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Standpunkt: Weg von Mannsbildern und Frauenzimmern

Barbara Wülser, stellvertretende Geschäftsführerin CIPRA International © Martin Walser

Noch immer ist Gleichstellung Frauensache. Dabei gibt es genügend Gründe, sie als gesamtgesellschaftliches Anliegen zu behandeln. Alle profitieren – gerade in den Alpen, ist Barbara Wülser, stellvertretende Geschäftsführerin von CIPRA International, überzeugt.

Wenn der österreichische Vorsitz der Alpenkonvention am 18. und 19. April 2017 zur Frauenkonferenz nach Alpbach lädt, steht die wichtige Rolle, die Frauen für die Entwicklung in Berggebieten weltweit einnehmen, im Zentrum. Frauen möchten sich indes nicht auf diese Rolle beschränken, sondern fordern gleich lange Spiesse, etwa in Ausbildung, Erwerbstätigkeit oder Familienarbeit. Vermutlich werden in Alpbach mehrheitlich Frauen auf der Bühne und im Publikum sitzen. Dabei wäre Chancengleichheit auch ein Anliegen der Männer. Alle, Frauen und Männer, profitieren von geteilten Verantwortungen und Chancen.

Der volkswirtschaftliche Nutzen wäre immens, wenn Frauen vermehrt am Erwerbsleben teilhaben würden. Weltweit könnten mehr als 1,6 Milliarden Frauen stärker in den Arbeitsmarkt integriert sein, wie der Internationale Währungsfonds in einer Studie festhält. In westlichen Industrienationen, so auch in den Alpenländern, sind die grössten Hürden die fehlenden Betreuungsmöglichkeiten für die Kinder. Frauen sind hierzulande mindestens so gut ausgebildet wie Männer. Doch in Teilzeitpensen wird immer noch viel zu selten Karriere gemacht. Und die Hauptlast der Wirtschaftskraft liegt weiterhin auf den Schultern der Männer. Obwohl Gleichstellung in den Alpenländern gesetzlich verankert ist, sind Prägungen und Rollenbilder oft immer noch entscheidender als Talente und Neigungen.

Gleichstellung ist nicht Gleichschaltung, sondern ermöglicht Potenziale und Spielräume zu nutzen. Arbeitsteilung heisst, den Alltag entsprechend der eigenen Bedürfnisse und Möglichkeiten zu gestalten, vielfältige Erfahrungen zu machen, seiner Familie nahe zu sein und gleichzeitig am beruflichen und gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Männer können genauso gut kochen oder mit Kindern spielen wie Frauen. Frauen können genauso gut Sitzungen leiten oder Reden halten. Eine Gesellschaft, in der Frauen und Männer gleichermassen an der Familien- und Erwerbsarbeit teilhaben, ist anpassungsfähiger und widerstandsfähiger. Sie kann besser auf Veränderungen reagieren. Gerade in den Alpen, mit ihren einerseits strukturschwachen und andererseits prosperierenden Regionen, ist die Gesellschaft auf diese Resilienz angewiesen. Dank Chancengleichheit bleiben sie attraktiv für Menschen allerlei Geschlechts und jeden Alters.

 

Quellen und weitere Informationen:

www.fraueninbergregionen.at , www.zeit.de/karriere/2013-09/studie-iwf-frauenarbeit , www.imf.org/external/pubs/ft/sdn/2013/sdn1310.pdf (en)

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