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«Man kann fast alles teilen»

Fred Frohofer (c) Caroline Begle

Fred Frohofer ist «wir»: Gemeinsam mit anderen Menschen sucht der «Fazilitator für Suffizienz» raumsparende Wohn- und Arbeitsformen.

Am 18. April musste Fred Frohofer abwaschen. Das wusste er schon Monate zuvor. Es trifft ihn etwa vier Mal pro Jahr. Das dauert eine Stunde. Der 53-Jährige wohnt in einem «Cluster» in der Genossenschaft Kalkbreite in Zürich, Schweiz: Ein Raum, 38 Quadratmeter, Büro, Bett, Küche, Essecke, Bad – es ist alles da, was er für sich braucht. Alles Übrige teilt er mit anderen Bewohnerinnen und Bewohnern der Pioniersiedlung für gemeinnützigen Wohnungsbau.

Köchin, Gästezimmer, Bibliothek, Kinderbetreuung. «Man kann fast alles teilen», ist Fred Frohofer überzeugt, der sich selber als «Fazilitator für Suffizienz» bezeichnet. Niemand verstehe diese Begriffe. Mit Absicht. Die hellblauen Augen überstrahlen die Lachfalten. «Wir müssen neue Begrifflichkeiten etablieren.» Nachhaltigkeit etwa habe seine Bedeutung verloren. Wir – das sind viele verschiedene Menschen: Nachbarn, Mitstreiterinnen, Jugendliche, Auftraggeberinnen, Zuhörer, Denkerinnen. Bei ihnen holt er sich Ideen, mit ihnen tauscht er sich aus, sie begeistert er für seine Ideen.

Der Macher

Als Fazilitator hält Fred Frohofer Referate und moderiert Workshops zu zukunftsfähigen Lebensweisen – so auch für die CIPRA im Rahmen des Jugendprojekts I-LivAlps und der Wanderausstellung zum Architekturpreis «Constructive Alps». Er begleitet Prozesse und Projekte zu Suffizienz, Subsistenz und Resilienz, erstellt Inhalte und Layout für Publikationen, legt Musik auf und vieles mehr. Seiner Berufung kann der gelernte Radio- und Fernsehelektriker dank einer Erbschaft nachgehen. Für ihn, der bereits mit 13 Jahren sein erstes Geld als Pressefotograf verdiente, war die Schule verlorene Zeit. Seine Lehre wählte er im Ausschlussverfahren: lieber drei statt vier Jahre, kein Krach, kein Schmutz. Gearbeitet hat er dann nie in seinem Beruf, sondern er hat Radiostudios und Diskotheken eingerichtet, Lautsprecherboxen zusammengebaut, CDs und Audio-Messgeräte verkauft. Die Akustik hat er hinter sich gelassen, ein Tinnitus ist ihm geblieben.

Der Botschafter

2010 begegnete er erstmals P.M., Hans E. Widmer mit bürgerlichem Namen. Ein Kollege beim Schweizer Konsumentenmagazin «Beobachter», wo Fred Frohofer als Redaktor arbeitete, interviewte den Schweizer Kultautor, der 1983 mit dem Büchlein «bolo’bolo» eine neue Weltordnung formulierte. Fred Frohofer kaufte dessen neues Buch «Neustart Schweiz» und las es noch am selben Abend. Eine Woche später war er bei der Gründung des gleichnamigen Vereins dabei. «Gemeinsam geniessen – statt einsam verzichten», lautet dessen Motto. Im Zentrum stehen lebenswerte Nachbarschaften. Diese sind mit einer «Landbasis» verbunden, die sie mit Nahrungsmitteln versorgt: Gemüse, Getreide, Käse, Fleisch. Und der Möglichkeit, selber Hand anzulegen. «Wir orientieren uns an Dörfern im Alpenraum.» 500 bis 800 Menschen brauche es für eine funktionierende Nachbarschaft. Fred Frohofers Hände modellieren Quadrate. Die Genossenschaft Kalkbreite ist von «bolo’bolo» inspiriert. Doch man kann noch viel mehr erreichen, ist er überzeugt.

Die Ernährung liegt Fred Frohofer besonders am Herzen. Pilze, genauer gesagt. Pilze sind raumsparend, umweltschonend, dezentral anbaubar, bekömmlich. «Mit unserem hohem Fleischkonsum handeln wir uns immense Probleme ein. Pilze sind eine hervorragende Alternative.»

Barbara Wülser, CIPRA International

www.frohofer.ch
www.neustartschweiz.ch