Benutzerspezifische Werkzeuge

  Suchfilter  

Weiterführende Informationen

News

Tauziehen um die Pestizide

Pestizide beeinträchtigen die Umwelt, die Biodiversität und die Menschen. © Ed Wohlfahrt_flickr

Pestizide belasten die Umwelt, bedrohen Nützlinge wie die Biene, verunreinigen das Wasser in den Alpen und einige stehen in Verdacht, krebserregend zu sein. Trotzdem scheinen sie in der konventionellen Landwirtschaft unantastbar.

Herbizide, Fungizide und Insektizide: Eine Vielzahl von Chemikalien lassen sich in Gewässern der Alpen finden. Für die Schweiz etwa ergab eine vom Bundesamt für Umwelt beauftragte Studie, dass die Wasserqualität bei keinem der untersuchten Fliessgewässer den gesetzlichen Anforderungen entspricht. Auch im Trinkwasser sind immer mehr Pestizide zu finden. Der Toleranzwert werde bei jeder fünften Messstelle überschritten, wie die nationale Grundwasserbeobachtung Naqua vermeldet. Offensichtlich versagen bestehende Regelungen.

In Italien erhitzt das Thema ebenfalls die Gemüter. 2014 hatte die Südtiroler Gemeinde Mals per Bürgerabstimmung entschieden, Pestizide auf dem Gemeindegebiet zu verbieten. Der Beschluss stiess auf heftigen Gegenwind bei Regierung und Bauern. Drei Jahre später kämpft die Gemeinde immer noch um die Zuständigkeit in der Pestizidfrage. Dabei ist der Nutzen für die Landwirtschaft nicht immer klar, wie eine vor kurzem erschienene Studie aus dem Südtirol aufzeigt: Der Einsatz von Glyphosat habe verheerende Folgen für die Traubenqualität, stellt die Freie Universität Bozen/IT fest.

Auch international wird das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat kontrovers diskutiert. Im Juni hat die EU die Zulassung von Glyphosat für zehn Jahre verlängert, da die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) dessen Unbedenklichkeit feststellte. Die Internationale Krebsforschungsagentur IARC und der US-Staat Kalifornien setzten Glyphosat dagegen auf die Liste potenziell krebserregender Stoffe. Mit dem Beschluss der EU bleibt nur noch die Möglichkeit, auf nationaler Ebene einen Verzicht zu erwirken.

Zum Beispiel nimmt Frankreich eine Vorreiterrolle ein: Die Regierung hat den Gebrauch von Pestiziden im öffentlichen Raum verboten, 2019 gilt dies auch für private Gärten. Ab 2018 ist Frankreich das erste EU-Land, das Pestizide der Familie der Neonicotinoide verbannt, das Studien zu Folge der Biene erheblich schadet. Zusätzlich hat Frankreich einen Antrag eingereicht, den Gebrauch von Pestiziden ausserhalb der Landwirtschaft in der ganzen EU zu verbieten.

Dies ist ein Schritt in die richtige Richtung, doch sollte der Gebrauch von Pestiziden grundsätzlich in Frage gestellt werden, wie ein UN-Bericht  zu den Risiken von Pestiziden für die Welternährung festhält: Die Auswirkungen auf den Klimawandel und der Verlust von Biodiversität seien überaus problematisch. Statt auf das vorherrschende industrielle Landwirtschaftsmodel solle auf ökologischen Anbau gesetzt werden, so ein Fazit.

 

Quellen und weitere Informationen:

www.greenpeace.de/sites/www.greenpeace.de/files/greenpeace_dauergiffte_in_den_alpen_report_0.pdf , www.admin.ch/gov/de/start/dokumentation/medienmitteilungen.msg-id-66224.htmlnzzas.nzz.ch/notizen/achtung-pestizide-im-trinkwasser-ld.1301514 , www.dervinschger.it/de/gesellschaft/kleiner-aber-wichtiger-sieg-23641 , www.unibz.it/de/news/124523-studie-zum-gewuerztraminer-glyphosat-zur-unkrautbekaempfung-hat-folgen-fuer-den-most , documents-dds-ny.un.org/doc/UNDOC/GEN/G17/017/85/PDF/G1701785.pdf?OpenElement (en) , www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/glyphosat-was-fuer-ein-verbot-spricht-und-was-dagegen-a-1084846.html , www.infosperber.ch/Umwelt/Neonicotinoide-Verbot-in-Frankreich-gegen-SyngentaBayer