Benutzerspezifische Werkzeuge

  Suchfilter  

News

Stolzer Freudentag für den Hochgebirgs-Naturpark Zillertaler Alpen – Urkundenverleihung „Naturpark des Jahres 2015“

(c) J.Essl

CIPRA Österreich gratuliert

Am 24. April 2015 überreichte VNÖ-Präsident Wolfgang Mair dem Obmann des Hochgebirgs-Naturparks Zillertaler Alpen, Bgm. Heinz Ebenbichler, in Mayrhofen die Urkunde mit der Auszeichnung „Naturpark des Jahres 2015“. Damit erhielt eines der größten Schutzgebiete Tirols eine entsprechende Würdigung für die ernsthaften Bemühungen zur Umsetzung der Naturparkziele und für den Gebietsnaturschutz in Österreich. Peter Haßlacher, Vorsitzender von CIPRA Österreich und Ehrenmitglied des Naturparks Zillertaler Alpen, stellte in seiner Laudatio insbesondere drei Säulen als Begründung für die Urkundenverleihung heraus:

  • Bestand des Schutzgebiets seit 1991 in einem Tourismusintensivgebiet ohne gröbere Vorkommnisse
  • Gemeinsamer Weg über knapp ein Vierteljahrhundert
  • Behutsame und stetige Öffnung.

Laudatio von Peter Haßlacher

Allein die Tatsache, dass hier im Zillertal ein Großschutzgebiet mit 380 km² Fläche entstanden ist und die knapp 25 Jahre nach der gesetzlichen In-Kraft-Setzung im Jahre 1991 ohne gröbere Unstimmigkeiten und Streitereien um die Grenzziehung über die Bühne gegangen sind, ist äußerst verdienstvoll und anzuerkennen. Es sind aber drei Säulen, welche die inhaltliche Würdigung des Großschutzgebietes/Naturparks ausmachen. Diese müssen im Gesamtzusammenhang gesehen werden.

  • Dass dieses Großschutzgebiet zu Stande gekommen ist, ist besonders herauszustreichen. Das Ruhegebiet „Zillertaler Hauptkamm“ ist zusammen mit dem Nationalpark Hohe Tauern Tirol das letzte große Schutzgebiet, welches in Tirol verordnet worden ist. Die besondere Schutzwürdigkeit taucht erstmals in der Raumordnungsskizze des Landes Tirol aus dem Jahre 1960 auf, 1981 wurde im Regionalen Entwicklungsprogramm für das Vordere und Hintere Zillertal auch eine Naturschutzvorsorgefläche als Ruhegebiet für den Zillertaler Hauptkamm und den Zemm- und Zamsergrund vorgesehen. Es dauerte aber bis zum 2. Juli 1991, ehe die Landesregierung dieses großflächige Ruhegebiet verordnete. Diesem politischen Entschluss gingen gröbere Reibereien voraus, emotional und hart. Schließlich beendete der damalige Landesrat Ferdinand Eberle die Auseinandersetzungen und machte seinem Politstil als „Beender“ eines Naturschutzkonflikts alle Ehre, indem er den Sack zumachte, nachdem alle Argumente am Tisch lagen und alles gesagt worden war. LR Eberle, die Kommunalpolitiker vor Ort und die ÖAV-Sektion Zillertal mit Paul Steger sowie die ÖAV-Fachabteilung Raumplanung-Naturschutz in Innsbruck waren die Pioniere dieser Schutzgebietswerdung. Ohne Zweifel war dieser Akt nicht die wahre Bottom-up-Entscheidung (in der Region von unten nach oben entwickelt), sondern schlussendlich eine Top-down-Entscheidung, getragen vom Versprechen, dieses Schutzgebiet entsprechend zu entwickeln, zu betreuen, etwas mit Grundeigentümern, Landwirtschaft und Tourismus zu machen.
  • Der gemeinsame Weg über knapp 25 Jahre ist die zweite Säule für eine entsprechende Würdigung. Für diese Phase der Entwicklung des Schutzgebietes bedeute es, Neuland zu betreten. Es gab in Tirol noch keine Schutzgebietsbetreuung. Mit der ersten Betreuerin Gudrun Fischer/Steger wurde von unten nach oben das Grundfundament für die Naturparkentwicklung gelegt. Es war ein gemeinsamer Weg, ein Weg der gegenseitigen Achtung und ein frühes Musterbeispiel von funktionierender Governance für ein Schutzgebiet. Besonders hervor zu streichen ist die unkonventionelle Hilfe durch das Land Tirol, hierbei zuvorderst durch den damaligen Amtsvorstand der Umweltschutzabteilung Gerhard Liebl, und seinem guten Kontakt zu Bürgermeister Hermann Thanner aus Brandberg (ebenfalls Ehrenmitglied des Naturparks). Mit vergleichsweise wenig Geld, wurde trotzdem sehr viel erreicht.
  • Die behutsame und schrittweise Öffnung des Schutzgebietsmanagements ist die dritte Säule des Zillertaler Erfolgsmodells. In den entscheidenden Naturparkrat wurden Zug um Zug alle wichtigen Entscheidungsträger integriert und zu Mitgestaltern gemacht. Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit dem Südtiroler Pfitschertal wurde gesucht. Die Gemeinde Brandberg ist mit dem Schwerpunkt Kulturlandschaftsentwicklung Gründungsmitglied des Gemeindenetzwerks „Allianz in den Alpen“, welches sich zur kommunalen Umsetzung der Alpenkonvention verpflichtet hat. Heute ist die gesamte Naturparkregion mit der Marktgemeinde Mayrhofen, den Gemeinden Brandberg, Finkenberg und Tux Mitglied dieses Alpen-Netzwerks. Schließlich gehört Ginzling zum Kreis der erlesenen Bergsteigerdörfer in Österreich.

Diese erfolgreiche Entwicklung mit vielen Einzelmosaiksteinen wurde insbesondere durch die umsichtige Führung des langjährig tätigen Naturparkobmanns Bgm. Günter Fankhauser aus Mayrhofen mit seinen Bürgermeisterkollegen, den Ratsmitgliedern und den hauptamtlich aktiven Betreuungspersonen möglich. Ihnen sei der große Dank ausgesprochen.

Weitere Infos:

www.naturpark-zillertal.at

www.alpenallianz.org/de