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Virus Olympische Winterspiele

Die Nachhaltigkeit hat das Nachsehen: Olympische Winterspiele auszurichten, bedeutet vor allem hohe Kosten und der Bau neuer Sportstätten (Sotschi 2014). © Ken Yee

Mehrere Orte in den Alpen bemühen sich um Olympische Winterspiele, darunter Graubünden/CH und Innsbruck/A. Sie berufen sich auf die «Agenda 2020», die zwar viel verspricht, aber wenig hält.

Bereits drei Jahre nach dem letzten Scheitern an der Urne bereiten Wirtschaftsverbände und der Kanton Graubünden, Schweiz, die nächste Olympia-Kandidatur vor. Das Stimmvolk soll im Februar 2017 entscheiden. Die Kantone Waadt und Wallis haben sich ebenfalls ins Rennen um Olympische Winterspiele eingeschaltet, und zwei weitere Initiativen streben eine landesweite Austragung des Winterspektakels an. Das Olympiafieber grassiert nicht nur in der Schweiz, auch Innsbruck führt gerade eine Machbarkeitsstudie durch, um eine gemeinsame Kandidatur der Regionen Tirol, Südtirol und Trentino zu prüfen.

Laue Stimmung in der Bevölkerung

Doch mögen sich Wirtschafts- und Tourismusverbände noch so sehr nach olympischem Glanz und heilversprechende Tourismuseinnahmen sehnen, die Spiele haben einen schweren Stand in der Bevölkerung. So scheiterten die Kandidaturen von Graubünden, München, Krakau, Barcelona und Stockholm am Widerstand der Bevölkerung. Befürchtet werden vor allem die hohen Kosten und die fehlende Nachhaltigkeit beim Bau neuer Sportstätten.

Hohe Kosten, grosse Risiken

Die Initiatoren von «Graubünden 2026» versprechen sich durch die Spiele vor allem mehr Einnahmen im gebeutelten Tourismusgeschäft. Besonders der Wintertourismus tut sich aufgrund des Klimawandels, sinkender Skifahrerzahlen und des starken Frankens schwer. Doch die Vergangenheit hat gezeigt, dass Olympische Spiele in der Regel mehr Kosten verursachen als Geld bringen. So wurde das Budget der Winterspiele seit 1964 in Innsbruck um durchschnittlich 137 Prozent überschritten. Wissenschaftliche Studien konnten keine langfristigen positiven Effekte von Olympischen Spielen auf die Volkswirtschaften in Lillehammer, Calgary und Albertville finden. Stattdessen stellen sie für das Gastgeberland ein nicht unerhebliches finanzielles Risiko dar und verpflichten zu knebelartigen Verträgen mit dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC), wie die CIPRA in ihrem Webdossier festhält. Dort wurden die Erfahrungen zu Olympischen Winterspielen in den Alpen aufgearbeitet.

« Agenda 2020» als Vorwand

Aufgrund der rückläufigen Kandidaturen – für die Olympischen Winterspiele 2022 verblieben damals nur die Diktaturen Kasachstan und Peking im Rennen – wurde 2014 die IOC-Reform «Olympische Agenda 2020» beschlossen, die das angegriffene Image des IOC wieder aufpolieren sollte. Neu an den 40 beschlossenen Empfehlungen ist vor allem der häufige Gebrauch des Wortes «Nachhaltigkeit». Grundlegende Veränderungen bezüglich wirtschaftlicher, ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit fehlen jedoch gänzlich. Barbara Wülser, stellvertretende Geschäftsführerin von CIPRA International, betont: «Erst wenn das IOC seine Regelwerke und Strukturen von Grund auf überarbeitet, demokratische Grundwerte in den Ausführungsländern garantiert und die Prinzipien der nachhaltigen Entwicklung bei der Planung und Durchführung von Olympischen Winterspielen berücksichtigt, kann in den Alpen über eine Neu-Auflage diskutiert werden.»

Quellen und weitere Informationen:

www.nolympia.de/2014/11/40-empfehlungen-wie-das-ioc-seinen-geschaeftsumfeld-erweitern-will, www.olympia-2026.ch, www.nolympia.de/grunde-gegen-olympia-2018/vertrage-des-ioc/, www.olympia-nein.ch/go/aktuelles/meldungen/spgr.php, www.olympia-nein.ch/go/argumente/wunsch-oder-wirklichkeit.php, www.nzz.ch/schweiz/olympische-winterspiele-2026-noch-vier-projekte-im-rennen-ld.115605, www.cipra.org/de/dossiers/olympische-winterspiele

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