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Wolf oder Leben!

Die Politik rückt dem Wolf in den Alpen auf den Pelz. © Lawria/flickr.com

Der Schutzstatus des Wolfs wird immer vehementer in Frage gestellt. Französische Schafhalter haben die Diskussion mit einer Geiselnahme weiter angefacht. Die Bergbevölkerung indes ist gespalten.

Die Schafhalter haben ihr Ziel erreicht: Sechs Wölfe wurden im französischen Departement Savoyen zum Abschuss freigegeben, und auf nationaler Ebene wird über die Lockerung des Schutzstatus diskutiert. Die Schafhalter hatten Anfang September den Präsidenten, den Direktor und einen Mitarbeiter des Nationalparks Vanoise 15 Stunden lang festgehalten. Während die Politik dem Wolf nun auf den Pelz rückt, kommen die Geiselnehmer ungeschoren davon.

Die Umweltverbände erkennen an, dass die Rückkehr des Wolfs für die Viehhalter mit einigen Herausforderungen verbunden ist. Sie wünschen sich aber umfassendere Lösungen als Abschüsse. Der Wolf sei nicht Verursacher von Problemen in den Alpen, sondern er decke nur die Probleme der Landwirtschaft in Frankreich im Allgemeinen und der Viehzucht im Besonderen auf, so Marc-Jerôme Hassid, Geschäftsführer von CIPRA Frankreich. «Das Landwirtschaftsmodell ist krank und muss überdacht werden, um ein Zusammengehen von Natur und Mensch zu ermöglichen.»

Lokalmatadoren geben den Ton an

In der Schweiz wurde der Schutzstatus von Wölfen, die in Rudeln leben, vor kurzem gelockert – kurz bevor im Tessin ein zweites Rudel auftauchte. Streitbar ist die Regelung, wonach die Kantone selber entscheiden können, ob die gesetzlichen Bedingungen für den Abschuss erfüllt sind. Der Kanton Wallis machte sogleich Gebrauch: Ein Wolf soll für seine Raubzüge büssen, obwohl die attackierten Schafherden unzureichend geschützt waren. Eine Umfrage in Graubünden, wo das zweite Schweizer Wolfsrudel lebt, zeigt indes, dass die Bevölkerung eine natürliche Wiederansiedlung des Grossraubtiers mehrheitlich befürwortet.

Lösungen für ein Zusammenleben

Die Alpenstaaten haben sich mehrfach für eine Ko-Existenz von Menschen und Grossraubtieren ausgesprochen, unter anderem im Rahmen der Alpenkonvention, mit der Berner Konvention und der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU. Für die Umsetzung dieses Bekenntnisses braucht es Herdenschutzmassnahmen, Entschädigungssysteme, Monitoring und eine Sensibilisierung der Bevölkerung. Auch die CIPRA trägt zur Sensibilisierung bei, unter anderem an ihrer Jahresfachtagung 2015 mit einem Beitrag von Duccio Berzi, Präsident von Canislupus Italia, der in Italien bei Konflikten mit der Viehwirtschaft vermittelt.

Quellen und weitere Informationen:

http://www.vanoise-parcnational.fr/fr/documentation-en-ligne/doc_download/2657-150904-cp-sequestration-a-bramans.html (fr)

http://www.cipra.org/de/dossiers/grossraubtiere

http://www.pronatura.ch/news-de/items/wolf-im-wallis-abschussbewilligung-nicht-rechtens