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Quo vadis, Nationalpark?

Trotz Zustimmung der Gemeinde Ascona am Lago Maggiore kommt der Nationalpark Locarnese nicht zustande.

Die Schweiz bekommt keinen zweiten Nationalpark, die Mehrheit der acht beteiligten Gemeinden stimmte im Juni 2018 dagegen. Eine mögliche Ursache: diffuse Ängste.

Eine Fläche von 218 Quadratkilometern, so gross wie der Lago Maggiore, hätte der neue Nationalpark Locarnese im Tessin/CH abgedeckt. Er hätte mehrere Klimazonen umfasst – von den Brissago-Inseln im Lago Maggiore auf 193 Metern Meereshöhe bis hinauf zum Gipfel des 2'864 Meter hohen Wandfluhhorns. Die Betonung liegt auf «hätte». Denn abgesehen von zwei stimmten alle beteiligten Gemeinden knapp gegen den neuen Nationalpark. Die Entscheidung war eng: 4'170 BürgerInnen votierten für den Nationalpark, 4'279 dagegen. Vor allem Jäger hatten gegen den Nationalpark mobilisiert. Urs Tester von der Schweizer Naturschutzorganisation Pro Natura, die schon seit dem Jahr 2000 für einen zweiten Nationalpark wirbt, zeigt sich enttäuscht: «Der Nationalpark Locarnese war ein von den acht Gemeinden ins Leben gerufenes und in der Bevölkerung gut verankertes Projekt. Trotzdem ist es den Gegnern gelungen, durch Schüren von diffusen Ängsten eine Mehrheit der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger für ein Nein zu gewinnen.»

Bereits im November 2016 wurde in der Schweiz ein Nationalparkprojekt abgelehnt – acht von 17 Gemeinden stimmten damals gegen den «Parc Adula» rund um das Rheinwaldhorn. Mit dem Scheitern des Nationalparks Locarnese gibt es aktuell in der Schweiz kein Projekt mehr, das einen neuen Nationalpark anstrebt. Im Vergleich zu anderen OECD-Staaten habe die Schweiz einen besonders kleinen Anteil an geschützten Flächen, erklärt Urs Tester. «Insbesondere fehlen zusammenhängende grössere Gebiete zur Erhaltung und Förderung der Biodiversität. Das heisst, der Bedarf nach einem oder mehreren neuen Nationalpärken ist unverändert vorhanden.» Zum Vergleich: Österreich und Italien haben jeweils vier Nationalparks in Alpenregionen, in den französischen Alpen und im Süden Deutschlands sind es jeweils drei, in Slowenien einer.

 

Quellen und weiterführende Informationen:

www.parconazionale.chwww.srf.ch/news/schweiz/abstimmungen/abstimmungen/tessiner-gemeinden/parco-nazionale-locarnese-kein-neuer-nationalpark-ums-onsernonetal, www.aargauerzeitung.ch/schweiz/letzte-chance-fuer-neuen-schweizer-nationalpark-131816639, www.pronatura.ch/de/wie-ein-rettungsprogramm-fuer-diese-abgelegene-gegend

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