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Offener Brief zum Schutz der Braunbären in den Alpen

Offener Brief an die UmweltministerInnen der Alpenstaaten und an den Landeshauptmann der Autonomen Provinz Trient

Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrter Herr Landeshauptmann Rossi,


Die Alpen beheimaten eine Biodiversität, deren Wahrung von strategischer Bedeutung für den gesamten europäischen Kontinent ist. Verschiedene Regierungen und NGOs haben sich in den letzten Jahrzehnten erfolgreich für die Wiederansiedelung von vom Aussterben bedrohten Grossraubtieren eingesetzt. Diese Tiere spielen einerseits eine wichtige ökologische Rolle in der Stabilisierung des pflanzenfressenden Wildtierbestandes, andererseits stellen sie ein friedliches Zusammenleben vor Herausforderungen. Damit eine Koexistenz zwischen Grossraubtieren und Tourismus, Landwirtschaft und Viehzucht gelingen kann, ist eine gemeinsame Vorgehensweise der Alpenstaaten bei der Information der Bevölkerung über Verhaltensweisen, die den Mensch gefährden könnten, bei wissenschaftlichen Beiträgen und beim Monitoring unerlässlich.
Bedauerlicherweise liest man immer häufiger Schlagzeilen von Zwischenfällen (die bislang immer glimpflich ausgingen), die die Stimmung in der Bevölkerung negativ beeinflussen. So auch im Fall von «Daniza», der Bärin, die ihre Jungen in Gefahr in sah und einen Wanderer, der ihren Wurf beobachtete, leicht verletzte. Nun hat die Provinz-Verwaltung Trient das Tier zum Fang freigegeben. Bei derzeitigem Informationsstand befindet sich Daniza noch in Freiheit. Aufgrund der Beschreibung der Sachlage und der Stellungnahmen von Fachleuten und der grössten italienischen Umweltschutzverbände erscheint uns das Verhalten der Bärin als nicht problematisch und rechtfertigt somit in keiner Weise ein Einfangen oder Beseitigen.
Mit ihrem Beobachterstatus bei der Alpenkonvention ist es der CIPRA ein Anliegen, Stellung zu beziehen und die Umweltministerinnen und Umweltminister der Alpenstaaten und die betroffenen Gebietskörperschaften zur Einhaltung der eingegangen Verpflichtungen im Protokoll Naturschutz und Landschaftspflege zu erinnern. Diese Bestimmungen stehen im Einklang mit völkerrechtlichen Verträgen zum Artenschutz.
Wir erachten die Jagd nach Daniza als unverhältnismässig und fordern eine Sistierung der Jagd, solange keine objektiven Einschätzungen zur vermeintlichen problematischen Verhaltensweise der Bärin vorliegen.


Dominik Siegrist

Präsident von CIPRA International

 

Mehr Informationen: http://www.cipra.org/de/medienmitteilungen/medienmitteilung-offener-brief-der-cipra-an-die-umweltministerinnen

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