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Standpunkt: Skifahren, Adieu!

Katharina Conradin, Präsidentin CIPRA International © Martin Walser

Der Winter steht vor der Tür: In vielen Skigebieten laufen die Schneekanonen bereits auf Hochtouren. Doch die Skifahrerzahlen sinken, die immensen Investitionen in den Ausbau der Skigebiete sind kaum noch zu rechtfertigen. Es ist an der Zeit zu erkennen, dass Skifahren kein Geschäftsmodell mit Zukunft ist, stellt Katharina Conradin, Präsidentin CIPRA International, fest.

Die Ersteintritte in Skigebiete in der Schweiz sind regelrecht eingebrochen – um mehr als ein Drittel in den letzten 25 Jahren. Auch in Italien geht der Trend eindeutig nach unten, und im Vergleich zu 1995 fahren ein Drittel weniger Österreicher Ski als noch Mitte der 1990er Jahre. Wachstum ist nur noch dort möglich, wo es gelingt, anderen Skigebieten Gäste abzuwerben. Die Konsequenz dieser Entwicklung: Ein Viertel bis ein Drittel aller Skigebiete in den Alpen arbeitet bereits heute defizitär. Die schneearmen Winter der letzten Jahre verschärfen die Situation weiter.

Umso absurder mutet es an, dass jährlich immer noch Hunderte Millionen Euro in den Ausbau der Skigebiete investiert werden: Von der geplanten Skigebietsverbindung Ötztal-Pitztal in Österreich übers Sudelfeld in Deutschland und Andermatt-Sedrun in der Schweiz bis hin zu Les Vans in Frankreich schlummern noch unzählige Projekte in den Schubladen der PlanerInnen. Viele werden derzeit wieder aus den Schubladen geholt, wie die CIPRA aufzeigt. Auch am Riedberger Horn wurde letzte Woche ein langjähriger Rechtsstreit besiegelt – zu Ungunsten der Natur und wider jegliche Finanzvernunft.

Doch je mehr in den Skisport investiert wird, umso schwieriger wird die Abkehr davon. Denn irgendwann ist der Skizirkus «too big to fail». Und weil nicht geschehen kann, was nicht geschehen darf, springen Staaten oder Gemeinden in die Bresche und übernehmen das Defizit, was zum Verschuldungsrisiko der öffentlichen Hand beiträgt.

Doch: Wir verbauen mit diesen Investitionen nicht nur die Berge – wir verbauen unsere Zukunft. Denn alles Geld, das heute in den Ausbau von Skigebieten investiert wird, fehlt für die Entwicklung zukunftsfähiger Projekte jenseits vom energie- und landschaftsfressenden Wintertourismus. Es darf nicht sein, dass wir weitermachen wie bisher, weil wir zu blind sind, uns eine Zukunft ohne Skifahren vorzustellen! Es ist Zeit, umzudenken und eine Zukunft in den Alpen ohne Skilifte zu planen – gemeinschaftlich, ganzheitlich und aufbauend auf regionalen Strategien, wie es die CIPRA in ihrem Positionspapier «Sonnenwende im Wintertourismus» skizziert.