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GETEILTE ENERGIEVISION ALPEN

Begehrte Wasserkraft: Die Energiepolitik ist ein Schlüsselfeld der Alpenpolitik. (c) Doro52, pixelio

Die Energieströme fliessen über die Landesgrenzen hinaus. Die Energiepolitik hingegen macht allzu oft noch daran Halt. Was die Alpen brauchen, ist eine umfassende Energievision,basierend auf weniger Energiekonsum.

Die Energiepolitik ist ein Beispiel für ein Politikfeld, das wirtschaftlich und funktional längst internationale Dimensionen angenommen hat, politisch jedoch immer noch stark national geprägt ist. Die Ausweitung des Blickfeldes über Grenzen hinaus ermöglicht neue Perspektiven und Lösungsansätze, bringt aber gleichzeitig die Gefahr mit sich, dass die Alpen nur mehr als Energielieferant und -speicher für Europa betrachtet werden. Es fragt sich: Was braucht es, um die Energiewende in den Alpen naturverträglich zu gestalten?

Die EU hat sich zum Ziel gesetzt, den Anteil an erneuerbaren Energieträgern am Gesamtenergieverbrauch bis 2020 auf 20 Prozent zu steigern. Die Energieeffizienz soll um 20 Prozent gesteigert, der CO2-Ausstoss um 20 Prozent reduziert werden gegenüber 1990. Auch die Alpenländer haben Ziele für den Anteil an erneuerbaren Energien formuliert. Diese bewegen sich zwischen 17 (Italien) und 34 Prozent (Österreich). Die Vorstellungen, wie diese Ziele erreicht werden sollen, gehen auseinander. Absolute Zielvorgaben für die Reduktion des Energiekonsums finden sich nirgendwo.

Unterlassen statt fördern

Manche Länder, darunter die Schweiz und Deutschland, kurbeln die Produktion von erneuerbaren Energien mittels Fördersystemen an – und damit auch den Verbrauch. «Subventionen fördern Taten, nicht Unterlassungen», bemängelte der Schweizer Journalist und Energieexperte Hanspeter Guggenbühl anlässlich eines internationalen Alpendialogs zur Energiewende (siehe Kasten).

Energieträger werden querbeet subventioniert. Weltweit fliessen rund 500 Milliarden Euro in die Förderung der Energieproduktion, innerhalb der EU sind es gut 90 Milliarden. Der grösste Teil fliesst fossilen und nuklearen Energien zu. «Die Energiewende braucht weniger Förderungen, dafür mehr marktgerechte Lenkung», sagt Guggenbühl. Lenkungsmassnahmen werden jedoch nur zögerlich ergriffen, und meistens nur für Brennstoffe, nicht aber für Treibstoffe.

Gesellschaft einbeziehen

Der Beitrag der Alpen an die Energiewende ist begrenzt. Zwar sind die Alpen reich an erneuerbaren Ressourcen. Doch diese sind nicht gratis zu haben: Deren Nutzung bedroht Lebensräume, Kultur- und Naturlandschaften. Und sogar bei Ausbeutung aller Ressourcen würde es nicht reichen, den stetig wachsenden Energiehunger Europas zu stillen.

Die Energiewende wird meist nur als wirtschaftliche und technische Herausforderung betrachtet, nicht als gesellschaftliche. Es braucht eine «Energievision Alpen», wie sie am Alpendialog angedacht wurde: eine ganzheitliche Sichtweise. Die Entscheidungen der Politik müssen der Gesellschaft dienen – und nicht umgekehrt. Sie werden von der Bevölkerung mitgetragen, wenn diese  einbezogen wird. Oberstes Ziel jedoch ist, den Energieverbrauch einzuschränken. Die restliche benötigte Energie muss naturverträglich produziert und gerecht verteilt werden.

Barbara Wülser
CIPRA International

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Vielfältige Aktivitäten

Am Alpendialog zur Energiewende der CIPRA entwickelten im Oktober 2013 in Luzern VertreterInnen von Verwaltungen, Verbänden und Medien Lösungsvorschläge für eine «Energievision Alpen». Im Projekt rechage.green lotet die CIPRA gemeinsam mit weiteren Partnern das Potenzial erneuerbarer Energien im Alpenraum aus. CIPRA Deutschland trägt mit einem Positionspapier über die naturverträgliche Energiewende in den Bayerischen Alpen zur Diskussion bei.

www.cipra.org/de/klima-energie     

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