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Verkannter Boden

Fruchtbarer Boden ist eine wertvolle und knappe Ressource in den Alpen. © Frank Schultze ZEITENSPIEGEL

Wir können ihn nicht atmen, wir können ihn nicht trinken, und doch ist er unsere Lebensgrundlage: Boden ernährt uns, beheimatet uns, schützt uns. Warum haben bis heute nur wenige seine Bedeutung erkannt?

Links4Soils gehört zu den wenigen Projekten, die sich für die Entwicklung eines alpenweiten und sektorübergreifenden Managements im Bereich Bodenschutz einsetzen. Partner aus dem ganzen Alpenraum schaffen ein länderübergreifendes Netzwerk, tauschen Wissen aus, nutzen Synergien und möchten den Bodenschutz in den Alpen so auf eine breitere Basis stellen. CIPRA Österreich ist als Beobachter am Alpine-Space-Projekt beteiligt, ebenso das Ständige Sekretariat der Alpenkonvention.

Ein solches alpenweites Bodenschutznetzwerk würde die Umsetzung des Bodenschutzprotokolls der Alpenkonvention erleichtern. Dessen Anwendung und Umsetzung ist laut Links4Soils bisher unzureichend. Dafür verantwortlich seien vor allem die lückenhafte Datenlage, das fehlende Wissen rund um den nachhaltigen Schutz von Ökosystemleistungen und der Mangel an praktikablen Managementmethoden. Ein Umstand, der auch die Eusalp-Aktionsgruppe 6 beschäftigt, die sich unter der Leitung des Ständigen Sekretariats der Alpenkonvention im Rahmen des Schwerpunkts «Raumentwicklung und Bodenschutz» mit den Schwierigkeiten eines alpenweiten Bodenschutzes auseinandersetzt.

Herausforderung EU-Gesetzgebung

Das Bodenschutzprotokoll ist als internationaler Vertrag auf diesem Gebiet einzigartig in Europa. Auf EU-Ebene existiert kein spezifischer und verbindlicher Rechtsrahmen, um Böden vor den grössten Gefahren wie Klimawandel, Landumnutzung, Versiegelung, Kontaminierung und Erosion zu schützen. 2006 legte die Europäische Kommission erste Entwürfe für eine EU-weite Bodenrahmenrichtlinie vor. 2014 zog sie diese allesamt wieder zurück. Als Antwort auf diesen Entscheid vereinten sich über 300 VertreterInnen aus Zivilgesellschaft, Forschung und Landwirtschaft in der Europäischen Bürgerinitiative People4Soil. Die einjährige Unterschriftenaktion endete am 12. September 2017. Die eine Million Stimmen, die notwendig gewesen wären, um ein Wiederaufleben der Diskussion um die Bodenrahmenrichtlinie in der Europäischen Kommission zu bewirken, wurden nicht erreicht. Keine vier Wochen danach hat die Kommission die Initiative archiviert und ad acta gelegt.

Damiano Di Simine, Vertreter der Bürgerinitiative und Leiter von Legambiente Lombardia, bemängelt die untergeordnete Stellung des Bodenschutzes in der EU: «Das Problem ist, dass die Europäische Kommission Boden nicht als Gemeingut definiert.» Luft und Wasser bewegten sich über Grenzen hinweg und würden aus diesem Grund als gemeinsame Angelegenheit aller Mitgliedsstaaten angesehen. Boden hingegen werde als ortsgebunden und damit in der Verantwortung der einzelnen Staaten liegend verstanden. «Die vielen Leistungen, die Boden für uns alle erbringt, sei es durch die Versorgung mit Nahrungsmitteln oder durch den Erhalt der Biodiversität, bleiben dabei unberücksichtigt», so Di Simine.

 

Quellen und weitere Informationen :

www.alpine-space.eu/projects/links4soils/en/home (en) , www.alpine-space.eu/projects/links4soils/downloads/2016_0721-links4soils.2page.projectsummary.pdf (en) , www.alpconv.org/de/convention/framework/Documents/protokoll_d_bodenschutz.pdf , www.alpine-region.eu/action-group-6 (en) , www.alpconv.org/de/activities/EUSALP-AG6/default.html , www.people4soil.eu , http://ec.europa.eu/citizens-initiative/public/initiatives/obsolete/details/2016/000002 , www.boden-des-jahres.de