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Standpunkt: Vom Vorhaben ins Tun

Jakob Dietachmair ist Projektleiter Klima & Energie, Verkehr & Mobilität bei CIPRA International

Wissen und Handeln klaffen oft auseinander. Erprobungsräume helfen diese Kluft zu überwinden. Darum braucht es mehr von diesen Räumen, findet Jakob Dietachmair, Projektleiter bei CIPRA International.

Die Ernährung umstellen, mehr Sport treiben, weniger Auto fahren – wir alle wissen, wie schwierig es ist, das eigene Verhalten dauerhaft zu ändern. Doch der Klimawandel und seine Folgen verdeutlichen, dass eine persönliche Verhaltenswende hin zu einem klimafreundlicheren Leben  heute mehr denn je notwendig ist. Jetzt Anreize und Erprobungsräume dafür zu schaffen, ist die Aufgabe der Verantwortlichen aus Politik, Wirtschaft, Bildung und Zivilgesellschaft.

Erfahrungen aus Projekten wie «PEMO – Nachhaltige Pendlermobilität» und «100max – das Alpenspiel zum Klimaschutz» zeigen, dass Fortschritte erzielt werden, wenn Menschen klima- und umweltschonende Lebensstile erproben können. Sie können sich mit anderen spielerisch messen und vom Vorhaben ins Tun kommen. So fühlt sich beispielsweise ein Teilnehmer aus Buchs/CH viel gesünder, seit er an mindestens zwei Tagen in der Woche mit dem Rad statt dem Auto zur Arbeit fährt. Eine Familie aus Meran/I verzichtete versuchsweise auf Fleisch und entwickelte neue, kreative Rezeptideen. Sie sind Pioniere und Vorbilder für andere, die ihr Verhalten verändern möchten – die CIPRA als Projektträgerin unterstützt sie dabei.

Aus der Verhaltenspsychologie wissen wir, dass Menschen positive Anreize wie Neugierde, Freude oder Belohnung brauchen, um die Kluft zwischen Absicht und tatsächlichem Verhalten zu schliessen. Unterstützend wirkt auch der direkte Vergleich: Eine Zahl zum eigenen CO2-Verbrauch sagt nichts aus; wir wollen wissen, wo wir im Vergleich zu anderen stehen, wo wir besser, wo wir schlechter sind, und was wir gemeinsam erreichen könnten.

Damit dies gelingt, brauchen die Menscheneinige Voraussetzungen. Zug, Bus oder Rad nehmen PendlerInnen nur dann als Alternativen zum Auto wahr, wenn ein gutes öffentliches Verkehrsnetz und Radwege vorhanden sind. Regionale Lebensmittel aus biologischem Anbau werden von MitarbeiterInnen als selbstverständlich angenommen, wenn sie in der Firmenkantine angeboten werden. Sind solche Voraussetzungen gegeben, fällt ein klimafreundliches Leben leichter. Die Menschen erfahren, dass es Spass machen kann, Veränderungen auszuprobieren, und dass sie damit zur eigenen und allgemeinen Lebensqualität beitragen.

Quellen und weitere Informationen: www.cipra.org/de/100max, www.cipra.org/de/cipra/ueber-uns/jahresfachtagungen/cipra-jahresfachtagung-2015