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Auf nassen Trockenrasen

Bild: Bonzo Deubzer

Mit einer Biotopflegeaktion in Oberammergau ist unser Projekt Whatsalp youth am 11. November 2017 in die erste Runde gegangen. Gemeinsam mit Michael Schödl vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) haben wir einen Weg Instand gesetzt, damit rund 3 ha Wiesmahd-Fläche ab dem kommenden Jahr wieder standortgerecht gepflegt werden können.

Der Schuh steckt im Schlamm, das Wasser läuft hinein.  Der Dauerregen der vorangegangenen Tage hatte ganze Arbeit geleistet, von den Rindern, die hier über den Sommer geweidet hatten, ganz zu schweigen. Jeder der schon einmal versucht hat, trockenen Fußes über eine sumpfige Almfläche zu gelangen, weiß wahrscheinlich, was gemeint ist. Kurz gesagt, ein Freiwilligeneinsatz, der uns einiges abverlangte. Dank körperlicher Betätigung konnte aber trotz einstelliger Temperaturen von Frieren keine Rede sein. Und die Stimmung war bestens.

Dabei war so viel Nässe nicht unbedingt zu erwarten, handelt es sich bei den südexponierten Wiesmahd-Flächen im Ammertal doch vor allem um Halbtrockenrasen. Früher waren diese mageren Bergmähwiesen sehr ausgedehnt und lieferten Heu für das Vieh. Doch die Bewirtschaftung der steilen Hänge ist sehr beschwerlich und auch heute noch sehr aufwändig. So wurde ein großer Teil der Flächen bereits aufgelassen und ist widerbewaldet. Damit sind nicht nur Extensivflächen zur Nahrungsmittelproduktion verloren gegangen, sondern auch ein wertvoller Lebensraum für Pflanzen und Tiere

Bild: Frederick Manck

Die Wiesmähder zwischen Hörnle und Aufacker stehen deshalb inzwischen unter Naturschutz und gehören zum Natura 2000 Schutzgebietsnetzwerk. Doch was macht die Flächen so erhaltenswert? Es ist vor allem die extensive Bewirtschaftung. Die mageren Wiesen werden nicht gedüngt und nur einmal im Jahr geschnitten. Deshalb kommen hier viele Pflanzenarten vor, die auf den intensiv bewirtschafteten Talwiesen, heute keinen Lebensraum mehr finden. Davon profitieren auch viele Insekten, wie Schmetterlinge und Heuschrecken, was sich wiederum positiv auf die Vogelwelt auswirkt.

Die offene Landschaft der Wiesmahdflächen hat auch einen sehr hohen Erholungswert. Besonders gut lässt sich dieser während einer Wanderung auf dem sogenannte Altherrenweg genießen, der mitten durchs Wiesmahd führt. Die Wiesen geben den Blick auf Oberammergau, das Pulvermoos und die umgebenen Berge der Ammergauer Alpen frei und machen die Wanderung so zu einem kurzweiligen Erlebnis. Wer auf dem Weg unterwegs ist, kann sich bei dieser Gelegenheit auch gleich die Fläche anschauen, auf der wir im Rahmen unseres Freiwilligeneinsatzes aktiv waren. Sie liegt in der Nähe der Romanshöhe zwischen dem Altherrenweg und dem Leiernhof.

Bild: Juliane Klieser

Der LBV hat die Fläche vor einigen Jahren erworben, wodurch ihr Schutz dauerhaft gewährleistet ist. Sie wurde bis einschließlich dieses Jahr beweidet und soll jetzt wieder in eine Mähwiese umgewandelt werden, so wie es der traditionellen Nutzung für das Wiesmahd entspricht. Allerdings war der Zufahrtsweg zur Fläche vollkommen verbuscht, eine Anfahrt mit dem Heuwagen undenkbar. Für uns hieß es deshalb Bäume zur Seite räumen, Gebüsch zurückschneiden und das Astmaterial zu großen Haufen zusammentragen. Angeleitet wurden wir dabei  von LBV-Geschäftsstellenleiter Michael Schödl. Ganz nebenbei sind ein „Insektenhotel“ und ein „Schlangenhaufen“ entstanden. Ökologische Aufwertung kann ganz einfach sein.

Wo viele Hände zusammenhelfen, kann man viel erreichen. Zufrieden konnten wir nach einigen Stunden Arbeit auf das Ergebnis unseres Wirkens blicken. Hungrig von der Bewegung und der frischen Luft ließen wir unsere Aktion beim gemeinsamen Mittagessen im Warmen ausklingen. Dabei schmiedeten wir bereits Pläne für nächstes Jahr, wo wir gleich mehrere Freiwilligeneinsätze geplant haben. Wir hoffen, dass Du dann auch mit dabei bist!