu machen konnten (z.B. keine Mitglieder oder entstanden aus anderen Organisationen). Trotzdem lässt sich daraus schließen, dass die meisten Beteiligten einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangt haben und mit ihrer Arbeit auf Interesse in der Bevölkerung stoßen. Zudem schaffen sie es sich über einen längeren Zeitraum hinweg eine gewisse Finanzierung zu sichern. Knapp die Hälfte der befragten Akteure werden über Mitgliedsbeiträge und verschiedene Fördermittel finanziert. Weitere Finanzierungsmöglichkeiten sind Spenden oder sonstige genannte Möglichkeiten; staatlich gefördert hingegen werden kaum Akteure.

Probleme

Stabile Finanzierung bei einigen darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass eine Vielzahl an Akteuren mit einem oder mehreren Problemen zu kämpfen haben. Wie auf der nächsten Abbildung zu sehen ist, geben die Befragten „Motivation“ als häufigstes Problem an, dicht gefolgt von politischen und finanziellen Schwierigkeiten. Ein weiteres häufig genanntes Problem sind bürokratische Hürden; zu wenige Mitstreiter, Konkurrenz und Außenansicht der Akteure werden kaum als Problem genannt.

Das Motivationsproblem ist unterschiedlichen Ursprungs und liegt bei den meisten Akteuren außerhalb der eigenen Organisation. Einige Befragten geben an, dass das Interesse in der Bevölkerung geringer ausgefallen ist als erhofft oder es länger gedauert hat, die Bevölkerung vom Ansatz oder Produkt zu überzeugen. So zum Beispiel meint ein Akteur „(…) die Bevölkerung von einem Ökomodell zu überzeugen hat sehr lange gedauert.“ Eine andere Initiative erklärt zudem, dass Nachhaltigkeit „keinen wirklichen Stellenwert in unserer Gesellschaft hat“.

Die politischen Probleme sind divers; bei einigen Akteuren fehlen die gesetzlichen Rahmenbedingungen, um ihr Projekt zu verwirklichen, bei anderen fehlt der Konsens auf Landkreisebene oder die Politik bremst durch zu viel Diskussion die Ideen und Umsetzung der Akteure.

Die finanziellen Probleme hingegen sind bei allen Befragten sehr ähnlich. Einigen fällt vor allem eine fortlaufende Finanzierung schwer. So gibt ein Akteur beispielsweise an, dass Förderprogramme nur befristet vergeben werden und daher keine stabile Finanzierung ermöglichen.

Inhalte

Die in den Interviews im allgemeinen klar formulierten Ziele der Organistionen sind entsprechend der verschiedenen Themengebiete vielseitig und gehen bei einigen Befragten über ein Themengebiet hinaus. Dies unterstreicht die große Motivation der zahlreichen Initiativen und Vereine den bayerischen Alpenraum nachhaltiger und umweltfreundlicher zu gestalten!

Um ihre Ziele zu verwirklichen, organisieren alle befragten Akteure verschiedene Projekte; einige davon werden von uns als sogenannte „Flagship-Projekte“ mit hoher Medienwirksamkeit eingestuft. Die Projekte sind von unterschiedlicher Natur; bei vielen wird die Bevölkerung angesprochen beziehungsweise eingebunden.

Der Nachhaltigkeitsbegriff

Eine Definition der Nachhaltigkeit wird bei 85 % der interviewten Teilnehmer genannt, nur fünf der Befragten definieren Nachhaltigkeit jedoch nach dem gängigen 3-Säulen-Prinzip (Ökologie, Ökonomie und Soziales) und nur 4 Befragte nach dem Generationenprinzip (eine Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre Bedürfnisse nicht befriedigen können).

Eine klare Definition oder Übereinstimmung der Akteure über die Bedeutung des Begriffes herrscht also nicht vor. Dies verwundert nicht, angesichts der Vielzahl an unterschiedliche Definitionen vor allem in verschiedenen Themengebieten. Hinsichtlich ihres gemeinsamen Ziels den bayerischen Alpenraum nachhaltiger zu gestalten, wäre es sicherlich sinnvoll und hilfreich, einen gemeinsamen Handlungsrahmen zu definieren. Die Alpenkonvention könnte dafür die Grundlage bilden.

Die Alpenkonvention

Der Mehrheit der Akteure ist die Alpenkonvention ein Begriff, spielt jedoch keine explizite Rolle in der konkreten Arbeit. Dies ist nicht zwangsläufig negativ zu verstehen, denn für einige hat die Alpenkonvention nun mal keine direkten Auswirkungen. Nur für ein Drittel ist die Alpenkonvention zentraler Bestandteil ihrer Arbeit und immerhin 14,9 % kennen die Alpenkonvention überhaupt nicht. Auch wenn es nicht von allen Befragten zur Alpenkonvention eine Aussage gibt, spiegelt diese Antwortverteilung ein wahrscheinliches Abbild aller Befragten wider. Die Tatsache, dass für ein Viertel der Akteure die Alpenkonvention kein Begriff ist, ist insofern nachteilig, da sicherlich für einige sowohl die Rahmenkonvention als auch die entsprechenden Protokolle der Alpenkonvention gute Verhandlungsbasis und Ideengeber darstellen würden.

Potentielles Netzwerk

Die Karte zeigt die "potentielle Vernetzung" der befragten Akteure. Sie beruht auf der Verbindung von gemeinsamen Themengebieten und Interessen. Es zeigen sich keine Tendenzen zu einer thematisch-geographischen Häufung.

Die Karte verdeutlicht aber die Vielfalt der Themen und das sich daraus ergebende Vernetzungspotenzial.

Dieses zeigt sich auch in den zahlreichen bestehenden Netzwerken in denen die Akteure aktiv sind.

Art und Grad der Vernetzung

Eine Vielzahl der Beteiligten steht bereits mit anderen Vereinen und Initiativen in Kontakt. 39 Akteure sind überregional vernetzt, manche von ihnen sogar international und 45 Akteure sind auf regionaler Ebene vernetzt. Je nach Ebene, ist die Art des Netzwerkes unterschiedlich. Auf regionaler Ebene besteht es vor allem aus persönlichen beziehungsweise anlassbezogenen Kontakten, bei überregionalen hingegen aus institutionalisierten Netzwerken „gleicher Akteure“.  

Auch wenn die Mehrheit der Befragten Netzwerke pflegt, bedeutet es auch, dass etwa ein Drittel der Akteure auf geografischer Ebene nicht mit anderen Akteuren in Kontakt seht. Zusätzlich geben auch nur 21 der Befragten an, dass sie thematisch mit weiteren Organisationen in Verbindung stehen. Demnach fehlt vor allem eine thematische Vernetzung.

Netzwerkkritik

Aus dieser Bestandsaufnahme könnte man schließen, dass sich viele Akteure eine bessere Vernetzung wünschen. Dies ist in der Tat der Fall, allerdings werden auch Bedenken geäußert. Insgesamt gab es 31 Kritikäußerungen zu einem neuen Netzwerk. Wie auf folgender Abbildung zu sehen ist, fürchten die meisten einen zu großen zeitlichen Aufwand und einen Interessenskonflikt. Kritische Stimmen kamen vor allem aus dem Allgäu und Südost-Oberbayern. Ein Grund für die regionalen Unterschiede könnte sein, dass, wie vor allem im Allgäu, sowohl auf regionaler als auch überregionaler Ebene eine gute Vernetzung existiert und deswegen weitere Anstrengungen in diese Richtung als überflüssig wahrgenommen werden. 

Etwa ein Drittel der Befragtengab zu bedenken, dass ein solches Netzwerk bereits bestehe, wobei diese Kritik nur aus dem Oberland und Südost-Oberbayern stammt. Dies bedeutet, dass die bereits gute Vernetzung im Allgäu auf eine andere Art und Weise funktioniert.

Netzwerksinn

Trotz der geäußerten Bedenken, hielten 49 Organisationen ein neues Netzwerk für sinnvoll und nur 5 für nicht sinnvoll. Zwei dieser drei ablehnenden Haltungen kommen aus dem Allgäu und werden mit der Unterschiedlichkeit der Regionen begründet. Zwei Allgäuer Organisationen sind sich noch unsicher und wollen abwarten, sind aber nicht per se gegen ein Netzwerk.

Netzwerkdesign

Für die Akteure ist das richtige Design des Netzwerkes ausschlaggebend, um letztendlich für sie von Interesse zu sein.

Die wichtigsten Kriterien hierbei sind Persönliche Kontakte und ein offenes Netzwerk. Ein weiterer wichtiger Punkt ist eine gute und sinnvolle Struktur, die auch höhere politische und behördliche Ebenen miteinbezieht und von einem Administrator verwaltet wird.

Fazit

Die Analyse zeigt, dass das zivilgesellschaftliche Engagement im bayerischen Alpenraum für eine nachhaltige und umweltbewusste Entwicklung groß ist und und die behandelten Themen sehr vielfältig sind.

Bei vielen Akteuren scheint die Organisation gut zu funktionieren, es gibt aber auch einige Probleme, von denen fehlende Motivation, politische Hürden und finanzielle Schwierigkeiten am häufigsten sind.

Ein neues Netzwerk muss diese Herausforderungen adressieren und gleichzeitig die bei den Akteuren vorherrschenden Hoffnungen und Bedenken einbeziehen. Einfachheit, offene Struktur und persönliche Kontakte müssen bei der Konzeption die Eckpfeiler einer erfolgreichen Vernetzung sein.

Vor allem letzteres, die persönlichen Kontakte, stehen im Fokus der zweiten Phase des Projekts. In dieser wird es sechs regionale Knotenpunkt-Veranstaltungen geben. Neben einer Wissensvermittlung zu den angesprochenen Problemen soll es vor allem darum gehen, Akteure zu vernetzen, gemeinsame Probleme gemeinsam anzugehen und Synergiepotentiale aufzudecken. 

 

 

 

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Mitgliedsverbände und Lokalgruppen

Mit den Mitgliedsverbänden von CIPRA Deutschland und deren Lokalgruppen wurden keine Interviews geführt.
Diese sind eng in das Projekt eingebunden, werden so über den Fortgang informiert und können ihre Wünsche einbringen. 

Anfang 2019 gab es zu diesem Zweck auch ein Treffen der lokalen Alpin- und Umweltgruppen.