Benutzerspezifische Werkzeuge

  Suchfilter  

News

Vermitteln zwischen Mensch und Raubtier

Die Menschen haben den Umgang mit Raubtieren verlernt – treffen sie auf solche, gibt es oft Konflikte. © Tambako_the_Jaguar, flickr

Die grossen Raubtiere Bär, Wolf und Luchs sind in Europa wieder auf dem Vormarsch. Dies bringt immer öfter Konflikte zwischen Mensch und Tier mit sich – vor allem im Alpenraum. Die gebietsübergreifende Koordination kann zum harmonischen Zusammenleben beitragen.

Verfolgung, Zerstörung von Lebensraum und der Rückgang ihrer Beutetiere führten zu einer starken Abnahme der Populationen von Bären, Wölfen und Luchsen im europäischen Raum. Doch langsam kehren die grossen Raubtiere wieder zurück. Immer öfter gelingt es den Tieren, frühere Lebensräume zurück zu erobern. Um- und Wiederansiedelungsprojekte konnten etliche regionale Erfolge erzielen. So lebt mittlerweile in jedem der 21 europäischen Mitgliedstaaten zumindest eine Raubtierart. Vor allem der Alpenraum bietet für die Raubtiere alle notwendigen Voraussetzungen und ist für die Artenvielfalt von grosser Bedeutung. Denn umso verstreuter eine Population ist, desto mehr Überlebenschancen hat sie.

Konfliktgeladenes Zusammenleben

Doch die Rückkehr von Bär, Wolf und Luchs bringt auch neue Herausforderungen mit sich. Konflikte sind oftmals vorprogrammiert. Denn die Tiere kommen bei ihren Streifzügen durch Gebiete, in denen oft seit mehr als 100 Jahren keine Raubtiere mehr gelebt haben. Die Menschen haben verlernt mit ihnen umzugehen. Das führt oftmals zu konflikthaften Situationen – wie auch die jüngsten Medienberichte in den Alpenländern bezeugen. So beispielsweise in der Ostschweiz, wo ein Wolfsrudel seit ein paar Jahren im Calandagebiet lebt. Die Gegner des Wolfsrudels haben sich unterdessen organisiert, so Anita Mazzetta vom WWF Graubünden. «Sie bringen nun lautstark ihre radikalen Forderungen in die Politik ein. Angeheizt wird die Stimmung jedoch vor allem von Medien, die völlig unreflektiert und reisserisch berichten.»

Auch in Frankreich hat der Wolf keinen guten Ruf – vor allem bei gemässigten, älteren Männern aus städtischen Regionen. Das besagt eine Studie des französischen Meinungsforschungsinstituts IFOP von 2013. Die mangelnde gesellschaftliche Akzeptanz spiegelt sich auch in der französischen Politik wieder: Erst im Juli 2014 wurde ein neuer Gesetzesentwurf vorgelegt, der es Viehhaltern erlaubt, Wölfe abzuschiessen ohne grösseren Ärger zu bekommen.

In Italien steht eine Bärenmutter, die ihre Jungen gegenüber einem Schwammerlsucher verteidigen wollte, in den Schlagzeilen. Sie wird von den Behörden als Problembär eingestuft, obwohl wissenschaftliche Beweise hierfür fehlen. Während die Regierung das Tier einsperren will, sollen ihre beiden Jungen im Alter von sieben Monaten alleine in Freiheit weiterleben.

Länderübergreifender Mediator dringend nötig

Um das Zusammenleben von Mensch und Tier in dicht besiedelten Gebieten langfristig zu ermöglichen, müssen die Sorgen und Ängste der Menschen ernst genommen werden. Hierfür hat die europäische Kommission eine neue Plattform ins Leben gerufen. Die Plattform dient Betroffenen wie Bauern, Jägern oder Landbesitzern, aber auch Wissenschaftlern und Naturschützern dazu, Erfahrungen und gute Beispiele auszutauschen. «Wir müssen unsere tierischen Nachbarn mit Respekt behandeln, aber auch die Sorgen jener beachten, die von der direkten Nähe zu den Raubtieren betroffen sind», so der EU-Umweltkommissar Janez Potočnik. Mit Hilfe der Plattform könnten drohende Konflikte minimiert oder sogar vermieden werden.

Auch die CIPRA betont in einem Offenen Brief an die UmweltministerInnen der Alpenstaaten, dass ein Zusammenleben zwischen Mensch und Raubtier nur mit Hilfe gebietsübergreifender Koordination erfolgreich sein kann. Den Ordnungsrahmen hierzu bietet die Alpenkonvention.

Quelle und weitere Informationen: http://europa.eu/rapid/press-release_IP-14-648_en.htm (en), http://www.lemonde.fr/planete/article/2014/07/14/qui-veut-tuer-le-loup_4456036_3244.html (fr), http://www.suedostschweiz.ch/zeitung/gegner-von-wolf-und-baer-werden-staerker