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Von Schutzinseln zu Regionalmanagern

Schweizer Nationalpark: Das grösste Naturschutzgebiet der Schweiz hatte als erster Nationalpark in den Alpen eine grosse Vorbild-Wirkung in den Nachbarländern. © padmanaba01, flickr

Der Schweizer Nationalpark im Kanton Graubünden wird 100 Jahre alt. Der erste Nationalpark in den Alpen ist immer noch ein Vorzeigemodell. Doch um den Zustand der Schutzgebiete steht es nicht zum Besten.

Als der erste Nationalpark in den Alpen am 1. August 1914 unter der Ägide des damaligen Schweizerischen Bundes für Naturschutz, heute Pro Natura, offiziell eröffnet wurde, stand vor allem der Schutzgedanke im Vordergrund. Der Park wuchs bis 1932 von ursprünglich 100 auf 170 Quadratkilometer an. Die Schaffung einer derart grossen Kernzone ohne menschliche Nutzung würde heute kaum noch akzeptiert, meint Thomas Scheurer, Geschäftsführer der Forschungskommission Nationalpark. Bei neuen Schutzgebieten wird oft zuerst nach der Wertschöpfung gefragt, die sie erwirtschaften.

 

Vielfältigere Aufgaben

Zugenommen haben Einflüsse von aussen, wie durch den Klimawandel, Tourismus, Verkehr oder die Energiegewinnung. Damit sind auch die Aufgaben der Parkleitung vielfältiger und komplexer geworden. Man müsse mit unterschiedlichen Partnern verhandeln, so Scheurer. «Es gibt keine Lösung nur für den Park, es gibt nur regionale Lösungen.» Als «Musterbeispiel für die Zusammenarbeit» bezeichnet der Wissenschaftler die dynamische Restwassersanierung des Baches Spöl. Ein offener Punkt ist hingegen der stetig zunehmende Verkehr über die Ofenpassstrasse und nach Livigno/I, die mitten durch den Nationalpark führt.

Der Nationalpark stand seit 1914 Pate für viele weitere Schutzgebiete in den Alpen, mit teils sehr unterschiedlichen Ausrichtungen und Aufgaben. Laut Guido Plassmann vom Netzwerk alpiner Schutzgebiete Alparc werden immer mehr vor allem bewohnte Schutzgebiete geschaffen, die neben des eigentlichen Naturschutzes auch Aufgaben der Regionalentwicklung wahrnehmen. Schutzgebiete würden auch viele ökologische Dienstleistungen gewährleisten, die sich nicht alle monetär bewerten liessen. «Der Erhalt der Biodiversität ist nicht in Euros auszudrücken.»

Entwicklungen werden blockiert

Vielen Schutzgebieten fehlt es an finanziellen Mitteln, Kompetenzen und einer klaren strategischen Ausrichtung. In Italien beispielsweise verfügen von den 24 Nationalparks nur drei über einen gewählten Vorstand. Damit fehlt ihnen auch die strategische Führung; sie sind den Kräften von aussen noch mehr ausgeliefert. Einer der ältesten Parks, der Nationalpark Stilfserjoch in den italienischen Alpen, soll nun den regionalen Interessen geopfert und in drei Teile zerschnitten werden. Eine einheitliche Bewirtschaftung wird damit verunmöglicht. Auch in Frankreich werden den Schutzgebieten Steine in den Weg gelegt. GemeindevertreterInnen rund um den ältesten französischen Nationalpark Vanoise blockieren aus Angst vor Einmischung das in einem breiten Partizipationsprozess entwickelte Leitbild. Dieses hätte eine dauerhafte Zusammenarbeit zwischen Park und Gemeinden in der Umgebungszone ermöglichen sollen.

Quelle und weitere Informationen: http://www.nationalpark.ch/go/jubilaeum/jubilaum/entsehung-und-entwicklung, http://www.wwf.it/news/sala_stampa/?8880/Ripartiamo-dai-parchi (it), http://www.mountainwilderness.fr/se-tenir-informe/actualites/parc-de-la-vanoise-une-charte.html (fr)

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