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"Ich, am Gipfel"

Jenseits der gesellschaftlichen Kontrollen: alpine Frauenseilschaft um 1910 (c) Karl Lukan, Alpinismus in Bildern

Frauen haben in der Alpingeschichte von Anfang an eine wichtige Rolle gespielt – hinter den Kulissen. Manche erklommen Berge, um den gesellschaftlichen Konventionen zu entkommen. Für andere war es ein politisches Statement.

Wie viele Geschichten war auch die Geschichte des Alpinismus lange Zeit eine reine Männergeschichte. Selbst der legendäre Kletterer Paul Preuss, der sowohl mit seiner Schwester Mina als auch mit seinen Freundinnen Emmy Eisenberg und Annie Gibian ausgedehnte Klettertouren unternahm, sparte nicht mit Sarkasmus: «Die Frau ist der Ruin des Alpinismus.» Der Bergautor Franz Nieberl riet den Frauen 1922, den eigenen Rucksack selbst zu tragen, auf Hütten hausfrauliche Tugenden zu entfalten und «um Himmelswillen kein wildes Bergweib» zu werden.
Und doch: Frauen haben im alpinen Raum von Anfang an eine wichtige Rolle gespielt. Als Bergbäuerinnen oder Älplerinnen waren sie immer schon da, als Hochtouristinnen und Bergsteigerinnen haben sie die Alpenregion frühzeitig für sich entdeckt. Eine Ausstellung im Frauenmuseum Hittisau, Österreich, bietet eine weit gefächerte Dokumentation von den Anfängen des Alpinismus um 1750 bis zur Gegenwart mit einem Fokus auf bergsteigenden Frauen (siehe Kasten). Aber auch Frauen, die immer schon in den Bergen gelebt und gearbeitet haben, kommen zu Wort: Bergbäuerinnen, Sennerinnen, Hirtinnen, Trägerinnen, Schmugglerinnen, Hüttenwirtinnen, Älplerinnen.

«Wollen ist können»


Die erste Frau auf dem Montblanc war um 1800 die 22-jährige Magd Marie Paradis, die fast zufällig den Gipfel erreichte. Für die adelige Französin Henriette d’Angeville war die Ersteigung des höchsten Bergs der Alpen ein Lebenstraum. Sie plante eine umfangreiche Expedition und erreichte 1838 den Gipfel des Montblanc. «Wollen ist können», schrieb sie 1838 selbstbewusst in den Schnee.
Dennoch waren viele Frauen weniger vom Leistungswillen motiviert als vom Wunsch, sich der gesellschaftlichen Kontrolle zu entziehen und aus der Enge auszubrechen. Das betrieb mit viel Lust an der Provokation die Bestsellerautorin George Sand, Begründerin des Club Alpin Français. Der älteste und wichtigste Alpenverein für Frauen war aber der 1907 in London gegründete Ladies‘ Alpine Club, zu dessen erster Präsidentin die Bergpionierin Elizabeth Main Le Blond gewählt wurde.
Fanny Bullock Workman trug 1906 auf dem Karakorum, Pakistan, ein Schild mit der Aufschrift «Votes for Women» auf die Berge. Annie Smith Peck malte sich für die Besteigung des Huascarán in den peruanischen Anden einen Schnurrbart auf. Für beide war das Bergsteigen auch ein Mittel, ihrer Forderung nach dem Frauenwahlrecht Nachdruck zu verleihen.
Was unterscheidet den weiblichen vom männlichen Blick auf die Berge? Nichts, könnte man pragmatischer Weise annehmen. Aber: Die Wahrnehmung von Landschaft ist soziokulturell bedingt, und das schliesst Geschlechterunterschiede ein. Diese unterschiedliche Wahrnehmung wird sichtbar in Kunstwerken, die ebenfalls Teil der Ausstellung im Frauenmuseum Hittisau sind.

Stefania Pitscheider Soraperra und Ingrid Runggaldier
Frauenmuseum Hittisau/A

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Eine kulturhistorische Annäherung

Die Ausstellung «Ich, am Gipfel. Eine Frauenalpingeschichte» im Frauenmuseum Hittisau, Österreich, dauert bis 26. Oktober 2016. Vorgestellt werden die grossen Alpinistinnen des 19. und 20. Jahrhunderts, ihre Motive und Beweggründe. Nicht eine Chronik ihrer Erfolge und Leistungen wird gezeigt, sondern der Blick ruht auf den Persönlichkeiten.

www.frauenmuseum.at
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