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Schutzgebiete im Wandel

Der italienische Nationalpark Stilfserjoch wurde zerstückelt. (c) Daniele Faieta

Naturräume dienen der Bewahrung der immensen biologischen und landschaftlichen Vielfalt in den Alpen. Immer lauter wird indes die Forderung, sie sollten einen Beitrag an die regionale Wirtschaft leisten. Mit alpMonitor zeigt die CIPRA auf, von welchen Veränderungen Schutzgebiete in den Alpen betroffen sind.

Der Nationalpark Stilfserjoch/Stelvio in den italienischen Regionen Trentino-Südtirol und Lombardei war bis vor kurzem das grösste Schutzgebiet in den Alpen. Nach fast 80-jährigem Bestehen ist er heute Vergangenheit: Er wurde im Juli 2015 in drei regionale Parks aufgeteilt. Vor allem einige politische Akteure in Trentino und Südtirol empfanden den Nationalpark als hinderlich für die Entwicklung der Region und wollten der nationalen Regierung keine Rechenschaft mehr ablegen müssen.

Die Möglichkeit, die Naturlandschaft einheitlich zu verwalten, wurde damit beschnitten. Nun verwalten die jeweiligen lokalen Gremien die drei einzelnen Parks, mit drei Bewirtschaftungsplänen, drei Verwaltungen und drei Aufsichtsmechanismen. Projekte, die sich mit dem Schutz der Biodiversität, der Landschaft oder der Mobilität befassen, sind viel schwieriger zu koordinieren.

Einseitige Argumentation

Das Beispiel des Nationalparks Stilfserjoch/Stelvio ist nur eines von vielen in den Alpen. Zahlreiche alpine Schutzgebiete, also abgegrenzte Landschaften mit eingeschränkter Nutzung sind von Veränderungen betroffen (siehe auch Kasten). Damit wird auch die immense biologische und landschaftliche Vielfalt beeinträchtigt.

Die Argumente ähneln sich hüben wie drüben: Man möchte aufrüsten im Wintersport, Wirtschaftswachstum vorantreiben, die Energiewende vorantreiben, Arbeitsplätze sichern. Vernachlässigt werden in dieser Argumentation die Leistungen, die Naturräume für uns Menschen erbringen, sei es die Bereitstellung von Wasser oder Nahrungsmitteln, der Schutz vor Naturgefahren oder als Erholungsraum – nicht zuletzt für den Tourismus.

Die CIPRA stellt im Rahmen des Projekts alpMonitor in einer Alpenkarte, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, bedrohte oder bereits versehrte Schutzgebiete vor. Auch einige wenige Erfolgsgeschichten sind dabei. Menschen erzählen, was das Schutzgebiet für ihre Region und für sie selbst bedeutet. Eine Auflistung zeigt, welche Instrumente es auf internationaler Ebene gibt, um den Schutzstatus gesetzlich zu verankern.

Barbara Wülser, CIPRA International


Egartenlandschaft um Miesbach

Das Vertragswerk der Alpenkonvention enthält eine Reihe von Bestimmungen zum Schutz sensibler Gebiete. Dazu zählt auch Artikel 11 des Naturschutz-Protokolls, der festlegt: «Die Vertragsparteien verpflichten sich, bestehende Schutzgebiete im Sinne ihres Schutzzwecks zu erhalten (...).» Seit 1989 wurde die Verordnung des deutschen Landschaftsschutzgebiets Egartenlandschaft um Miesbach 21 Mal abgeändert. Damit liegt möglicherweise eine Beeiträchtigung des Schutzziels vor, weshalb CIPRA International erstmals ein Ersuchen um Überprüfung einer vermuteten Nichteinhaltung der Alpenkonvention einreichte. Der Überprüfungsausschuss nahm den Antrag an und befasste sich zwischen 2014 und 2016 damit. Seine Entscheidung und die damit verbundenen Empfehlungen sind derzeit Gegenstand von Verhandlungen auf Ministerebene und sollen bis Ende 2016 veröffentlicht werden. CIPRA International wird diese Veröffentlichung mit einem Web-Dossier über das Verfahren und die Folgen für die alpinen Schutzgebiete begleiten.

www.cipra.org/de/alpenpolitik
www.cipra.org/de/alpmonitor/natur-und-mensch