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Österreichs Weg zur Makroregion

Wer hat das Sagen? Mit dem Einbezug der grossen Metropolen in die Makroregion verändert sich die Sichtweise auf die Alpen. (c) funky1opt, flickr

Die europäische Strategie für die Alpen wirft auch national Fragen auf. Österreich stellt sich diesen Fragen in einem transparenten, offenen Prozess. Das Projekt Alpen.Leben ist ein Beitrag dazu. Es soll nicht zuletzt auch die Alpen-konvention stärken.

Als einige – und zwar die reichsten – Alpenregionen ihren Vorstoss begannen, ihre Staaten und darüber hinaus die EU von der Idee einer Makroregionalen Strategie zu überzeugen, zeigte sich CIPRA Österreich skeptisch. Zu nahe steht man als ehemaliger Mitinitiant der Alpenkonvention, zu problematisch schienen die Auswirkungen: Sollten am Ende 70 Millionen Menschen im erweiterten Alpenraum über das Schicksal von 14 Millionen «eigentlicher» AlpenbewohnerInnen entscheiden? Kann man in einem solchen Prozess Solidarität für den Ausgleich von Unterschieden voraussetzen – und zwar sowohl innerhalb der Alpen wie auch zwischen der Alpenkernregion und dem Alpenvorland mit den grossen Ballungsräumen?

Obwohl die Alpenkonvention bereits seit über 20 Jahren Bestand hat, steht es um ihre Bekanntheit und um das Wissen ihrer Potenziale, ob bei Entscheidungsträgern oder in der Bevölkerung, nicht zum Besten. Dies gilt es zu verbessern, denn durch die Alpenkonvention wurde in den letzten zwei Jahrzehnten eine Struktur für den Alpenraum geschaffen, die in dieser Art einmalig ist, und es wäre leichtsinnig, diese Errungenschaft aufzugeben.

Österreich sucht den Dialog

Mit dem Projekt Alpen.Leben möchte Österreich das Potenzial bzw. den Mehrwert einer Makroregion Alpen unter dem Blickwinkel der Alpenkonvention herausarbeiten, auf deren Potenzial hinweisen und damit die Stärken dieses internationalen Vertragswerkes beispielhaft darlegen (siehe Kasten). CIPRA Österreich fungiert dabei als Informations- und Kommunikationsscharnier, ist aber auch bestrebt, einen fachlichen Input zu leisten und gemeinsam mit CIPRA International und den anderen nationalen Vertretungen eine Brückenfunktion zur Zivilgesellschaft und zum Alpenvorland herzustellen.

Erarbeitet wird unter anderem ein Governance-Modell, das auf einem Bottom-up-Prinzip beruht und ein mögliches Zusammenspiel zwischen Alpenraum, Alpenvorland und ausseralpinen Metropolen skizziert. Mit einem umfassenden Themenschwerpunktpapier – im Kontext der Alpenkonvention und ihrer Durchführungsprotokolle – bringt CIPRA Österreich zudem zukunftsweisende Themen den in den makroregionalen Prozess ein.

Österreich ragt international mit dieser transparenten und partizipativen Vorgehensweise heraus. Bundeskanzleramt, Aussenministerium, Lebensministerium, Bundesländer, Alpenkonvention, Sozialpartner, Österreichische Raumordnungskonferenz, Alpenraumprogramm und CIPRA Österreich als Vertreterin der Zivilgesellschaft sitzen gemeinsam an einem Tisch, tauschen Informationen aus und erarbeiten gemeinsam Inhalte und Strategien. Dieser offene und transparente Wissensaustausch trägt dazu bei, dass die Beteiligten Vorurteile abbauen können und dass das noch abstrakte und sperrige europäisches Zukunftsvorhaben «Makroregion Alpen» in einen konstruktiven gemeinsamen Prozess umgewandelt werden kann.

Der Ausgang ist offen

Inwieweit Österreich die Erfahrungen aus dem nationalen Prozess international einbringen kann, hängt davon ab, wie flexibel der Prozess auf internationaler Ebene gestaltet wird. Viele der Themen, die über das Projekt Alpen.Leben eingebracht wurden, finden sich auf der Prioritätenliste für die künftige Strategie. Wichtig ist, diese im Aktionsplan und in der Umsetzungsphase zu konkretisieren. Manche Fragen sind noch offen: Welche inhaltliche Rolle und welches Gewicht bekommmen die Alpenkonvention und die Zivilgesellschaft? Wird für eine Multi-Level-Governance ein Top-down- oder ein Bottom-up Ansatz gewählt?

Wenn es nicht gelingt, Klarheit zu schaffen und die Menschen für dieses Gebilde einer Makroregion Alpen für sich zu gewinnen, sind die Aussichten auf eine erfolgreiche Umsetzung gering. Ob der Wille, diesen Prozess offen, transparent und flexibel zu gestalten auch auf internationaler Ebene gegeben ist, wird sich in den nächsten Monaten zeigen: in der Art, wie die EU-Kommission und die Alpenländer den weiteren Prozess nach der Konsultationsphase zum Textentwurf der europäischen Strategie Alpen organisieren.

Josef Essl
Projektleiter Alpen.Leben, CIPRA Österreich

Christian Baumgartner

Mitglied CIPRA Österreich-Komitee, Vize-Präsident CIPRA International

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Transparenz und Austausch

Mit dem Projekt Alpen.Leben analysiert CIPRA Österreich im Auftrag des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft das Verhältnis der Alpenkonvention zur europäischen Strategie Alpen und erarbeitet Handlungsempfehlungen für eine erfolgreiche Integration der Alpenkonvention. In unterschiedlichen Veranstaltungsformaten findet zwischen VertreterInnen des Umweltministeriums, des Bundeskanzleramtes, des Aussenministeriums, der Bundesländer, der Wissenschaft, der Alpenkonvention und der NGOs ein regelmässiger Austausch zu den im Projekt erarbeiteten Schwerpunktthemen statt. Mit Öffentlichkeitsarbeit werden der laufende Prozess und die Ergebnisse weiteren Interessierten zugänglich gemacht. Die Umsetzung des Projektes Alpen.Leben ist auf eineinhalb Jahre bis September 2014 ausgerichtet und wird aus dem Programm Ländliche Entwicklung 2007-2013 gefördert.

www.cipra.org/de/cipra/oesterreich/projekte/alpen-leben

 

Quelle und weitere Informationen: www.cipra.org/szenealpen

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