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Sonnenwende im Wintertourismus

© julochka / flickr

Der Tourismus hat Reichtum in die Alpen gebracht. In vielen Regionen ist er nach wie vor eine wichtige Einnahmequelle, aber auch ein Klumpenrisiko. Der Stellenwert und die Ausrichtung des Tourismus indes sind in den Alpenländern sehr unterschiedlich. Was überall zutrifft: Verändertes Gästeverhalten und Klimawandel erfordern neue Strategien und Herangehensweisen. Nötig ist eine sozio-ökonomische Transformation unter Berücksichtigung der touristischen Vergangenheit, Gegenwart und Potenziale für die Zukunft.

Die Internationale Alpenschutzkommission CIPRA betrachtet das vorliegende Positionspapier als konstruktiven Beitrag, um den Wandel der Tourismusdestinationen voranzubringen. Allgemeingültige Rezepte für einen zukunftsfähigen Wintertourismus gibt es keine. In diesem Sinne sind die hier aufgeführten Forderungen als Denkanstösse zu verstehen. Sie ist überzeugt: Intelligent gedacht und umgesetzt, verbindet Tourismus unterschiedliche Lebensbereiche und vielerlei Ansprüche von Einheimischen und Gästen in den Alpen und trägt damit zur Lebensqualität aller bei. Denn darum geht es letztlich: Um ein gutes Leben in den Alpen – sommers und winters. 

Ausgangslage und Trends

Die Logiernächte in den Alpen sind seit etlichen Jahren rückgängig, und zwar auch in ehemals erfolgreichen Wintersport-Destinationen. Die Zahl der Ersteintritte der Skigebiete, die so genannten Skier Days, ist in allen Alpenländern seit fünf Jahren tendenziell rückläufig, ebenso die der Aufenthaltstage. Ein Drittel bis ein Viertel der Skigebiete arbeitet defizitär. Die Ansprüche der Gäste sind vielfältig: Sie wollen heutzutage nicht nur Skifahren, sondern auch Schneeschuhlaufen, Konzerte besuchen, sich in Wellness-Oasen oder Meditationskursen erholen, regionale Spezialitäten geniessen oder lokales Brauchtum erleben. Insbesondere junge Menschen üben Wintersport, wenn überhaupt, nur gelegentlich aus.

Im globalen Wettbewerb dreht sich die Investitionsspirale. Tourismusanbieter in den Alpen setzen oft auf eine Karte: grösser und schneller. Sie setzen auf ferne Märkte und locken mit spektakulären Inszenierungen von weither angereisten Gästen in die Alpen, oft für einen einzigen Besuch. Die Kosten für Marketing, Infrastrukturen und Unterhalt steigen. 

Diese Herausforderungen verschärfen sich mit dem Klimawandel. Bereits jetzt fällt unterhalb von 1’000 Höhenmeter übers Jahr gesehen mehr Regen als Schnee, die Skisaison wird immer kürzer. Künstliche Beschneiung verschafft nur bedingt Abhilfe: Es braucht dafür mit konventionellen, erlaubten Mitteln drei bis fünf aufeinander folgende Tage mit Temperaturen im Minusbereich – was immer seltener vorkommt. Gemäss Prognosen können bis 2050 nur mehr Gebiete über 1ʼ800 Meter auf Skitourismus setzen. Was tun die anderen?

Einige Massnahmen, die getroffen werden, um den oben genannten Herausforderungen zu begegnen, verstärken den Klimawandel wiederum, etwa wenn Gäste angelockt werden, die von weither mit dem Flugzeug anreisen. Manche haben gravierende Auswirkungen auf die Umwelt und das Wohlbefinden der Bevölkerung. Der Wasser- und Energieverbrauch etwa nimmt durch die künstliche Beschneiung exponentiell zu. Untersuchungen aus Frankreich zeigen, dass sich die Trinkwasserqualität in manchen Skigebieten verschlechtert hat durch kontaminiertes Wasser aus Speicherbecken, durch zugeführtes Wasser und durch Schneezusätze im Zusammenhang mit Skisport-Veranstaltungen. Eingriffe in Landschaft und Wasserhaushalt können zu Bodenerosion und Hangrutschungen führen, was die Sicherheit der Menschen beeinträchtigt. Lärm- und Feinstaub-Emissionen durch das touristische Verkehrsaufkommen mindern die Lebensqualität nicht nur in den Destinationen, sondern auch in den Regionen entlang der Anreiserouten.

Das Bild verschneiter Berge und unberührter Landschaften, das Tourismusanbieter ihren Gästen vermitteln, stimmt immer weniger mit der Realität überein. Doch den alpinen Skisport in Frage zu stellen, kommt für viele Destinationen und Tourismusanbieter einem Sakrileg gleich. Trotz der ungewissen Aussichten setzen sie weiter auf den Ausbau der Ski-Infrastrukturen. Der Ruf nach Finanzierung von Marketingaktivitäten und Infrastrukturen durch die öffentliche Hand wird lauter, das Risiko an die Allgemeinheit ausgelagert.

Forderungen

  • Nachhaltiger Tourismus respektiert die Begrenztheit der vorhandenen Ressourcen und fördert innovative Ansätze!
  • Keine Erschliessung von Gletschern und unberührten Landschaftskammern!
  • Stillgelegte Infrastrukturen rückbauen und überdimensioniertes Bauland auszonen!
  • Umweltfreundliche Mobilitätsangebote schaffen und propagieren!
  • Tourismusförderung verlangt nach ganzheitlich ausgerichteten regionalen Strategien!
  • Von Pionieren lernen!
     
Details dazu sind im PDF zu finden:
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