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Österlicher Öffi-Optimismus

Das Junge Forum der CIPRA Deutschland wird dieses Jahr noch mehr mit Bus & Bahn unterwegs sein als normalerweise ohnehin schon. Denn unser Jahresthema 2019 wird der Öffentliche Personenverkehr in Bayern sein. Bei einer österlichen Wanderung zum Hinteren Hörnle im Ammergebirge am 20. April 2019 haben wir erste Planungen zu diesem Thema angestellt.

Mit einer gemütlichen Wanderung von Bad Kohlgrub über das Hintere Hörnle nach Unterammergau haben wir uns als Junges Forum an Ostern aus der Winterpause zurückgemeldet. Schon die Anreise mit der Bahn zum Bahnhof Bad Kohlgrub Kurhaus passte dabei perfekt zum Treffen, denn das Jahr 2019 möchten wir dem Thema Öffis widmen. Positiv könnte man es so ausdrücken: Bei diesem Thema gibt es großes Potential für Verbesserungen. Genau das richtige also für eine Gruppe von Optimisten!

An dieser Stelle ein Lob für die in letzter Zeit wieder besonders in der Kritik stehenden Deutsche Bahn, die uns an diesem Tag mit nur wenigen (!) Minuten Verspätung zum Ausgangspunkt unserer Wanderung beförderte. Und dadurch, dass Ausgangs- und Endpunkt unserer Tour verschieden waren, konnten wir auch gleich einen der Vorteile nutzen, wenn man beim Wandern mit Öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist: Flexibilität. Natürlich ein entsprechendes Angebot vorausgesetzt.

Denkt man über Probleme im Öffentlichen Personenverkehr in Bayern nach, müssen die meisten von uns nicht lange überlegen. Jede(r) kennt Situationen, in der er/sie sich schon einmal auf die Öffis verlassen hat, am Ende dann aber leider verlassen war. Ein gewisser Grundoptimismus (und eine BahnCard 50) ist auf dem Weg zum Bahnhof deshalb nicht die schlechteste Voraussetzung für eine gute Reise.

Zuweilen wird der Weg zum Zug ja auch mit dem Bus zurückgelegt. Leider werden diese beiden Verkehrsmittel häufig immer noch viel zu getrennt voneinander gesehen, der getrennte Ticketkauf ist der Regelfall. Fahrgastkomfort sieht anders aus. Am Ticketautomat am Bahnhof kann sich dann glücklich schätzen, wer genug Kleingeld dabei hat oder mit Karte zahlt. Ein bisschen Ironie: Das Bayernticket ist mittlerweile immerhin so teuer, dass man es mit einem 50 € Schein kaufen kann.

Schließlich gilt es noch einigermaßen entspannt die Zugfahrt zu überstehen. Gut beraten ist, wer etwas zum Lesen dabei hat oder in guter Gesellschaft reist, denn mit dem Internet ist das ja bekanntermaßen so eine Sache im Zug. Immerhin will die Deutsche Bahn bis 2021 in allen Fernverkehrszügen kostenfreies WLAN anbieten.

Und dann wäre da noch das Thema Bequemlichkeit: Auf diese wird bei den Sitzen in neuen Nahverkehrszügen mitunter leider nicht so viel wert gelegt. Weich gepolsterte Sitze, die einem sofort zum Einschlafen verleiten, werden mit den alten Zuggarnituren ausrangiert. Wer viel mit dem Zug unterwegs ist, dem nützt das Argument, dass im Nahverkehr ja angeblich nur kurze Strecken zurückgelegt werden, leider herzlich wenig. Jedenfalls noch ein Grund mehr, froh darüber zu sein, wenn man pünktlich sein Ziel erreicht.

Ein Blick über die Grenzen macht deutlich, wie es besser gemacht werden kann: Der Verkehrsverbund Tirol (VVT) bietet für 499 € ein Jahresticket für den Öffentlichen Personenverkehr. Inkludiert sind Bus & Bahn und es wird nicht einmal ein Unterschied zwischen Nah- und Fernverkehr gemacht.

In Südtirol hat man sich für ein anderes System entschieden. Hier hat praktisch jeder eine elektronische Karte im Geldbeutel, den sogenannten Südtirol Pass. Beim Ein- bzw. Aussteigen kurz ans Lesegerät gehalten, entfällt der Ticketkauf, der Fahrpreis für die gefahrenen Kilometer wird am Monatsende bequem vom Konto abgebucht. Der Clou: Je mehr Kilometer man im Jahr zurücklegt, desto günstiger ist man unterwegs. Bus- und Bahnfahren wird auf diese Weise eine Selbstverständlichkeit. Ist es nicht genau das, was wir auch anstreben sollten?

Wer auf den Berg steigt und den Blick in die Ferne schweifen lässt, dessen Geist öffnet sich oft für neue Ideen. Auch uns hat das Panorama von der Zugspitze über das Ammertal bis zu den Seen des Alpenvorlandes neue Gedanken eröffnet: Warum sind wir verpflichtet eine Rundfunkabgabe zu zahlen aber keinen Mobilitätsbeitrag? Gehört Mobilität nicht eigentlich zur Grundversorgung und damit in die Öffentliche Hand? Warum war die Verkehrspolitik der letzten Jahrzehnte so einseitig auf den Ausbau des Straßennetzes fokussiert? Und bräuchte es nicht längst einen Bayerischen Verkehrsverbund, um die „Kleinstaaterei“ im Bereich der Öffis zu überwinden?

Fragen über Fragen, die man sicherlich unterschiedlich beantworten kann. Doch eines steht fest: Das Potential für Verbesserungen im Bereich unserer Öffentlichen Verkehrsmittel ist groß. Was also tun? So viel sei verraten: Wir werden uns auf den Weg machen, selbstverständlich mit Bus & Bahn und mit Blick auf die Alpen. Unsere Reise wird ein ganzes Stück lang sein und wahrscheinlich noch länger dauern, aber wir bleiben optimistisch, dass wir unser Ziel erreichen. Fortsetzung folgt!