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Transitverkehr: Teilerfolg am Gotthard

Der Strassengüterverkehr am Brenner nimmt weiterhin zu. © Jimmy.flickr

Am Gotthard wurde ein historischer Tiefstwert des alpenüberquerenden Güterverkehrs seit der Verabschiedung des Gesetzes zur Güterverlagerung erreicht. Am Brenner hingegen nimmt die Menge an Lastwagen weiter zu.

Das Schweizer Bundesamt für Verkehr hat die Statistiken für das Jahr 2016 veröffentlicht. Am Gotthard darf man einen Teilerfolg feiern: Die Zahl der Lastwagenfahrten ist im vergangen Jahr unter eine Million gesunken. Das ist der historische Tiefstwert seit 1994, dem Jahr der Annahme der «Volksinitiative zum Schutze des Alpengebietes vor dem Transitverkehr» durch das Schweizer Stimmvolk. Diese fordert die Verlagerung des Gütertransports von der Strasse auf die Schiene. Die Summe der transportierten Güter bleibt etwa gleich. Während der Anteil auf der Schiene zunimmt, sinkt der Anteil auf der Strasse. Die Umsetzung der Verlagerungspolitik macht also kleine Schritte in die richtige Richtung. Allerdings wurde das Etappenziel für die Umsetzung des Gesetzes fünf Jahre später als geplant erreicht. Auch dass die vorgesehene Obergrenze von maximal 650'000 Fahrten im Jahr 2017/2018 erreichen wird, ist schlichtweg unrealistisch.

Am Brenner stinkt’s weiter

Am Brenner hingegen, dem wichtigsten Alpenübergang für Gütertransporte, werden immer mehr Güter auf der Strasse transportiert. Die Schiene verliert sogar Anteile. Hier werden zwei Drittel der Güter auf der Strasse transportiert; am Gotthard ist das Verhältnis umgekehrt. Der Brenner, der Pass zwischen der Provinz Südtirol in Italien und dem Bundesland Tirol in Österreich, ist damit die wichtigste Nord-Süd-Verkehrsachse der Alpen. Das transportierte Gütervolumen in Tonnen ist hier fast doppelt so gross wie am Gotthard und auch viel grösser als an den anderen österreichisch-italienischen und französisch-italienischen Alpenkorridoren.

Im Stich gelassene Bevölkerung

«Die Politik lässt die Bevölkerung an den Alpenpässen im Stich», stellt Peter Hasslacher, Präsident von CIPRA Österreich, fest. Wenn der Weg, ja sogar Umweg über die Brennerautobahn erheblich günstiger sei als die Schiene oder der direktere Weg durch die Schweiz, brauche es mehr als nur neue Infrastrukturen. «Es braucht Sofortmassnahmen für die Gesundheit der Bevölkerung, eine Verlagerungsstrategie und endlich einen Schulterschluss in der Euregio.» Das sektorale Fahrverbot inTirol bezeichnet Hasslacher als «Augenwischerei». Dieses verbietet seit 2016 den Transport von Gütern, die ebenso für den Transport auf der Schiene geeignet sind, wie Steine, Abfälle, Holz oder Kraftfahrzeuge. «Die Leidtragenden dieser Verkehrspolitik der einzelnen Alpenstaaten, der Regionen und der Europäischen Union sind die Bewohnerinnen und Bewohner und die Natur entlang der Verkehrsachsen.»

Eine alpenweite Verkehrspolitik

Der alpenquerende Strassen-Güterverkehr hat enorme ökologische und soziokulturelle Auswirkungen auf den Lebensraum Alpen. Den meisten AkteurInnen wie Spediteuren, HafenbetreiberInnen, Verwaltungen oder KonsumentInnen sind die negativen Auswirkungen wie Luft- und Lärmemissionen bekannt und sie arbeiten oftmals bereits an Lösungen. Es fehlt indes an einem alpenweiten Dialog für eine gemeinsame Verkehrspolitik. AlpInnoCTsetzt hier an. Das dreijährige Projekt hat zum Ziel, einen alpenweiten, übergreifenden Austausch zwischen den AkteurInnen auf allen Ebenen zu fördern. CIPRA International ist über die gemeinnützige CIPRA International Lab GmbH am Projekt beteiligt.

 

Quellen und weitere Informationen:

www.tageszeitung.it/2017/03/11/die-brenner-tonnen/www.alpeninitiative.ch/alpeninitiative/medien/medienmitteilungen/2017/170323_verlagerungsziel.html, www.cipra.org/de/cipra/international/projekte/laufend/alpinnoct, www.bav.admin.ch/bav/de/home/aktuell/medienmitteilungen.msg-id-66115.html,  www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/mobilitaet-verkehr/gueterverkehr/alpenquerender-gueterverkehr.assetdetail.1380581.html , www.bav.admin.ch/bav/de/home/aktuell/medienmitteilungen.msg-id-66115.html